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Düsseldorf
Diskussion nach Choreografie

Düsseldorf: Diskussion nach Choreografie
Oben v.l.: Helmut Seifen, Lukas Lamla, Veronika Dübgen, Andreas Bialas. Vorne: Paul Schrömbges und Oliver Keymis. Am Rednerpult: Martin Maier-Bode FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Düsseldorf. Bei einer Veranstaltung im Rahmen des Theaterfestivals Impulse sprachen Landespolitiker im Plenarsaal des Rathauses über die Bedeutung der Kultur. Besucher kritisierten zu unkonkrete Aussagen. Der AfD-Vertreter wurde ausgepfiffen. Von Sven-André Dreyer

Einige enttäuschte Gesichter gab es bei den Besuchern der Plenarsitzung, zu der die israelische Künstlergruppe "Public Movement" am Samstag unter Leitung der Regisseurin und Choreographin Dana Yahalomi ins Rathaus geladen hatte. Thema sollte die Rolle der Kunst in der Gesellschaft sein, mit der Frage: Was lohnt sich in finanziell schwierigen Zeiten zu erhalten? Antworten gab es jedoch manchem zu wenige. "Ich habe mehr konkrete Aussagen erwartet", sagte am Ende ein Besucher, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will: Stattdessen habe es zu viele Allgemeinplätze gegeben.

An der choreografierten Sitzung nahmen Landespolitiker aller im NRW-Landtag vertretenen Parteien teil. Es handelte sich um eine Koproduktion des Impulse Theater Festivals 2016 und des Forums Freies Theater (FFT). Rund ein Jahr vor den Landtagswahlen hatte jeder Teilnehmer sieben Minuten für ein Statement, das Ende wurde jeweils mit Musik eingeläutet. Dabei waren Andreas Bialas (SPD), Veronika Dübgen (FDP), Oliver Keymis (Bündnis 90/Die Grünen), Likas Lamla (Piraten), Martin Maier-Bode (Die Linke NRW), Paul Schrömbges (CDU) sowie Hartmut Seifen (AfD).

Im Vorfeld der Sitzung hatte vor allem Hartmut Seifens Einladung für Aufregung gesorgt: "Wir wollen versuchen, die Motive des rechten Spektrums zu verstehen, wonach sie suchen und auf welche Weise sie unser Leben beeinflussen könnten", begründete die Choreografin die Entscheidung. Das Bündnis "Düsseldorf stellt sich quer" hatte dennoch protestiert: "Wer die AfD zu kulturpolitischen Veranstaltungen einlädt, macht eine rassistische Partei salonfähig", erklärte Sprecher Oliver Ongaro. Die Rede des AfD-Abgeordneten wurde während der Veranstaltung durch Pfiffe und Zwischenrufe immer wieder gestört.

Über die Bedeutung der Kultur für die Gesellschaft waren sich die Teilnehmer der Diskussion weitgehend einig. "Kultur funktioniert von unten nach oben und muss als Pflichtaufgabe verstanden werden", sagte etwa Paul Schrömbges. Andreas Bialas sagte, die Städte müssten in Sachen Kulturförderung stark gemacht werden. "Die Fördersumme der freien Kunstszene in Düsseldorf beträgt jährlich 487.000 Euro. Das Antragsvolumen hingegen ist dreimal so hoch - dies zeigt, wie hoch der Bedarf an Kunst ist", betonte Veronika Dübgen. Maier-Bode forderte, Kultur dürfe nicht länger eine freiwillige Leistung sein.

Wollten die Zuschauer zu Statements Genaueres wissen, konnten sie rote und grüne Karten hochhalten oder sich mit schriftlich eingereichten Fragen einbringen. Am Ende war aber nicht nur das Publikum irritiert über fehlende Konkretisierungen - umgekehrt vermisste Regisseurin Yahalomi eine intensivere Beteiligung: "Auch wenn das Publikum die Chance hatte, die Politiker um eine differenzierte Ausformulierung ihrer Ausführungen zu bitten, nutzen die Zuschauer diese Möglichkeit kaum."

Quelle: RP
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