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Kolumne Die Woche im Rathaus
... doch es geht auch ohne ihr

Kolumne Die Woche im Rathaus: ... doch es geht auch ohne ihr
Sieht der Düsseldorfer etwas, das ihm gefällt, will er es haben, am besten für immer. Aber mal ehrlich: Der Rheinkomet ist wirklich schön. FOTO: Andreas Bretz
Meinung | Düsseldorf. Bescheidenheit ist nicht gerade das, was den Düsseldorfer auszeichnet. Und wenn man ihm was schenkt, dann will er sofort mehr davon. Am besten alles, sofort und für immer. Wie das Lichtspektakel auf dem Rheinturm. Von Stefani Geilhausen

Es gibt sie auch in Düsseldorf, die Nostalgiker, die dieser Tage Wehmut empfinden werden, wenn die Spekulatius-Kisten und Lebkuchen-Regale wieder in den Supermärkten aufgebaut werden. Die sich daran erinnern, wie es früher war, als die süßen Sachen wie der Duft von Apfelsinen zum Zauber der Weihnachtsvorfreude gehörten.

Doch im Großen und Ganzen ist der Düsseldorfer Sinn fürs Besondere nicht sonderlich ausgeprägt. Wer Süßkirschen im Januar und Spargel noch im Spätherbst kaufen kann - ja, wir lieben unseren Carlsplatz - der muss ja glauben, das ihm die Welt zu Füßen liegt. Man ist besonders und nur das Außergewöhnliche ist gerade gut genug.

So schön: Das Riesenrad sollte ein Clou der Bambi-Verleihung sein. Die Düsseldorfer wollten es gar nicht mehr hergeben. FOTO: Holzrichter

Düsseldorf, das ist eine Stadt wie ein Luxusweib. Sie will alles, und sie glaubt, sie hat ein Recht darauf. Die Bambi-Verleihung 2007, die war ganz in ihrem Sinne. Roter Teppich, Weltstars, Glamour - und als Krönung einen rot gefärbten Rhein. Wie beleidigt war die Diva, als Letzteres daneben ging. Kübelweise gossen die Düsseldorfer Zorn und Häme über die Organisatoren aus. Nie wieder Bambi, schmollte die Diva, da könnt ihr mal sehen, was ihr davon habt.

Fünf Jahre hat das gedauert, dann kam das goldene Hirschlein zurück, neue Weltstars, noch mehr Glamour und kein rotes Licht. Stattdessen ein Riesenrad, und Là Düsseldorf wischte sich endlich die Bambi-Tränen vom Gesicht und schniefte: Nä, wat schön. Und verlangte sofort: "Das soll für immer bleiben."

Weihnachtsmarkt? Au ja, für immer. Kirmes? So schön, am liebsten dauernd. Japanfest? Da hat's sogar funktioniert: Aus dem einmaligen Japan-Jahr 1999 entstand eine Tradition, an der die Düsseldorfer nur eines stört: Dass nicht jeden Abend der japanische Goldregen über der Stadt niedergeht. Sogar das gelbe Licht der Fußgängerampel war eigentlich nur ein Pilotprojekt, das sich bundesweit nirgends durchgesetzt hat. Aber es ist so schön - es musste bleiben.

Jetzt also der Rheinkomet. Ein einmaliges Geschenk zum 70. Geburtstag der Landeshauptstadt. Hannover hätte vermutlich artig geknickst und sich gefragt, was denn wohl zum 80. auf den Gabentisch kommt, Wiesbaden (das Düsseldorf nicht unähnlich ist) hätte ein Lichtspektakel für den 75. schon mal bestellt und Stuttgart wahrscheinlich das Geld dafür in den Bahnhof gesteckt. Düsseldorf aber jubelt fröhlich: Das ist so schön, das wollen wir für immer.

Und dann wundert man sich trotzdem über den Nachwuchs, der ein paar Wochen lang auf der Girardet-Brücke mit dem Handy spielen durfte und das so schön fand, dass er danklos fordert: Das wollen wir für immer.

Wir kommen jetzt nicht mit Voltaires Warnung vor der Langeweile, die es mit sich bringt, Außergewöhnliches zum Alltag zu machen. Wir erinnern nur noch mal an die Apfelsinen, die nie so gut gerochen haben wie damals im Dezember.

Quelle: RP
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