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Rauchverbot in Düsseldorf
Die letzte Bastion für Raucher

Rauchverbot in Düsseldorf: Die letzte Bastion für Raucher
In der Zigarren-Lounge von Linzbach darf geraucht werden. Mit-Inhaberin Christina Lüdtke genießt eine Zigarre. Sie und ihre Gäste trinken auch Kaffee in der Lounge. FOTO: Endermann, Andreas
Düsseldorf. Ja, es gibt Orte in dieser Stadt, an denen man rauchen kann. Und wenn man Glück hat, bekommt man auch was zu trinken. Einzigartige Orte. Noch. Von Torsten Thissen

Marc Benden hätte auch die Möglichkeit gehabt, weiterhin Getränke auszuschenken, und auf seiner Außenterrasse hätten die Gäste dann auch weiterhin Zigarren rauchen dürfen. Allerdings hätte er im Innenbereich das Rauchen verbieten müssen, und das wäre ziemlich unsinnig gewesen, sagt er.

"Cigarworld Lounge" heißt das alles hier in der Burghofstraße, sein Geschäft, doch eigentlich will Marc Benden ja gar nicht, dass über sein Geschäft geschrieben wird. Na ja. eigentlich will er das schon, doch er fürchtet die Gegner, die Anti-Raucher.

"Ich bin schon beinahe paranoid", sagt er, setzt sich auf einen der schätzungsweise 50 schwarzen Ledersessel - klobige Aschenbecher, Schiffsbohlenparkett, Loft-Atmosphäre, süßer Tabakduft, Benden handelt mit Zigarren, mit allen Zigarren, die es in Deutschland legal zu kaufen gibt. Früher hat er seinen Kunden auch ein Glas Rum, Whiskey oder Portwein angeboten, ihnen Getränke gebracht, wenn sie eine Zigarre rauchten. Seit dem Rauchverbot schickt er sie in die Küche, damit sie sich selbst einen Kaffee machen, kein Alkohol.

Er hat keine Gastronomie mehr. Ein großes Geschäft war das eh nicht für ihn, den Händler, der schon früh anfing, seine Zigarren übers Internet zu verkaufen. Und dennoch ärgert sich Benden. Er zündet sich seine "Frühstückszigarre" an. Der Laden ist natürlich viel zu schick für eine Internet-Butze.

Benden hat nachgedacht in letzter Zeit: Über das Rauchen und die Freiheit, über die Rolle des Staates und über Bevormundung. Eine Berufskollegin aus Nürnberg ist von der Anti-Raucher-Lobby niedergemacht worden, ihr Geschäft wurde aufgelöst, die Frau musste sich in ärztliche Behandlung begeben. Benden will keinen Ärger. Man kann bei ihm rauchen, Ruhe haben, sitzen, den Duft des Tabaks genießen. Ja, sein Geschäft ist eine dieser letzten Orte in Düsseldorf, an denen fremde rauchende und nicht rauchende Menschen sich noch treffen können.

"Ich halte alle Bestimmungen ein", sagt Benden, Typ ehrgeiziger Geschäftsmann, der sich selbst als konservativ bezeichnet. Niemand, der sich auflehnt, den dieser Anti-Raucher Quatsch allerdings auf die Barrikaden bringt. Zigarren-Raucher werden eigentlich nicht zu Wut-Bürgern, die wollen ihre Ruhe haben. Leute wie Benden sind normalerweise die Stützen jeder staatlichen Ordnung, bürgerlich bis ins Mark.

Jetzt traut er dem Staat nicht mehr. Man könnte sagen, dass der Staat ziemlich dumm ist, es sich ausgerechnet mit solchen Leuten zu versauen. Benden erwähnt die Tabakmesse in Dortmund, wo sie das Rauchen verboten haben. Er schüttelt den Kopf. Werner Schmitz ist anders. Er ist der Typ Exzentriker unbestimmbaren Alters, der aus der Zeit gefallen scheint. Er trägt Anzug und am Revers ein Porträt der Queen zum 60. Thronjubiläum.

Bei "Linzbach" an der Graf-Adolf-Straße verkauft auch er Tabakwaren. Und er betreibt eine Lounge, in der geraucht wird. Für Schmitz ist es sein erweitertes Wohnzimmer, es gibt Espresso, ein paar schöne Rumsorten, auch hier bedienen sich die Leute selbst. Heute ist das eine illustre Truppe alter Männer, Bruno, Uli, Dieter. "Verköstigung", nennt Schmitz das. Er hofft, legal zu sein.

Er sieht das so, irgendwann sei das Ordnungsamt da gewesen, doch bisher ohne Konsequenzen. Schmitz sagt, dass er sich mehr Forschung wünschen würde, zum Beispiel könne er sich gut vorstellen, dass die Photosynthese der Tabakpflanze die Energieprobleme der Welt lösen könne. Bei Linzbach wird viel geredet, während man raucht und literweise Espresso trinkt. Kunst, Schnaps, Wein - Linzbach ist ein mehr oder weniger öffentliches Rauchkabinett für Individualisten. Ein Ort, den man nicht machen kann, der sich entwickelt. Das Gegenteil von einer Raucherlounge in einem Hotel.

(anch/csi/das)
 
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