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Düsseldorf
Die Liebe zur eigenen Geige

Düsseldorf: Die Liebe zur eigenen Geige
Glücklich: Jeong Enn Lim hatte die mehr als 100 Jahre alte Geige verloren - seit sie sie zurückhat, übt sie noch motivierter. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Düsseldorf. Als Jeong Enn Lim Anfang des Jahres nach Düsseldorf kam, da ahnte die 18-jährige nicht, dass ihr die bislang schwerste Zeit ihres Lebens bevorstehen würde. Durch ein Missgeschick verlor sie ihre teure Geige. Ihre Mutter hatte sie beim Umsteigen in der Straßenbahn liegen gelassen. Eine Katastrophe. Von Sonja Schmitz

Ihr Vater hatte für das alte kostbare Instrument einen Kredit aufgenommen, und obwohl er schon im Ruhestand war, ein Restaurant aufgemacht, um die Geige zu finanzieren. Schließlich hängt an der Güte des Instruments das berufliche Schicksal eines Musikers. Und so pflasterte Jeong Enn Lim alle Haltestellen vor dem Hauptbahnhof mit einem Suchaufruf und ihrer Telefonnummer. Und wartete. Ein bis zwei Anrufe kamen pro Tag. "Alles Lügner", sagt sie.

Menschen, die Profit aus ihrer Not schlagen wollten. Als die Rheinische Post ihre Geschichte veröffentlichte, bekam sie einen ganz anderen Anruf, es war ein erster Lichtblick. Ein Düsseldorfer sagte ihr finanzielle Unterstützung zu, wenn sie ihre Geige nicht zurückbekommen sollte. Dann, als das Fernsehen einen Beitrag brachte, endlich die Erlösung. Ein Pärchen, das ihre Geige gefunden hatte, sah den Beitrag und gab ihr das Instrument zurück. Schwer zu sagen, bei wem die Freude und Erleichterung größer war, bei Jeong Enn oder ihrer Mutter, die sie verloren hatte.

"Ich hatte immer Hoffnung", sagt Jeong Enn über die zehn Tage, in der sie in der Ungewissheit lebte, ob sie ihr Instrument jemals wieder in den Händen halten würde. "Ich habe davon geträumt, dass ich Sie wiederbekomme." Und der Traum hat ihre Hoffnung gestärkt. Wie wichtig für sie die mehr als 100 Jahre Geige ist, merkte sie jedes Mal schmerzlich, wenn sie auf dem geliehenen Instrument einer Freundin spielte. "Nur auf meiner Geige habe ich meinen eigenen Sound", sagt Jeong Enn.

Die zehn Tage des Verlusts haben ihre Liebe zur Musik gestärkt und ihre Motivation, bei der Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule ein erstklassiges Vorspiel abzuliefern. Dafür übt sie am Wochenende sieben Stunden am Tag, an den Wochentagen fünf Stunden. Schließlich geht sie vormittags in die Sprachschule, um Deutsch zu lernen. Einige deutsche Worte gehen ihr schon ganz leicht von den Lippen: "Alles gut" und "sehr gut".

Quelle: RP
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