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Nordkorea-Krise
Das denken Koreaner in NRW über den Konflikt

Donald Trump gegen Nordkorea: So denken Koreaner in NRW über den Konflikt
Pfarrer Jae-Woan Kim (55) leitet die koreanische Gemeinde in Düsseldorf. FOTO: Schaller,Bernd
Düsseldorf. Während sich Nordkorea und die USA gegenseitig in ihrer Kriegsrhetorik überbieten, steht vor allem ein Land im Fadenkreuz: Südkorea. Das Land wäre unmittelbar von einem Krieg betroffen. Wir haben Südkoreaner aus NRW gefragt, wie sie über die politische Krise denken. Von Franziska Hein

Jae-Woan Kim hat in der vergangenen Woche viel mit seiner Familie und seinen Freunden in Südkorea telefoniert. Der Pfarrer der koreanischen Gemeinde in Düsseldorf beobachtet die verbalen Entgleisungen zwischen Nordkorea und den USA mit großer Sorge.

Ausgangspunkt sind die seit Jahren umstrittenen Raketentests der Nordkoreaner. Der US-amerikanische Präsident hatte vergangene Woche mit Vergeltung gedroht, wenn Nordkorea die USA weiter provoziert. Der nordkoreanische Diktator Kim Jong Un hatte daraufhin damit gedroht, den US-Stützpunkt Guam im Pazifik anzugreifen. Damit ist der Korea-Konflikt brisanter denn je. Und ein Land stände dann besonders im Fadenkreuz: Südkorea. Für den koreanischen Pfarrer ist die derzeitige Krise die schlimmste Eskalation seit Langem. 

Seit 25 Jahren Pfarrer in Düsseldorf

Kim lebt seit 25 Jahren in Düsseldorf. Der 55-Jährige kam mit seinen zwei Söhnen und seiner Frau an den Rhein, ursprünglich wegen seines Theologie-Studiums. Dann wurde er Pfarrer der koranischen Full-Gospel-Gemeinde in Flingern. 

Kims Vater lebt immer noch in Südkorea, in der Kleinstadt Taebaek im Osten des Landes. Er ist Nordkoreaner und kam während des Koreakriegs Anfang der 1950er Jahre nach Südkorea, geriet in Kriegsgefangenschaft und blieb nach seiner Entlassung dort. Seine Geschwister in Nordkorea hat der Vater fast 60 Jahre lang nicht wiedergesehen, erzählt Kim. 

Beziehungen zu Nordkorea könnten sich verschlechtern

Angst hätten die wenigsten. "Sie haben sich an den Konflikt gewöhnt, und sie glauben nicht, dass es wirklich Krieg gibt." Viele Südkoreaner fürchten indes, dass sich die Beziehungen zum Norden weiter verschlechtern. 

Der amtierende südkoreanische Präsident Moon Jae In setzt sich für bessere Beziehungen zu Nordkorea ein. Er will einen Krieg unter allen Umständen verhindern. Er will die Krise diplomatisch und mit friedlichen Mitteln lösen. Am Dienstag forderte er Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un in einer Fernsehansprache auf, die Provokationen zu beenden. Es könne keine militärischen Schritte der USA ohne das Einverständnis Südkoreas geben, sagte Moon. "Darauf setzen viele Südkoreaner ihre Hoffnungen", erzählt Kim. 

China und Russland auch in der Verantwortung

Der 34-jährige Youngku An lebt seit 2014 in Düsseldorf und arbeitet für ein japanisches Unternehmen. Er ist kürzlich Vater geworden und will, dass sein Sohn hier aufwächst. Seine Familie in Südkorea hat auch keine Angst vor einem Krieg. "Ich glaube, dass London mit der terroristischen Bedrohung im Augenblick gefährlicher ist als Seoul." 

Dennoch traut er dem US-Präsidenten zu, den Knopf für die Atombombe zu drücken. Der junge Mann sieht auch China und Russland in der Pflicht, zur Entschärfung des Konfliktes beizutragen. Nordkorea war bis zur Wende unter sowjetischem Einfluss. China ist der wichtigste militärische Verbündete und Handelspartner des Landes. China hatte zuletzt den Import von Waren aus Nordkorea gestoppt. 

"Ich mache mir mehr Sorgen als die Südkoreaner"

"Ich mache mir mehr Sorgen als die Südkoreaner", sagt auch Reiner Schöler. Der 68-Jährige ist mit einer Südkoreanerin verheiratet. Das Ehepaar lebt in Bonn. Beide haben sich in Deutschland kennengelernt. Die zwei erwachsenen Kinder leben in Berlin und in den Niederlanden. 

Schölers haben eine große Familie in Südkorea vor allem in Seoul, über 100 Personen seien es, erzählt der 68-Jährige. Mehr als zehn Mal sei er bereits in Korea gewesen. Er engagiert sich auch für die Deutsch-Koreanische Gesellschaft in NRW. 

"Unsere Freunde und Verwandten nehmen den Konflikt sehr ernst, aber sie sind nicht in Panik", berichtet Schöler. Die Südkoreaner wären mit am stärksten betroffen, käme es zum Krieg. Daher sei es gut, dass Präsident Moon noch einmal erinnert habe, dass ein militärischer Angriff nicht ohne Zustimmung der Südkoreaner beschlossen werden könne.

Doch viele Südkoreaner sorgen sich stärker um die Beziehungen zum Nachbarstaat. Auch der älteste Bruder von Schölers Frau gilt seit dem Korea-Krieg als verschollen. Lange habe die Hoffnung bestanden, dass er noch lebe. Der Kontakt zu Nordkorea ist fast nicht möglich. "Viele Familien sind getrennt, das ist ein hoch emotionales Thema."

 
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