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Rosensonntagszug in Düsseldorf
Tillys Mottowagen: Donald Trump als Arsch mit Ohren

Rosensonntagszug Düsseldorf: Die neuen Mottowagen
Rosensonntagszug Düsseldorf: Die neuen Mottowagen FOTO: Ines Räpple
Düsseldorf. Sechs neue Mottowagen hat der Düsseldorfer Wagenbauer für die zweite Auflage des Karnevalsumzuges gebaut. Es geht wieder um brisante Themen. Im Visier ist auch Präsidentschaftskandidat Donald Trump.  Von Uwe-Jens Ruhnau

Angela Merkel geht gebeugt, sie trägt ihr Kreuz. Auf dem Kreuz ist zu lesen, was dessen Last ausmacht: "Humane Flüchtlingspolitik". Hinter ihr steht ein Mann in Sepplhosen, er ist von der CSU und er ist zornentbrannt, er zeigt auf Merkel und ruft laut aus: "Kreuzigt sie!!!" Die Landtagswahlen des heutigen Tages hat Düsseldorfs Wagenbaumeister Jacques Tilly deswegen im Rosensonntagszug, der am Nachmittag durch die Straßen der Landeshauptstadt Düsseldorf zieht, mit berücksichtigt. Denn allgemein wird damit gerechnet, dass die AfD den konservativen Parteien Stimmanteile abjagt.

Tilly ist nicht gegen, er ist für Merkel und ihren Ansatz, der den Kern Europas mit Menschenrechten und Humanität gleichsetzt. Menschenrechte, die in Tillys Augen nicht zur Disposition stehen dürfen, wenn Europa sich treu bleiben darf.

Rosensonntagszug: Mit Kölner Jecken im Düsseldorfer Karneval

Doch die Flüchtlinge werden mittlerweile eher nicht mehr als Verfolgte wahrgenommen, sondern als logistische Last und Wohlstandsbedrohung. Deswegen hat Tilly auf einem ebenfalls neu angefertigten Wagen eine besorgt-ängstlich blickende Flüchtlingsfamilie zwischen zwei Stiere gestellt. Beide fletschen die Zähne, der IS-Stier etwas bedrohlicher als der Europa-Stier. "Die Menschen bleiben zurück", sagt Tilly, "es ist einfach traurig."

Zwischen dem Terrorstaat IS und der Türkei werden die Kurden aufgerieben, deswegen hatte Tilly schon beim abgesagten Zug Anfang Februar den türkischen Präsidenten Recep Erdogan mit dem IS anstoßen lassen - in den fast randvollen Gläsern schwappte das Blut von Kurden.

So zieht der Rosensonntagszug am Düsseldorfer Rathaus vorbei FOTO: Ina Schwerdtfeger

Die türkische Genralkonsulin zeigte sich im Düsseldorfer Rathaus entsetzt und forderte von der Spitze der Karnevalisten die sofortige Verhüllung des Wagens. Das lehnte CC-Präsident Michael Laumen ab und verwies auf die Meinungsfreiheit. Die unterstreicht Tilly nun und macht den Eklat selbst zum Thema. Die beiden Figuren auf dem Wagen sind nun schwarz ummantelt, auf einer Tafel fragt Tilly ironisch: "So verhüllt genug, liebes türkisches Generalkonsulat?"

Comeback für den umstrittenen Polen-Wagen

Düsseldorf bleibt politisch scharfzüngig, und deswegen ist auch der Polen-Wagen wieder zu sehen, über den sich der polnische Außenminister aufgeregt hatte. Das Land wird darauf als Frau dargestellt, und der nationalkonservative Parteichef Kaczynski zwingt sie in Diktator-Manier stiefelbewehrt auf den Boden. Ähnlich plump kommt auf einem neuen Wagen Donald Trump daher. Hatte er am 8. Februar noch ein blaues Auge wegen der verlorenen Vorwahl in Iowa, feiert er sich nun selbst als kommenden Präsidenten - und ist bei Tilly ein vor Selbstbewusstsein strotzender Arsch mit Ohren.

Weniger brisant, aber eindeutig werden die Rekordzahlen bei Rüstungsexporten karikiert - ein Anzugträger küsst ein Panzerrohr. Und: Putin wird als Financier rechtsnationaler Parteien in Europa bloßgestellt. Last, not least: Ein bisschen Selbstironie ist Pflicht. Der abgesagte Rosenmontagszug ist ebenfalls ein Thema. Zu Köln heißt es "kein Sturm", zu Düsseldorf "kein Zoch". Heute aber zieht der Zoch wohl auf jeden Fall, zumindest ist kein Orkan in Sicht...

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