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Düsseldorf
Die Sorgen des Handels

Düsseldorf. "Verhalten optimistisch" nennt Handelsverbandschef Peter Achten die Stimmung im Einzelhandel. Das Konsumklima sei gut, doch davon komme kaum etwas in den Geschäften an. Sorgen bereiten das Internet, das Wetter und die Baustellen. Von Thorsten Breitkopf

Eine Schlagwortwolke (siehe Grafik) des Handelsverbands Nordrhein-Westfalen offenbart, wo die hiesigen Einzelhändler der Schuh drückt. Der Verband hat in den ersten knapp fünf Monaten Einzelhändler befragt, was ihrer Meinung nach den Konsum aktuell am stärksten positiv oder negativ beeinflusst. Je häufiger ein Faktor genannt wurde, um so größer wird der Begriff in der Schlagwortwolke angezeigt. Und dabei zeigen sich Überraschungen. So gehen Wirtschaftsforscher oft davon aus, dass Wirtschaftslage und Energiepreise die Konjunktur im Handel beflügeln. Die Händler sehen das anders. Beide Fakten werden nur nachrangig genannt. Das gleiche gilt für das vor allem in Düsseldorf oft diskutierte Baustellenproblem. Es gehört nicht zu den am häufigsten genannten Problemen und Faktoren.

Faktor Nummer eins für die stationären Einzelhändler ist eindeutig der Online-Handel. Gleichauf dahinter als Faktor für die Geschäftslage wurden Mindestlohn und Wetter genannt. Doch ist der Internet-Handel nun eine Bedrohung der bestehenden Händler? Peter Achten, Hauptgeschäftsführer sieht das nicht so. "Der Online-Handel ist nicht als Konkurrenz zum stationären Einzelhandel zu sehen", sagt Achten. "Neben guter Erreichbarkeit und attraktiven Geschäften mit freundlicher Bedienung ist das Internet der dritte Erfolgsfaktor geworden - auch für die stationären Händler." Darum sei es auch für kleine Händler wichtig, im Internet präsent zu sein. Dies müsse nicht zwingend ein Online-Shop sein - neben eigenen Internetseiten oder Aktivitäten in sozialen Netzwerken gebe es für den stationären Handel eine Vielzahl von Möglichkeiten, sich in der digitalen Welt zu vermarkten. So könnten Händler durch sogenannte Location Based Services Kunden über das Internet in das stationäre Geschäft holen. Auch freies W-Lan in den Geschäften sei unerlässlich, da Kunden so die Möglichkeit hätten, sich auch im Laden via Smartphone über das Produkt und über Preise informieren. "Nicht selten sind Waren im stationären Einzelhandel doch preiswerter als beim Internetversender.

Der Einzelhandel insgesamt habe das Jahr 2014 real, also unter Berücksichtigung der Preisentwicklung, mit leichten Zuwächsen von zwei Prozent abgeschlossen. "Verhalten optimistisch blickt die Branche auf das laufende Geschäftsjahr. Trotz derzeit gutem Konsumklima kommt die positive Stimmung der Verbraucher kaum im Einzelhandel an", sagt Achten, Hauptgeschäftsführer. Die Einzelhändler seien auch wegen des Strukturwandels der Branche verunsichert. Diese Stimmung könnte sich 2015 auf die Beschäftigung auswirken. Laut der neuesten Konjunkturumfrage rechnet im laufenden Jahr jeder fünfte Unternehmer damit, auf Mitarbeiter künftig verzichten zu müssen.

Quelle: RP
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