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Kolumne Auf Ein Wort
Die weihnachtliche Botschaft

Düsseldorf. Das "Fest der Geburt unseres Herrn und Gottes und Erlösers Jesus Christus im Fleisch", wie die orthodoxe Kirche das Weihnachtsfest offiziell nennt, ist zweifellos dank seiner Beliebtheit auch bei denen, die sich nicht als Christen verstehen, wie kein anderes kirchliches Fest geeignet, die Popularität des Christentums bis in die letzten Winkel der Welt zu verbreiten. Dass dabei die Substanz des Heilsereignisses, das alle Christen an diesem Tag gemeinsam feiern, um so schemenhafter wird, je geringer der Glaube ist, der sich mit seiner Feier verbindet, ist nur zu offenkundig.

Es war das dritte ökumenische Konzil, das - im Jahre 431 in der damaligen kleinasiatischen Metropole Ephesus zusammengetreten - die Auffassung des Nestorius verwarf, dass der Sohn Gottes und der in Bethlehem geborene Jesus trotz ihrer innigen Verbundenheit miteinander zwei strikt voneinander getrennte Personen seien. Infolgedessen habe Maria einen "bloßen Menschen" geboren und nicht, wie die Kirche es vorher und nachher bekannt hat, Gottes Sohn "im Fleisch".

Im ersten Hymnus des Gottesdienstes des Heiligen Abends feiert die Kirche dieses Mysterium der Erlösung des Menschen: "Das Gleichbild des Vaters, die Prägung seiner Ewigkeit, nimmt Knechtsgestalt an. Denn aus der unvermählten Mutter geht er ohne Verwandlung hervor. Was er war, ist er geblieben; denn er ist Gott von Natur. Was er nicht war, hat er angenommen; denn er ist Mensch geworden, weil er die Menschen liebt."

Gerne wird die Unantastbarkeit der Menschenwürde, von der auch unser Grundgesetz ausgeht, mit der weihnachtlichen Botschaft der Menschwerdung Gottes in Verbindung gebracht, und das zu Recht. Allerdings geht der Maßstab für das, was diese Würde erfordert, in dem Maß verloren, in dem die Beziehung des Menschen zu seinem gottmenschlichen Urbild relativiert oder gar geleugnet wird. Für die Christen ist gerade diese Beziehung, ihre Wiederherstellung durch die Gnade der Menschwerdung Gottes, der eigentliche Gegenstand der Freude und der Hoffnung. Das Maß der göttlichen Entäußerung ist auch das Maß des Raumes der menschlichen Erneuerung. Das hat konkrete Folgen. Wenn Gott Mensch geworden ist, indem er alles angenommen hat, was zum Menschsein gehört, haben wir nicht das Recht, über das Menschenleben zu verfügen, weder an seinem Beginn, noch an seinem vorläufigen, irdischen Ende. Wenn der Sohn Gottes in der Gestalt des Fremden, des Flüchtlings und des Ausgestoßenen zu uns gekommen ist, haben wir nicht das Recht, den abzuweisen, der in Not ist und unseres Beistands und unserer Hilfe bedarf. Und denen, die unter missbräuchlicher Berufung auf das "Abendland" die Grenzen Europas und unseres Landes vor denen verschließen wollen, die aus schierer Not zu uns fliehen, halten wir das Wort Jesu entgegen: "Ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen." (Matthäus 25,35)

Papst Leo der Große, der ja bekanntlich als Retter des Abendlandes - und das heißt, der Kultur des im 5. Jahrhundert seinem Untergang entgegensehenden weströmischen Reiches - gilt, hat uns in seiner berühmten Weihnachtspredigt das klassische Wort geschenkt: "Erkenne, o Christ, deine Würde! Falle nicht durch unwürdigen Lebenswandel in die alte Armseligkeit zurück!"

Quelle: RP
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