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Düsseldorf
50.000 Euro suchen einen Erben

Düsseldorf: 50.000 Euro suchen einen Erben
"Jetzt suchen wir einen Erben" - Gerichtssprecher Mihael Pohar mit der Akte zu dem besonderen Fall. FOTO: Wulf Kannegiesser
Düsseldorf. Ein üppiger Bargeldschatz wurde im Nachlass einer angeblich verarmten 83-Jährigen entdeckt. Jetzt liegt der Fall beim Düsseldorfer Nachlassgericht. Von Wulf Kannegiesser

Die 83-Jährige galt als völlig verarmt, lebte jahrelang von Grundsicherung in einer städtischen Unterkunft in Oberbilk. So sparsam war sie, dass sie Teebeutel sogar mehrmals aufgebrüht hat. Und falls sie das von Pflanzen fast zugewucherte Zimmer unter dem Dach des Guttempler-Ordens doch mal verließ, baumelte an ihrem Rollator stets eine Einkaufstasche aus schwarzem Nylon. Vor einer Woche starb die alleinstehende Seniorin in einer Klinik in Unterbilk. Und da entpuppte sich ihre ominöse Nylon-Tasche als Versteck für einen Bargeldschatz: 50.000 Euro und Gold und Schmuck fand eine Sozialarbeiterin, übergab alles dem Nachlassgericht. "Jetzt suchen wir einen Erben", sagte Gerichtssprecher Mihael Pohar im RP-Gespräch.

Über die 83-Jährige und ihr Leben ist nur bekannt, dass sie aus Moldawien stammte. Flurnachbarn in der Unterkunft hielten sie gern für eine Adlige, die zwar nur gebrochen Deutsch sprach, aber etliche andere Sprachen beherrschte, darunter auch Englisch. Und sie hat in Deutschland offenbar keine Verwandten, bekam nie Familienbesuch.

In dieser städtischen Unterkunft lebte eine 83-Jährige bis kurz vor ihrem Tod. Bei ihren Sachen wurden Bargeld, Gold und Schmuck gefunden. FOTO: Wulf kannegiesser

Angeblich gibt es einen Sohn, der in den USA vermutet wird. Nach ihm wird nun fieberhaft gesucht. Denn ihm würde der ganze Schatz zustehen: 45.000 Euro in 500er-Scheinen, 930 Euro in kleinen Scheinen, 6648 US-Dollar, 745 Moldau Leu (etwa 35,83 Euro) plus Zahngold und der Schmuck. Den Schatzfund hat ein Sprecher der Stadt am Mittwoch bestätigt. Woher das Vermögen stammt, ist ungewiss. Die Seniorin habe 399 Euro Grundsicherung bezogen plus eine Opferrente "von weniger als hundert Euro".

Mitbewohner beschrieben die Seniorin als "extrem anspruchslos", stets sei sie mit Kopftuch, geblümtem Rock und der immergleichen Bluse in gebeugter Haltung mit ihrem Rollator unterwegs gewesen - und mit ihrer schwarzen Nylon-Tasche. Dass sie sich das Geld abgespart haben könnte, gilt jedoch als unwahrscheinlich. Das Schatzrätsel wird wohl ungelöst bleiben. Was davon übrig bleibt, ist auch ungewiss. Das Ordnungsamt hat ein Bestattungshaus mit der Beisetzung der 83-Jährigen beauftragt. Die Kosten für eine anonyme Bestattung liegen bei 300 bis 500 Euro. Das Nachlassgericht bemüht sich dabei stets, die Religionszugehörigkeit des Verstorbenen zu ermitteln.

Gerichtssprecher Pohar schildert, dass die Stadt für solche Beisetzungen auf dem Nord- und dem Südfriedhof je ein Gräberfeld reserviert hat - und dass es "für jeden Verstorbenen einen feierlichen Beisetzungsakt in einer Kapelle gibt". Auch das wird aus dem Nachlass der Seniorin bezahlt. Zudem prüft die Stadtverwaltung, ob und in welcher Höhe die zu Unrecht erhaltene Grundsicherung jetzt vom Nachlass der Frau zurückgefordert wird. Zudem bestellt das Gericht einen Nachlasspfleger, der die Suche nach dem Erben übernimmt. Und diese ganzen Aufwendungen werden ebenfalls aus der Hinterlassenschaft der 83-Jährigen beglichen. Falls ein Erbe nicht zu finden ist, verfällt der Rest des Bargeldschatzes dann zugunsten der Landeskasse.

Quelle: RP
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