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Düsseldorf
Die Schul-Rochade im Norden

Düsseldorf: Die Schul-Rochade im Norden
Noch treiben die Max-Planck-Schüler auf dem eigenen Platz Sport. Fällt er weg, bleibt nur der Marsch zur Bezirkssportanlage. FOTO: Bernd Schaller
Düsseldorf. Weil das künftige Georg-Büchner-Gymnasium zu wenig Platz hat, soll es in die Räume der Realschule Golzheim ziehen. Die bekommt ein neues Gebäude - auf dem Sportplatz des Max-Planck-Gymnasiums. Von Jörg Janssen und Henning Rasche

Dass Düsseldorfs Gymnasien sich eines immer größeren Zulaufs durch neue Schüler sicher sein können, hat vor allem zwei Gründe: Düsseldorf wächst, zudem wählen immer mehr Eltern für ihr Kind das Gymnasium - im Zweifel auch gegen die Empfehlung der Grundschullehrer. Die Auswirkungen spüren jetzt drei Schulen in Golzheim und Stockum. Mit einschneidenden Konsequenzen. So wird das Aufbaugymnasium mit Oberstufe für Schüler, die besonderer Förderung bedürfen, zum Standardgymnasium mit bis zu 1000 Schülern. In etwa vier Jahren werden dafür auch die Räume der nahen Realschule Golzheim mitgenutzt. Die wiederum bekommt ein ganz neues Gebäude - auf dem Sportplatz des Max-Planck-Gymnasiums an der Koetschaustraße. "Das habe ich aus der Rheinischen Post erfahren", kritisiert dessen Schulleiterin Edith Reusrath die Informationspolitik der Stadt. Gegen die neuen Nachbarn, die 2019 kommen sollen, hat sie nichts. Wohl aber gegen den Wegfall des Sportplatzes unter freiem Himmel. "Einen anderen haben wir nicht", sagt sie. Freiluftsport gehöre zum Sportunterricht dazu. So wie das Gelände in Stockum beschaffen sei, bietet es auch keinen Platz für einen neuen Sportplatz. "Das würde es nicht hergeben, wir müssen dann auf die weiter entfernte Bezirkssportanlage ausweichen", meint Reusrath.

Ziemlich überraschend traf die Nachricht auch Realschulleiterin Petra Steudel. Die Pädagogin kann dem geplanten Umzug ihrer etwa 600 Schüler durchaus positive Seiten abgewinnen. "Ein Neubau hat natürlich auch Vorteile, außerdem zeigt diese Entscheidung, dass unsere Realschule eine lange Zukunft vor sich hat." Wichtig sei, dass ihre Schule erst umziehe, wenn der Neubau in Stockum fertiggestellt sei.

Verunsichert reagieren die Eltern der Aufbau-Gymnasiasten. "Wir Eltern sind alle ganz geschockt. Das Büchner hat sich die ganzen Jahre so stark bewährt", sagt Annette Lenart. Das Argument, die Realschüler könnten ja auf ein normales Gymnasium nach der Mittleren Reife gehen, greift ihrer Einschätzung nach nicht. "Aufs Aufbau-Gymnasium gehen ganz überwiegend Realschüler, die dann auch zusammen lernen. Beim Wechsel auf ein übliches Gymnasiums sind es immer nur einzelne, das ist ganz etwas anderes." Ähnliche Befürchtungen hatte zunächst auch Inge Schleier-Groß, Leiterin des Aufbau-Gymnasiums.

Freilich konnte ein Teil dieser Sorgen inzwischen aus dem Weg geräumt werden. In intensiven Gesprächen mit Schulverwaltungsamtsleiterin Dagmar Wandt erreichte Schleier-Groß, dass die Oberstufe ihren Charakter erhalten kann. "Die Unter- und Mittelstufe wird vierzügig, die Oberstufe dagegen achtzügig. Damit ist gewährleistet, dass das besondere Förderkonzept für Schüler, die zuvor auf keinem Gymnasium waren, erhalten bleibt", versprach Wandt nach den gemeinsamen Treffen.

Schleier-Groß soll, so ist es wohl angedacht, auch das zweite "vollständige" Georg-Büchner-Gymnasium leiten. Rechtlich ist das nach Einschätzung der Fachleute eine Schulneugründung. Sind die Klassen des Standardgymnasiums bis Stufe neun hochgezogen, werden beide Schulen vereint. "Wir wollen das harmonisch zusammenfügen", sagt die Rektorin. In jedem Fall sei es eine Herausforderung. Schwerpunkt der neuen Schule soll wie bisher der künstlerisch-sprachliche Bereich sein, auch um sich vom benachbarten Max-Planck-Gymnasium mit seinem naturwissenschaftlichen Schwerpunkt abzugrenzen. Schleier-Groß ist sich sicher, dass es den Ratsbeschluss, der die Sache endgültig macht, geben wird. Sie ist froh, "dass die beteiligten Schulen in Gesprächen begonnen haben, miteinander zu kooperieren".

Quelle: RP
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