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Verhandlung in Düsseldorf
Der ungewöhnlichste Prozess des Jahres

Wenn in Düsseldorf am Samstag Prozess ist
Wenn in Düsseldorf am Samstag Prozess ist FOTO: Bretz, Andreas
Düsseldorf. Das Land- und Amtsgericht in Düsseldorf ist am Wochenende normalerweise geschlossen. Zum ersten Mal gab es nun eine Verhandlung an einem Samstag im Justizzentrum – für viele ein sonderbarer Arbeitstag. Von Christopher Trinks und Andreas Bretz (Fotos)

Normalerweise ist der ausgefahrene Metall-Zaun vor dem Innenhof ein sicheres Indiz dafür, dass das Amts- und Landgericht Düsseldorf geschlossen hat. Dennoch drängten sich am Samstag Prozessbesucher und Medienvertreter eng vor dem Tor zusammen und warteten auf den Einlass. Nach einer Weile erleuchtete schließlich das grüne Lämpchen an der Eingangstür und die Wartenden konnten der Kälte entfliehen. Auch am Einlass zeigten sich Unterschiede zu einem normalen Gerichtstag. Von den drei Sicherheitsschleusen war an diesem Tag nur eine besetzt, an der zwei Wachtmeister stoisch ihre Arbeit verrichteten. Auf die Frage, was sie von diesem ungewöhnlichen Tag halten würden, erwiderte einer der Wachtmeister nur schmunzelnd: "Darauf geb ich ihnen lieber keine Antwort."

Angekommen im riesigen Foyer fällt direkt die besondere Atmosphäre auf – es ist nämlich sehr still. Weder ist der Empfang besetzt, noch geben die Bildschirme vor den Sälen das Tagesprogramm wieder. Dort, wo für gewöhnlich um die Vormittagszeit geschäftiges Treiben herrscht, wo über Recht und Unrecht entschieden wird, ist es totenstill. Einzig die Absätze der drei verteidigenden Anwälte knallen auf dem Weg zum Saal über den gefliesten Boden. Derweil wird die Tagesordnung für Gerichtssaal E122 von der Protokollantin per Hand an die Monitore geklebt. "Heute ist ja schließlich kein gewöhnlicher Gerichtstag", sagt sie. Die Tagesordnung klärte über den Grund für die nur augenscheinlich arbeitsfreie Atmosphäre auf. Denn an diesem Samstag fand im Land- und Amtsgericht fernab der eigentlichen Öffnungszeiten eine außerordentliche Gerichtsverhandlung statt.

In dem Strafprozess sind zwei Männer und eine Frau wegen betrügerischer Autogeschäfte angeklagt, an denen sich das Trio seit November 2016 bereichert haben soll. Insgesamt gehe es dabei um eine Summe von 550.000 Euro. Der Grund, warum die Verhandlung ungewöhnlicherweise auf das Wochenende gelegt wurde, hatte einen profanen Hintergrund: Es ließ sich schlicht kein anderer Termin finden, an dem alle Beteiligten zur Verfügung stehen. Da der Hauptangeklagte derzeit aber in Untersuchungshaft sitzt, müssen solche Fälle vor Gericht stets zeitnah verhandelt und auch beendet werden. Wie das Gericht jedoch mitteilte, sei dieser Wochenend-Prozesstag eine "einmalige Situation" und Ausnahme gewesen.

Es wurde schließlich nicht nur ein besonderer Prozesstag, sondern auch ein langer. Zahlreiche Anträge auf Zeugenvernehmung und Beweisanträge zogen Unterbrechungen für Unterredungen der einzelnen Parteien nach sich. Als Richterin Bettina Reucher-Hodges nach einigen Stunden eine Mittagspause ansetzte, folgte gleich eine Hiobsbotschaft: "Es gibt leider keinen Kaffee heute." Zumindest die Belegschaft der Cafeteria genoss also ein freies Wochenende.

Zu einem Urteil ist das Gericht an diesem Wochenende allerdings nicht gekommen. Der Prozess muss deshalb am 20. Dezember weitergeführt werden. Dann wenigstens an einem Mittwoch, während der Geschäftszeiten.

 
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