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Dinge, die man erlebt haben sollte
Die Tonhalle: Es muss nicht immer Klassik sein

Düsseldorf. Ganz ohne Lokalpatriotismus gilt es einmal festzuhalten, dass die Tonhalle ein einzigartiges Konzerthaus ist. Wo sonst können Musiker und ihr Publikum Konzerte unter einem Sternenhimmel erleben? Möglich ist das, weil die Tonhalle früher ein Planetarium war. Von Sonja Schmitz

Wenn Musiker zum ersten Mal zur Probe auf die Bühne der Tonhalle kommen, dann kann es passieren, dass sie erst einmal nach oben in die blaue Kuppel des Saals schauen und staunend das Sternenbild betrachten. Dabei käme wohl niemand auf den Gedanken, in ein Konzerthaus einen Sternenhimmel einzuziehen – zu kitschig. Aber als 1926 der expressionistische Bau, der damals noch Rheinhalle hieß, nach den Plänen des Architekten Wilhelm Kreis errichtet wurde, war darin ein Planetarium vorgesehen. Die Mehrzweckhalle gehörte zusammen mit den Museen am Ehrenhof und der Rheinterrasse zu den Bauten, die für die Ausstellung GeSoLei (kurz für Gesundheitspflege, Soziale Fürsorge und Leibesübungen) geschaffen worden waren.

Bis die Tonhalle zum Konzerthaus wurde, dauerte es aber mehr als 50 Jahre. Lange Zeit hatten die Düsseldorfer nach einem Ersatz für die alte Tonhalle gesucht, die in der Tonhallenstraße dort stand, wo sich heute Karstadt befindet. Schließlich hatte der Architekt Helmut Hentrich die Idee, die ehemalige Rheinhalle als Konzerthaus zu nutzen, und so wurde sie 1978 für diesen Zweck wiedereröffnet.

Der Vergangenheit des Hauses als Planetarium hat erst Intendant Michael Becker wiederbelebt und ins musikalische Programm integriert: Die Konzertreihen tragen Namen wie Sternschnuppe, Supernova, Startalk, Spacewalk, Plutino oder Frau Luna.

Trotz dieser Erinnerung an die Weite des Weltalls fühlt man sich in dem runden Konzertsaal mit 1854 Publikumsplätzen alles andere als verloren. Vielmehr freuen sich Musiker oft über die Wohnzimmeratmosphäre, die der Saal ausstrahlt.

Dazu trägt auch die runde Bauart bei, die der Akustik allerdings erhebliche Probleme bereitete. Beim Umbau der Tonhalle 2005 wurden sie aber erfolgreich gelöst. Der Klang wird nun nach oben in die Kuppel getragen – ein edler und schöner Klang für Solisten. Selbst ein Blockflötensolo vermag den Saal zu füllen. Das hat sich in der Szene herumgesprochen. Und so treten seit dem Umbau auch wieder Musiker wie die Berliner Symphoniker auf, die zuvor den Saal wegen der akustischen Probleme gemieden hatten.

Allen Altersgruppen etwas bieten

Nicht nur baulich hat sich die Tonhalle weiterentwickelt. Die Zeiten, in denen das Konzerthaus ein reiner Treffpunkt für das klassische Bildungsbürgertum ist, sind vorbei. "Qualität ist wichtig, aber es muss nicht immer Beethovens 5. Symphonie sein", sagt Michael Becker. Er hat die verschiedenen Konzertreihen auf unterschiedliche Zielgruppen zugeschnitten und dabei besonders das Angebot für Kinder und Jugendliche ausgebaut.

Dabei kommt auch der Rotunde im Foyer eine wichtige Rolle zu. Es hat etwas sehr Gemütliches, wenn dort das Publikum auf Sitzkissen die Darbietungen auf der in den Boden eingelassen Bühne verfolgt. So versammeln sich Schwangere in der Konzertreihe Ultraschall, um mit ihren ungeborenen Babys beispielsweise den Klängen der Harfenistin der Düsseldorfer Symphonikerin zu lauschen. Aber dort feiert auch freitags ab 23 Uhr das junge Partyvolk in der Reihe Tonfrequenz. 800 bis 1200 Gäste sind dann in der Rotunde zu Gast, um zu elektronischer Musik von internationalen Top-DJs und Live-Acts zu tanzen. Das Angebot der jungen Tonhalle wird getwittert, auf der Homepage der Tonhalle steht der Zugang zur Facebook-Seite ganz oben.

Auch Menschen, die bislang noch keinen Zugang zur klassischen Musik gefunden haben, aber neugierig darauf sind, finden in der Tonhalle das passende Angebot. "Ehring geht ins Konzert" heißt die Reihe für Klassik-Einsteiger. Der Kabarettist und Außenreporter der ZDF-Heute-Show Christian Ehring führt auf unterhaltsame Weise durch das Programm. Wenn Stücke von Haydn und Mozart auf dem Programm stehen, dann bringt er dem Publikum das Verhältnis der beiden Komponisten auf einfache Art nahe: "Haydn war für Mozart ungefähr das, was Helmut Schmidt für Peer Steinbrück ist."

(RP/url)
 
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