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Düsseldorf
Die Altstadt macht sich wieder hübsch

Düsseldorf: Altstadt macht sich wieder hübsch
"Ratinger Flair" auf der Kurze Straße: Neue und traditionelle Konzepte machen die Altstadt auch für die Düsseldorfer wieder attraktiv. FOTO: Anne Orthen
Düsseldorf. Neue Konzepte locken die Düsseldorfer an ihre längste Theke zurück. Zahlreiche Hausbesitzer und Wirte investieren in ihre Lokale. Das passt auch zu den neuen Nachbarn im Andreasquartier. Von Stefani Geilhausen

Düsseldorfs nach eigenen Angaben älteste Steinofen-Pizzeria an der Andreasstraße hat dieser Tage nach Renovierung wieder eröffnet. Ein Neuanstrich mit Symbolwirkung für das ganze Quartier. Denn in die Altstadt ist Bewegung gekommen.

Im Q-Stall hatte Wirt Michael "Kalle" Becker schon voriges Jahr entschieden, dass es Zeit ist für Veränderung. Er schloss den Laden an der Andreasstraße und ist seit zwei Wochen gern gesehener Gast-DJ in der dort neu eröffneten Elephant-Bar von Walid El-Sheik. Die läuft besser, als El-Sheik zu hoffen gewagt hatte. "Wir haben genau die Gäste, die ich mir erträumt habe: jenseits der 30, nett und überwiegend aus Düsseldorf", sagt der Gastro-Profi. Manche kommen sogar aus der Oper zu ihm in die Altstadt - das hat es lange nicht gegeben.

Die Düsseldorfer Gäste, die sie in den vergangenen Jahren mit Remmidemmi und Junggesellenabschieden verloren hat, will die Altstadt zurück. Zumindest da, wo eben diese raumgreifenden Gastronomiekonzepte nicht den Ton angeben. Die Partylokale à la Ballermann ziehen ihr Publikum nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus den Niederlanden und Großbritannien an. Doch die in vielerlei Hinsicht ausufernden Partys an der Bolkerstraße schrecken viele Düsseldorfer ab.

Das ist die Düsseldorfer Altstadt FOTO: Hans-Juergen Bauer

Eine Straße weiter arbeiten die Wirte am Imagewandel. Die Initialzündung sei durch den Zuzug der Brauerei Kürzer entstanden, glaubt El-Sheik. Die habe mit ihren Gästen "eine Art Ratinger Flair" geschaffen, womit der Wirt nicht die Nachbarstadt, sondern die Nachbarstraße meint, die sich als Treffpunkt der Düsseldorfer behauptet hat. Und seither sind rundherum neue Läden entstanden, die gut dazu passen. Zuletzt haben Silq an der Mertensgasse und das Rhein-Roxy am Lieferplätzchen eröffnet, die ebenfalls haben, was El-Sheik ein "etwas erwachseneres Konzept" nennt.

Isa Fiedler, die an der Kurze Straße mit dem Knoten eines der wenigen Lokale betreibt, die nahezu ausschließlich von Stammpublikum besucht werden, sieht die Entwicklung ähnlich. "Mit dem Kürzer kamen Gäste, die auch die Umgebung neu entdeckten." Dass sich seit Monaten durch verstärkte Polizeipräsenz und den Einsatz der Hundertschaften an den Wochenenden auch das Sicherheitsgefühl deutlich verbessert habe, trage ebenfalls zum Wandel der Altstadt bei, sagt die Wirte-Sprecherin.

Fotos: Die bekanntesten Sehenswürdigkeiten in Düsseldorf FOTO: Hans-Juergen Bauer

Dass sich die Altstadt auch für die künftigen Nachbarn im Andreasquartier fein macht, sei allerdings ein falscher Eindruck. Waklid El-Sheik glaubt an den Zeitgeist, der die Entwicklung befördere. "Natürlich freuen wir uns, wenn die Bewohner des Andreasquartiers oder Gäste aus dem Medici-Hotel zu uns kommen. Aber es ist einfach an der Zeit gewesen." El-Sheik, der seit 16 Jahren die Anaconda-Lounge betreibt, eröffnet im Sommer noch ein weiteres Lokal: Im "Sir Walter" an der Heinrich-Heine-Allee will er ein älteres Publikum ansprechen.

Ums Eck bereitet sich die "Zwiebel" auf das Ende einer Ära vor. 40 Jahre hat der Wirt dort hinterm Tresen auch ein großes Düsseldorfer Stammpublikum bedient. Die Brauerei bemüht sich, die Tradition dort zu erhalten. Modernisieren Ja, aber keine Verwandlung in Glas und Marmor, sagt Ulrich Amedick. Es gebe bereits Interessenten und derzeit bemühe man sich auch, das beliebte Traditionslokal um den leerstehenden Kiosk nebenan zu erweitern. "Wir wünschen uns so etwas wie die Zwiebel 2.0."

Quelle: RP
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