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Made In Düsseldorf
Die Kunst, auf allen Sommerfesten gleichzeitig zu sein

Düsseldorf. Zurzeit ist das Angebot an Sommerfesten diverser Firmen und Institutionen enorm. Viele sind am selben Abend. Die Kunst besteht nicht darin, sich für das beste zu entscheiden, sondern bei allen quasi gleichzeitig aufzuschlagen. Das bedarf eines peniblen Managements.

Sie ist wieder da, die zweitschönste Zeit des Jahres in der Düsseldorfer Wirtschaftsszene. Die schönste, das ist klar, ist der Januar mit seinem Marathon an Neujahrsempfängen diverser Unternehmen, Banken, Verbände, Parteien, Kammern und öffentlichen Einrichtungen. Diese verteilen sich aber zum Glück auf etwa vier bis fünf Wochen, so dass man, wenn man möchte, vom 2. bis zum 31. Januar zweimal täglich mit einem Glas Sekt auf das neue Jahr anstoßen kann - vorausgesetzt man hat die begehrten Einladungen.

Im Sommer ist das etwas anders. Denn das Zeitfenster, in denen oben genannte Unternehmen, Banken, Verbände, Parteien, Kammern und öffentliche Einrichtungen einladen, ist aus unerfindlichen Gründen viel, viel kürzer. Es beschränkt sich auf die letzten Tage vor und die ersten Tage in den Schul-Sommerferien. Ein typischer Abend im Sommerfest/-empfangsreigen war der Dienstag vergangener Woche. Da hatte die Handwerkskammer zum Sommerfest auf dem Parkdeck eingeladen, die NRW-SPD zum durchaus vergleichbaren Sommerfest für die sozialdemokratische Elite gerufen, die CDU-Neuss lud dafür all jene ein, die für die SPD keine Einladung hatten und nachher trafen sich alle bei Düsseldorf IN in den Böhlerwerken. Wer jetzt denkt, er könne sich das schönste Sommerfest am Abend aussuchen und es dort so richtig krachen lassen, hat das mit den Sommerfesten von Wirtschaft und Politik nicht verstanden. Die Kunst besteht darin, auf allen Festen gleichzeitig zu sein. Dass das natürlich nicht geht, besagen nahezu alle Naturgesetze. Deswegen gilt: Es muss nur so aussehen, als wäre man auf allen. Gesundheitsdezernent Andreas Meyer-Falcke beherrscht das genauso gut wie Wirtschaftsminister Garrelt Duin oder OB Thomas Geisel. Und das geht so: Sie betreten das Fest möglichst auffällig, schütteln so viele Hände wie es geht, trinken maximal ein Bier, vertrösten Leute damit, dass man sich ja später noch in Ruhe unterhalten könne und verlassen die Party möglichst unauffällig und auf jeden Fall, ohne sich vom Gastgeber zu verabschieden (damit der glaubt, Sie seien noch da). Dann düsen Sie (idealerweise mit eigenem Fahrer) zum nächsten Sommerfest und beginnen das Spiel von vorn. Das wird übrigens immer einfacher, weil Sie die meisten Gäste ja auf dem vorigen Sommerfest bereits gesehen haben. So wird die Zahl der zu schüttelnden Hände immer kleiner. So gelingt es Ihnen, überall präsent zu sein.

Quelle: RP
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