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Kolumne
Die zwei Seiten der Mottowochen

Chronik: Misslungene Abi-Scherze aus den letzten Jahren
Chronik: Misslungene Abi-Scherze aus den letzten Jahren
Meinung | Düsseldorf. Nun haben auch die Düsseldorfer mit einem Angriff auf einen Hausmeister eine gewalttätige Eskalation bei den Mottowochen der Abiturienten erlebt. Für alle Beteiligten ist dies eine Warnung, sich mit dem Ritual zum Ende der Schulzeit auseinanderzusetzen und sich auf dieses Ereignis vorzubereiten. Von Sonja Schmitz

Denn wer einfach nur abwartet und schaut, was passieren wird, der kann eine böse Überraschung erleben.

Mottowoche am Leibniz-Montessori-Gymnasium in Düsseldorf 2016 FOTO: Ines Räpple

Das haben sich vor drei Jahren viele Schulleiter in Düsseldorf zu Herzen genommen. Auslöser waren die ersten unschönen Ereignisse: Sachbeschädigungen in den Schulen, an geparkten Autos und in Supermärkten in der Nachbarschaft. Seitdem holen sie Schüler und Eltern lange vor den Mottowochen mit ins Boot. Manche setzen sich schon im September zusammen, andere vor Weihnachten. Dann werden die Spielregeln festgelegt und Szenarien durchgesprochen. "Das sind keine Drohszenarien, sondern es ist Aufklärung", sagt Anne Saum, stellvertretende Schulleiterin am St.-Ursula-Gymnasium.

"Das sind heranwachsende Menschen. Wenn man nicht mit denen redet, gehen sie immer ein Schrittchen weiter", sagt Ralf Schreiber, Schulleiter am Goethe-Gymnasium. Er fordert deshalb vom Schülerkomitee auch ein Konzept für die Mottowochen ein. Dafür bekommen die Schüler auch in diesem festen Rahmen ihre Freiräume. Belohnt werden dafür alle mit einem bunten, täglich wechselnden Programm. In den Pausen gehört die Bühne den Abiturienten. Schließlich seien die Schüler mit Bühnen-Shows im Fernsehen aufgewachsen, darauf müsse man sich einstellen, sagt Schreiber.

Mottowochen in Düsseldorf 2016 FOTO: Ina Schwerdtfeger

Am Boxtag kommen die Schüler im Bademantel und fordern Lehrer zum Armdrücken heraus. Am Görres-Gymnasium laden die Schüler die Lehrer zum Grillen am Rhein ein, üben mit den jüngeren Schülern Aerobic in der Pause und ziehen Kamelle werfend durch die Klassen.

Fragt man die Schulleiter nach ihren Erfahrungen mit den Mottwochen, dann herrscht überall dort, wo es gelingt, die Energien der Schüler in kreative Aktionen zu lenken, Zufriedenheit. Und wenn von vorne herein geklärt ist, dass Sachschäden aus der Jahrgangskasse bezahlt werden, schärft dies das Verantwortungsgefühl. Wer mit seinen Mitschülern ein Musical, Theaterstück oder ein Konzert einstudiert, der ist oft gut ausgelastet und baut nicht schon aus Langeweile oder Frust Mist. Auf diese Weise entstehen eben auch positive intensive Gemeinschaftserlebnisse. Wenn die fehlen, suchen manche sie im Kampf. Eine Garantie für diesen Erfolg gibt es leider nicht. Und so sehen Schulleiter, Eltern und nun auch die Polizei mit Erleichterung dem Ende der Mottowochen entgegen. 

Quelle: RP
 
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