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Düsseldorf
Dieb gelingt Flucht aus Polizeiwache

Düsseldorf: Dieb gelingt Flucht aus Polizeiwache
Über dieses Tor entkam der rumänische Dieb, nutzte dabei Stromkasten und Container (links im Bild). Die Polizei warnt üblicherweise vor solchen "Kletterhilfen", allerdings zum Schutz vor Ein- und nicht vor Ausbrechern. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Gegen den 17-Jährigen lag ein Haftbefehl vor, als er von Beamten auf der Marc-Chagall-Straße kontrolliert wurde. Am Donnerstagabend flüchtete er aus dem Innenhof der Wache in Mörsenbroich, indem er über ein Tor sprang. Von Stefani Geilhausen und Uwe-Jens Ruhnau

Die Polizei fahndet nach einem 17-jährigen Rumänen, der ihr aus der Polizeiwache in Mörsenbroich entwischt ist. Der junge Mann sollte am Donnerstag gegen 22.10 Uhr von der Wache an der Wilhelm-Raabe-Straße in das Polizeipräsidium gebracht werden. Vom Polizeigebäude war er durch einen Tunnel in den umschlossenen Innenhof gebracht worden, wo ein Streifenwagen bereitstand. Er war nicht durch Handschellen gefesselt. So konnte er sich von den beiden Beamten, die ihn zum Fahrzeug führten, losreißen und in Richtung Rolltor spurten. Er nutzte einen Müllcontainer sowie einen Stromkasten und überwand das mehr als zwei Meter hohe Tor, das durch Metallspitzen gesichert ist. Die zwei Dutzend Beamten, die sich in der Wache befanden, sowie zwei dort zufällig anwesende Hundeführer schwärmten aus, um den Flüchtigen einzufangen - umsonst, er blieb "wie vom Erdboden verschluckt", wie es im Bericht heißt.

Die Sache ist den Ordnungshütern peinlich. Zugleich heben sie die Leistungsfähigkeit des Ganoven heraus. Der stellt sich nämlich keinesfalls dümmer an, als die Polizei erlaubt. Er ist nicht nur mehrfach mit Diebstahls- und Einbruchsdelikten aufgefallen, sondern offenbar auch so ausgeschlafen wie sportlich. Als die beiden Beamten einer Zivilstreife am Nachmittag an der Marc-Chagall-Straße eine Gruppe in einem Auto kontrollierte und bemerkte, dass der 17-Jährige wegen Verstoßes gegen Bewährungsauflagen gesucht wird, blieb der entspannt. "Der Jugendliche verhielt sich ruhig, kooperativ und ließ sich ohne Widerstand festnehmen", berichtet das Präsidium. Bei diesem gepflegten Verhalten blieb es bis zur Fluchtsituation, da bewies der Kriminelle, was in ihm steckt. Olympiareif sei die sportliche Leistung nicht gewesen, aber sehr beachtlich, der Mann sei "wieselflink" zum Tor gelaufen, sein Sprung darüber sei "akrobatisch" gewesen. Dass es vielleicht nicht so günstig ist, im Sicherheitsbereich einen Müllcontainer an der Wand stehen zu haben, der als Kletterhilfe genutzt werden kann, räumt man am Jürgensplatz ein.

Der Vorgang ist also kein Ruhmesblatt für die Düsseldorfer Polizei, aber offenbar auch einmalig - zumindest kann sich niemand an eine ähnliche Flucht erinnern. Wohl aber an eine besonders spektakuläre aus dem Landgericht: Ein 27-jähriger Untersuchungshäftling war 2008 aus dem Verhandlungssaal - damals noch an der Mühlenstraße - gerannt und in das bereitstehende Auto eines Komplizen gestiegen. Der Drogenhändler wurde trotzdem verurteilt - in Abwesenheit zu zwölf Jahren Haft. Seine mutmaßlichen Fluchthelfer kamen vier Jahre später vor Gericht, mussten aus Mangel an Beweisen freigesprochen werden, weil sich die Zeugen nicht mehr erinnern konnten.

Erst vor knapp zwei Wochen war der Polizei in Hilden ein möglicherweise psychisch gestörter Mann aus der Wache entkommen. Der 25-Jährige hatte in Erkrath seine Mutter schwer misshandelt, war deshalb festgenommen und zur Wache nach Hilden gebracht worden. Als ihm dort kurz die Handschellen abgenommen wurden, schlug er einen Polizisten krankenhausreif und flüchtete zu Fuß. Er wurde wenig später erneut gefasst. Ihm droht nicht nur eine Strafe wegen des Angriffs auf die Mutter, sondern auch wegen der Körperverletzung an insgesamt drei Polizisten.

Quelle: RP
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