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Rund Ums Rathaus
Die Kultur muss sich infrage stellen

Düsseldorf. Wie soll sich die Kultur in der Stadt entwickeln? Das Kulturkonsumverhalten der Düsseldorfer spielt bei der Beantwortung dieser Frage nur eine untergeordnete Rolle.

Das Wort selbst schreckt ab: Kulturentwicklungsplan. An dem wird über Monate gefeilt, und es ist die Frage, ob dabei wirklich Neues herauskommt. Was wäre denn neu? Es wäre beispielsweise wünschenswert, wenn von den 124 Millionen Euro, die aus der Stadtkasse in die Kultur fließen, möglichst viele Düsseldorfer profitieren. Eine Selbstverständlichkeit? Nur theoretisch. Die dicken Batzen gehen an Oper (rund 33 Millionen Euro), Tonhalle und Symphoniker (16 Millionen) und Schauspielhaus (gut 12 Millionen, das Land zahlt ebenfalls). Bei der freien Szene und den Festivals landen nur gut fünf Prozent des Kulturetats, recht wenig also. Es wäre interessant zu erfahren, wie viele Düsseldorfer - die konkreten Menschen, nicht die Gesamtzahl der Besucher - diese und andere kulturelle Angebote nutzen, wie sonst ihr Kulturkonsumverhalten aussieht. Warum macht man dazu nicht eine repräsentative Umfrage? Nicht um populistische Schlüsse daraus zu ziehen, sondern um danach zu fragen, ob Angebot und Kommunikation zeitgemäß sind.

Es bringt nichts, eisern an althergebrachten Kulturbegriffen festzuhalten. Der geht bei den städtischen Museen und Instituten naturgemäß dahin, sich selbst zu konservieren (rund 25 Millionen Euro Zuschuss). So hat in einem Gastbeitrag für diese Zeitung jüngst der Leiter des Goethe-Museums kritisiert, die aktuelle Diskussion in der Stadt sei durch die Verquickung von Kultur und Ökonomie geprägt, die "angeblich nötige Zentralisierung der Museumslandschaft" belegt er mit dem Begriff Vereinheitlichungswahn. Gut gebrüllt! Aber leider sehr erwartbar.

Seit Jahren wird darüber debattiert, ob man gewisse Verwaltungsfunktionen der Museen nicht bündeln könnte. Nichts ist passiert. Es gibt Ankaufsetats, wo die Erwerbungen gleich ins Depot wandern. Das darf man auch infrage stellen, so wie die Museumslandschaft in der heutigen Form auch. Warum nicht Häuser der Literatur (Heine, Goethe) oder der Musik (von Schumann bis zu Kraftwerk und den Toten Hosen)? Kultur nicht als Tresor, sondern als Geschichte unter einem Dach mit Besucherströmen, wo der eine vom anderen profitiert? Der gerade ausgeschiedene Leiter des Theatermuseums, dessen Haus geschlossen wird, findet die Vorstellung gar nicht so schlecht, dass die Sammlungen vielleicht in einer neuen Zentralbücherei von mehr Menschen gesehen werden. Kultur selber hat immer wieder auch Revolutionäres, Kulturpolitik meist nicht.

Quelle: RP
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