| 08.14 Uhr

Düsseldorf
Anklage wegen versuchter Vergewaltigung nach Angriff im Zug-WC

Düsseldorf: Anklage wegen versuchter Vergewaltigung nach Angriff im Zug-WC
In Benrath flüchtete der Angreifer aus dem Regionalexpress 1. FOTO: Göttert
Düsseldorf. In einem Regionalexpress wurde eine junge Frau im Januar von einem Gewalttäter attackiert. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 35-Jährigen unter anderem versuchte Vergewaltigung vor. Von Stefani Geilhausen

Als Polizisten den mutmaßlichen Sexualstraftäter im Januar am Benrather Bahnhof aufforderten, die Hände aus den Hosentaschen zu nehmen, zog der blank. Die Polizisten hatten "die Hände sehen" wollen, doch der 35-Jährige zeigte seine entblößten Genitalien. In der Anklage, die jetzt gegen den Mann erhoben wurde, wird das als Beleidigung gewertet. Es sei die Absicht des Beschuldigten gewesen, sein Gegenüber in der Ehre zu verletzen.

Es ist der geringste Vorwurf in der Anklage, die dem Serben jetzt in die Justizvollzugsanstalt zugestellt wurde. Wegen versuchter Vergewaltigung sitzt er dort seit dem 23. Januar, und wenn das Gericht zum selben Ergebnis kommt und auf einen schweren Fall erkennt, dann könnten ihm mindestens zwei weitere Jahre drohen.

Am 22. Januar soll er gegen 21 Uhr im Regionalexpress 1 auf der Strecke zwischen Hauptbahnhof und Benrath einer jungen Frau gefolgt sein, als die zur Toilette ging. Er habe sie in die Kabine gedrängt, mit einem Gegenstand geschlagen, ihre Jeans geöffnet und sie angefasst, ihr gedroht sie zu töten, als sie schrie.

Retter bezahlte Zivilcourage mit Schmerzen

Für die Staatsanwaltschaft ist klar, dass der Angeklagte die junge Frau vergewaltigen wollte, "den Beischlaf vollziehen", wie das im Juristendeutsch heißt, wenn es auf einer Zugtoilette und unter Schlägen stattfindet. Das Opfer bettelte, er möge sie gehen lassen. Doch es war nicht der Angreifer, der sie in den hinteren Zugteil flüchten ließ, sondern eine Gruppe junger Männer, die den Hilferufen gefolgt war und versucht hatte, den Mann zu überwältigen.

Ein 25-jähriger Solinger bezahlte die Zivilcourage mit erheblichen Schmerzen: Laut Anklage hat ihm der 35-Jährige mehrfach mit der Faust ins Gesicht geschlagen, so dass er zu Boden ging.

Als der Zug im Benrather Bahnhof einfuhr, flüchtete der Täter aus dem Zug, wurde aber von vor Polizei gestellt. Als die Beamten ihn festnahmen, wurde der Mann erneut rabiat und wehrte sich heftig, berichtete seinerzeit die Polizei. Er trat und schlug die Polizisten, und rammte seinen Kopf so fest gegen die Scheibe des Streifenwagens, dass die zerbarst. Die Anklage wirft ihm zudem vor, einen der Polizisten gebissen zu haben.

Der Serbe, der seinerzeit behauptete, in einem Wohnheim in Selm zu leben, war offenbar seit einem Jahr ohne Wohnsitz in Deutschland. Den Ermittlungen zufolge hatte er dabei kein legales Einkommen. Wovon er gelebt haben könnte, lässt der Rucksack erahnen, den die Polizisten bei seiner Festnahme sicherstellten: Darin steckten diverse Kleidungsstücke mit Sicherungsetiketten, der Rucksack war so präpariert, dass diese beim Verlassen eines Ladens keinen Alarm auslösen. Parfüm, Kosmetika und T-Shirts soll er zuvor in der Düsseldorfer Innenstadt gestohlen haben; der professionelle Klau-Rucksack spricht dafür, dass es nicht das erste Mal gewesen ist.

Der brutale Übergriff auf der Zugtoilette hatte für Entsetzen auch bei der Bahn gesorgt. Der 35-Jährige hat zu sämtlichen Vorwürfen bislang nichts ausgesagt, gab nur beim Haftrichter an, betrunken gewesen zu sein und sich an nichts erinnern zu können. Die Staatsanwaltschaft geht aber nicht davon aus, dass seine Schuldfähigkeit eingeschränkt war. Nach Informationen unserer Redaktion soll er 1,4 Promille Alkohol im Blut gehabt haben.

Quelle: RP
Diskussion
Das Kommentarforum zu diesem Artikel ist geschlossen.