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Kolumne Made In Düsseldorf
Der Knigge für den Neujahrsempfang

Düsseldorf - Der Knigge für den Neujahrsempfang
Oberbürgermeister Thomas Geisel - ein Neujahrsempfangs-Meister - spricht zu den Gästen eines Neujahrsempfangs im Wirtschaftsclub. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Der Januar ist in Düsseldorf traditionell der Monat der Empfänge. Dort trifft man meist die selben Leute und hört die selben Reden. Allerdings kann man auch sehr viel falsch machen. Unser Wirtschaftsredakteur erklärt die Regeln. Von Thorsten Breitkopf

Kleidung Natürlich ist es cool, mit extravaganter Kleidung aufzufallen. Das gilt für den Karneval, aber nicht für den Neujahrsempfang. Kleiden Sie sich einfach so, wie sich Ihr Gastgeber kleidet. Also ein paar Beispiele: Beim Empfang der Deutschen Bank sollten sie als Herr einen schwarzen Anzug tragen - übrigens auch wenn dort keine Rekordverluste geschrieben werden - mit Krawatte natürlich. Im Wirtschaftsclub darf die Dame auch mit Pelzkragen auflaufen - was sich beim "Veganen Neujahrsempfang der Tierschutzpartei" am kommenden Mittwoch dagegen eher nicht empfiehlt.

Pünktlichkeit Seien Sie pünktlich da (gilt nicht für bestimmte Berufsgruppen, etwa Oberbürgermeister oder Journalisten, es heißt ja schließlich Pünktlichkeit ist die Höflichkeit der Könige, und nicht der Politiker oder Reporter). Und das akademische Viertel ist natürlich immer drin, wir sind im Rheinland, nicht in der Schweiz.

Reden "Man darf über alles reden, nur nicht über zehn Minuten". Das ist die Goldene Regel für den Ausrichter. Wer dies nicht beachtet, darf sich dem Hohn und Spott der örtlichen Presse und der heimlichen Kritik der Gäste gewiss sein. Angesichts der großen Anzahl der Neujahrsempfänge sind Redundanzen bei den Neujahrsreden sowieso unvermeidlich. Als Gast sollten Sie trotzdem gelegentlich nicken und so tun, als würden Sie zuhören.

Smalltalk Spätestens nach dem 30. Neujahrsempfang wird es schwer. Daher halten Sie sich beim qualitätsvollen Smalltalk mit dem Tischnachbarn streng an die folgenden Themenvorschläge: A) Qualität der Getränke; B) Qualität der Häppchen; C) Qualität des Wetters; D) Qualität des Oberbürgermeisters; E) Qualität des Karnevalskostüms des Oberbürgermeisters.

Merken Sie sich gut, mit wem Sie welche der Themen A bis E bereits besprochen haben, da sie auf allen Neujahrsempfängen die gleichen Leute treffen werden. Wiederholungen sind unbedingt zu vermeiden.

Gäste Versuchen Sie in kürzester Zeit mit möglichst vielen Gästen zu sprechen. Das erhöht Ihre Stellung in der Düsseldorfer Gesellschaft. Merken Sie sich ganz viele Namen und je ein Thema und benutzen Sie diese. ( "Also Herr Sowieso, Ihre Äußerung kürzlich zu blablabla kann ich vollkommen unterstützen".) Das wirkt professionell. Reden Sie mit niemandem länger als fünf Minuten. Verabschieden Sie sich nicht am Ende des Gesprächs, sondern lügen Sie selbstbewusst: "Bis später, Herr Sowieso."

Alkohol Ja, es darf getrunken werden, Wein oder Bier, auch mehr als ein Glas. Doch hüten Sie sich, in das Ranking der Tagesvollsten einzuziehen. Ein Schwips ist okay. Dem Oberbürgermeister aber zuzulallen, dass er "eijentlisch enn jannz netter Kerl iss", führt zu Irritationen bei den anderen Gästen des Neujahrsempfangs, die Sie ja schon beim nächsten wiedersehen werden (Falls Sie sich daran noch erinnern).

Abgang Eines Vorweg: Schließen Sie nicht mit dem Gastgeber die Türe ab. Kommt nicht gut (siehe "Alkohol"). Aber kommen Sie nicht auf die Idee, als Erster zu gehen und sich bei zwei Dutzend Leuten per Handschlag zu verabschieden. Das drängt andere zum Gehen, die nicht den Eindruck hinterlassen wollen, sie würden versacken. Und das Ganze sprengt die Party - zum Ärger des Gastgebers. Die Kunst liegt darin, vollkommen unbemerkt zu verschwinden. Neujahrsempfangs-Profis schaffen das mit Bravour.

Quelle: RP
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