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Serie 11 Freunde
Die Linien-Richter

Serie 11 Freunde: Die Linien-Richter
Wichtig ist auf dem Platz. Reinhold Schlegel (links) und Karl-Heinz Rabe sind die Platzwarte beim Düsseldorfer Sport-Club 1899. FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Reinhold Schlegel und Karl-Heinz Rabe sind Platzwarte beim DSC 99 in Düsseltal. Im Verein heißt es: Ohne die beiden läuft hier nichts. Von Ludwig Krause

"In Barcelona machen die das alles per Hand. Zehn bis zwölf Jungs laufen da nebeneinander mit ihren Rasenmähern." Karl-Heinz Rabe schüttelt den Kopf. "Ich wäre mal gespannt, wie weit die hier kämen, ohne ihre Laser-Messgeräte." Der 62-Jährige steht neben Reinhold Schlegel (78), gemeinsam blicken die Platzwarte über das Grün des DSC 99 in Düsseltal. "Ohne die beiden geht hier nichts", sagt Horst Schubert, langjähriger Vorsitzender des Vereins. Das haben Rabe und Schlegel gehört, anmerken lassen sie sich nichts.

Die Platzwarte kennen hier jedes Loch, jedes Tornetz, jede Linie. Haben jede Geschichte gehört und könnten viele erzählen. Jetzt stehen sie nur da und blicken auf den Platz. Auf ihren Platz. "Auf 30 Millimeter haben wir ihn geschnitten", sagt Schlegel. Früher war er Trainer im Verein, seit 2007 kümmert er sich eben um die Anlage. "Jemanden zu finden, der das macht, ist wirklich nicht einfach", sagt Schlegel. Seit 2012 bildet er mit Rabe ein Team. Ob sie nicht ein wenig verrückt sind? "Ja, schon lange."

Der DSC 99 hat viel zu tun, dementsprechend wird die Anlage in Anspruch genommen. 700 Mitglieder zählt der Verein, 600 Aktive verteilen sich auf 28 Jugend- und sechs Seniorenmannschaften. "Eigentlich ist die Belastung für den Platz viel zu hoch", meint Horst Schubert. Dass es doch irgendwie geht, ist auch den beiden Männern zu verdanken. Sie kümmern sich um alles, was irgendwie anfällt. Vom Flutlicht über die Laufbahn bis zur Türverrieglung der Kabinen. Sie ziehen die Linien auf dem Platz - und an den Ohren der Spieler, wenn die nicht so wollen wie die Platzwarte. Auf ihrem Grün sind sie die Richter.

Die Männer sind angestellt, ihr Engagement geht aber weit über die bezahlten Arbeitsstunden hinaus. "Eigentlich sind wir jeden Tag hier", sagt Rabe. Und weil selbst das nicht reicht, pflegt er nebenbei auch noch eine Gartenlaube. Schlegel war früher Werkzeugfräser, Rabe bei den Stadtwerken, jetzt gilt ihr Leben dem Platz. An diesem Morgen schon um 6.45 Uhr. "Was die beiden hier leisten, könnte man ansonsten gar nicht bezahlen", sagt Horst Schubert.

Die Aufgaben der Platzwarte haben sich in den vergangenen Jahren gewandelt, weil sich das Spiel gewandelt hat. Kunstrasenplätze halten selbst in die unteren Ligen Einzug, auch beim DSC 99. Meisterschaftsspiele finden längst nicht mehr auf dem großen Rasenplatz statt. Weniger Arbeit bedeutet das für die Platzwarte aber nicht. "Der Kunstrasenplatz benötigt genauso Pflege wie der natürliche", sagt Schlegel. Am liebsten, heißt es aus dem Verein, würde man nur noch auf Kunstrasen spielen. Blutet da nicht das Herz des Platzwart-Romantikers? "Fußball macht auf dem natürlichen Rasen sicher am meisten Spaß. Für uns ist das aber kaum Unterschied." Überhaupt: Mit den Kunstrasenplätzen der ersten Generation, bei der es nach jeder Grätsche heftige Abschürfungen gab, haben die heute verlegten Plätze kaum noch etwas zu tun. In zwei Wochen bekommt auch der DSC 99 ein neues künstliches Geläuf. Am Spielfeldrand erzählt man sich, es sei derselbe, der auch vom FC Bayern an der Säbener Straße verwendet wird. Vielleicht ist das aber auch nur eine von den Geschichten.

Falls der natürliche Rasen irgendwann tatsächlich einmal Geschichte sein sollte, wäre es wohl aber zumindest das letzte Kapitel eines großen Kampfes: Platzwart gegen Kaninchen. "Damit haben wir hier wirklich Probleme", sagen sie. Der Platz ist ringsum begrünt, bietet perfektes Rückzugsgebiet für die Nagetiere. "Die machen uns den ganzen Rasen kaputt. In den Löchern bleibt man hängen, da kann sonst was passieren", sagt Rabe. Mit einem Jäger habe man es genauso versucht wie mit einem Falkner. Die Kaninchen blieben.

Aber, so sagen sie hier: Immerhin halte die Arbeit jung. Bis wann die beiden noch Platzwart bleiben möchten, haben sie sich noch nicht überlegt. "Vielleicht bis ich 90 bin", sagt Schlegel. Wie zufrieden sind sie mit dem Zustand des Platzes? So, dass es morgen weitergehen muss.

Quelle: RP
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