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FOTO: Endermann Andreas
Düsseldorf. Er wolle "lieber bei den Mordfällen bleiben". Damit schloss Richter Rainer Drees vor Jahren einen Wechsel vom Landgericht zu einem Gerichtshof aus. Als Vorsitzender des Schwurgerichts gilt der 51-Jährige juristisch als Ass, bekannter sind aber die unorthodoxen Methoden, mit denen er von Fall zu Fall überrascht. Im Fall einer Frau, die angeblich von ihrem Freund aus einem Fenster geworfen wurde, hat der dreifache Vater, verheiratet mit einer Richterkollegin, das Spielzeug seiner Kinder zweckentfremdet und aus Lego-Klötzchen ein Modell des Tatorts nachgebaut.

Daran machte ein Gutachter klar, dass die Aussagen der Frau nicht schlüssig waren. Drees sprach den Freund vom Mordversuch frei. Als Chef einer Berufungskammer wollte er einem notorischen Drogendealer sogar ein jahrelanges Stadtverbot erteilen. Dem entging der Delinquent nur knapp, indem er zum Berufungstermin gar nicht erst erschien. Auch im seit vier Wochen laufenden Prozess um die Rohrbombe, die vor fast 18 Jahren zehn meist jüdische Sprachschüler am S-Bahnhof Wehrhahn verletzte, weicht Drees von jeder traditionellen Prozessführung ab.

Anfangs dufte der angeklagte Ex-Soldat (51) vier Verhandlungstage lang seine teils verqueren Ansichten schildern. Dann traten Zeugen auf, die kaum noch Details wussten. Und zuletzt sollte ein Bundeswehr-Experte klären, ob der Angeklagte je an Sprengfallen geschult wurde. Konkreter wird es erst in der zweiten Prozessphase. Jetzt kommt als Zeuge auch ein Ex-Mitgefangener des Angeklagten, dem der Ex-Soldat den Anschlag einst gestanden haben soll.

Was auf den ersten Blick wie ein konfuses Puzzle wirkt, ist nur für einen klar strukturiert: Richter Drees. Wulf Kannegießer

Quelle: RP
 
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