| 14.11 Uhr

Düsseldorf
Drei Jahrzehnte als Diakon

Düsseldorf: Drei Jahrzehnte als Diakon
Mindestens bis zu seinem 80. Lebensjahr will er noch als Diakon arbeiten. Dann wäre er mehr als 45 Jahre als Geistlicher tätig gewesen. FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Karl-Hans Danzeglocke ist seit fast 30 Jahren nebenberuflich als Geistlicher tätig. Er erklärt, was ein Diakon überhaupt macht, den Unterschied zum Priester, und was sich in seinem Beruf verändert hat. Von Sebastian Esch

Es war natürlich "wegen den Frauen", gibt Karl-Hans Danzeglocke ohne Scham sofort zu. Deshalb ist er Diakon geworden und nicht Priester. In seinem Fall war es seine Lebensgefährtin Ute. "Priester dürfen gar nicht heiraten, Diakon kann man aber auch als verheirateter Mann werden", erklärt er weiter. Allerdings muss der Geistliche den Bund der Ehe vor dem Ergreifen des Berufs eingegangen sein, danach geht es nicht mehr.

Seit 29 Jahren ist Danzeglocke inzwischen als Diakon tätig – als nebenberuflicher allerdings. "Im Hauptberuf bin ich Lehrer und unterrichte unter anderem Religion und Deutsch", sagt er. Als Diakon arbeitet er für die Katholische Kirchengemeinde St. Antonius und Benediktus. Zudem war er unter anderem auch für die St. Franziskus-Xaverius Gemeinde tätig. In seiner Jugend war er Messdiener, arbeitete danach im Pfarrheim.

Auf den Beruf des Diakons ist er erst durch einen Bekannten aufmerksam geworden. Sechs Jahre dauert die Ausbildung. Besonders kurios: "Die Frau muss die schriftliche Einwilligung geben", erklärt der 63-Jährige und lacht. Hauptberuflicher Diakon wollte er nicht werden. Die hätten eine Präsenzpflicht, müssten in der Nähe des Arbeitsplatzes wohnen. "Beispielsweise neben einem Pfarrheim. Das war für mich keine Alternative", erläutert Danzeglocke.

Seine Aufgaben als Diakon bestehen vor allem im Durchführen von Taufen, Trauungen und Beerdigungen, aber auch im Halten der Sonntagspredigt. Darüber hinaus gebe es noch verschiedene Gemeindeaufgaben. Die Tätigkeitsfelder eines Diakons und Priesters unterscheiden sich kaum, in zwei Punkten aber essenziell. "Der Priester macht im Grunde dasselbe wie ein Diakon, allerdings darf er auch die Messe feiern und die Beichte abnehmen", erklärt der Diakon.

Der Reiz, Priester zu werden war nach seinem Abitur 1972 durchaus vorhanden, gibt Danzeglocke zu. "Es scheiterte dann wirklich an der Ehe. Eigentlich war zu dem Zeitpunkt ein Wandel im Gange", erklärt er, "so dass ich erwartet habe, dass der Zölibat kippt." Das geschah dann allerdings nicht. Auch deshalb wurde er schlussendlich Lehrer. "Und das bin ich wirklich gerne. Seit fast 40 Jahren inzwischen." In knapp zwei Jahren wird er pensioniert, darauf freut sich ein Mensch ganz besonders. "Mein Pfarrer ist da schon Feuer und Flamme. Er weiß natürlich, dass ich dann noch aktiver als Diakon arbeiten will", sagt der 63-Jährige und lacht.

In seiner langen Zeit als Diakon, weiß er, hat sich im Beruf natürlich einiges verändert. "Es gab damals eine sogenannte Mahlgemeinschaft. Da durften noch alle gemeinsam miteinander kommunizieren", erläutert Danzeglocke und weiter: "Priester und Diakone saßen zusammen." Das ist inzwischen abgeschafft, die Priester würden zunächst alleine sprechen – das sei auch ein Akt, um den Stand des Priesters nochmals hervorzuheben.

"Bis ich 80 Jahre bin", erklärt Danzeglocke wie aus der Pistole geschossen, wenn man ihn nach seinem Ruhestand fragt. Dann sei eigentlich sowieso Schluss. "Offiziell darf man nur bis 80 arbeiten. Danach gibt es auch keine Aufwandsentschädigung mehr für die Arbeit." Die betrage mit rund 200 Euro ohnehin nicht so viel, wie die meisten Menschen denken. In vielen Gemeinden würden dennoch ältere Diakone arbeiten. Mit seiner Laufbahn ist er auch jetzt schon zufrieden. "Ich habe mehr als 150 Paare getraut, dass ist eine schöne Sache."

 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Düsseldorf: Drei Jahrzehnte als Diakon


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.