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Kolumne Auf Ein Wort
Die Wahrheit ist konkret

Kolumne Auf Ein Wort: Die Wahrheit ist konkret
Michael Hänsch sagt: "Die biblischen Texte geben Kriterien an die Hand, mit denen man Richtung und Ziel christlichen Handelns erkennen kann." FOTO: Schaller
Düsseldorf. Manche Christen resignieren angesichts der komplexen Probleme der Gegenwart. Doch das muss nicht sein.

Die Wahrheit ist konkret: Dieser Satz, auf einen Dachbalken von Berthold Brechts Arbeitszimmer in seinem dänischen Exilort Svendborg gemalt, dieser Satz kann - wie kaum ein anderer - der Eigenart des biblischen Auftrages und des gesellschaftlichen Handelns der Christen Orientierung verleihen.

Auf den ersten Blick mag diese Behauptung befremden. Denn viele Kirchenmitglieder sind infolge langer kirchlicher und theologischer Übung viel eher gewohnt, die Wahrheit der Bibel und des christlichen Glaubens gerade in einer zeitlosen Allgemeinheit und Allgemeingültigkeit zu sehen.

Landläufiger Auffassung zufolge geht es in der Bibel um die Beziehung von Gott und Mensch schlechthin. Beide erscheinen als jederzeit dieselben und durch die gesellschaftlichen Ereignisse und Wechselfälle des Lebens nur wenig zu verändern. Ich möchte einem solchen "idealistischen" Missverstehen der befreienden Botschaft des Evangeliums entgegenwirken. Es geht in der Frohen Botschaft nicht nur um mich und mein Gottesverhältnis, sondern auch um die Konkretheit der gesellschaftlichen und sozialen Lebensverhältnisse. Als Christ - als Einzelner und als Gemeinde - sollte man wissen, welche Stunde geschlagen hat, welche entscheidenden Herausforderungen anzunehmen sind. Was sind die Zeichen der Zeit?

Für mich heißt das, dass unser Arbeiten und Beten in den Gruppen, Verbänden und Gremien nicht folgenlos, abstrakt und unkonkret bleiben darf. Denn: Die Wahrheit ist konkret. Es gibt die schöne Formel: "Je mystischer Christen sind, desto politischer werden sie sein." Oder anders gesagt: Je gottverbundener wir sind, umso mehr werden wir uns in die konkrete gesellschaftliche Herausforderung in unserer Stadt Düsseldorf einmischen.

Nicht wenige Christen resignieren angesichts der Komplexität der Probleme und haben den Eindruck, man könne ja doch nichts tun. Aber die Zeichen der Zeit zu erkennen und zu deuten, ist die Voraussetzung, um von Gottes Handeln zu künden und sich danach im Leben auszurichten.

Die biblischen Texte geben durchaus auch heute noch Kriterien an die Hand, mit denen man im Stimmengewirr der Zeiten Richtung und Ziel von christlichem Handeln aus der Perspektive Gottes erkennen kann.

AUTOR MICHAEL HÄNSCH IST GESCHÄFTSFÜHRER UND SPRECHER DER KATHOLISCHEN KIRCHE IM STADTDEKANAT DÜSSELDORF.

Quelle: RP
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