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Düsseldorf, die Weltoffene

Düsseldorf: Düsseldorf, die Weltoffene
Caroline Authaler präsentiert den globalen Stadtplan. FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Junge Historiker der Heine-Uni haben einen globalen Stadtplan entwickelt und erzählen Stadtgeschichte aus einem neuen Blickwinkel, auch in düsteren Kapiteln. Von Ute Rasch

Düsseldorf und die Welt, das ist eine Geschichte in vielen Kapiteln, deren Wurzeln lange zurück reichen. Ab 1850 knüpften Handelsfirmen Kontakte nach Afrika und Asien, reisten Abenteurer in ferne Länder, entzündete sich bald eine starke Begeisterung für die Kolonien in Übersee. Und an der Graf-Adolf-Straße eröffnete ein arabisches Café mit Kuppeln und Minarett. Diesen globalen Spuren folgt nun ein neuer Stadtplan, den Studierende der Uni entwickelt haben.

Die jungen Historiker erzählen Stadtgeschichte aus neuem Blickwinkel. Honorige Herren trafen sich am 29. Januar 1881 in der Tonhalle, um den ersten deutschen Verein zu gründen, der sich für Kolonien in Übersee einsetzte. Diese Industriellen verknüpften damit die Hoffnung, einerseits leichter an Rohstoffe zu kommen, andererseits zusätzliche Absatzmärkte für ihre Produkte zu erschließen.

Dass die Tonhalle nun einer der markierten Punkte des neuen Stadtplans ist, hat noch einen anderen Grund. "Sie gehört zum Ehrenhof-Ensemble, das 1926 Ort der Gesolei war, der größten Ausstellung des Weimarer Reichs", erläutert Uni-Dozentin Caroline Authaler. Bei dieser Ausstellung wurde die Erforschung der Tropenkrankheiten von deutschen Forschern diskutiert, aber auch vehement die Rückgabe deutscher Kolonien gefordert.

Nur ein paar Schritte entfernt erinnert an der Tonhallenpassage eine Gedenktafel an Hilarius Gilges, Sohn eines afrikanischen Seemanns, Hafenarbeiter und Kommunist. Er lebte mit seiner Familie in der Altstadt, wurde 1932 von den Nazis inhaftiert und schließlich ermordet. Nicht weit entfernt in der Grabenstraße wohnte ein Mann, der ein geborener Abenteurer war - und Zeitzeuge der globalen Geschichte: Eugen Zintgraff. Er reiste 1886 in die deutsche Kolonie Kamerun, wo er als erster Weißer zu einer Expedition ins Graslandgebiet startete und später eine Plantage gründete.

Für ihre Recherchen waren die Studierenden erst vor einigen Monaten auf seinen Spuren unterwegs in Afrika und stellten verblüfft fest, dass die Erinnerung an den Düsseldorfer Pionier dort noch ganz lebendig ist. "Viele der Älteren konnten noch Anekdoten über ihn erzählen", so Caroline Authaler. In Düsseldorf allerdings sei sein Name längst vergessen.

Auch um diese gemeinsame deutsch-afrikanische Geschichte geht es bei dem Uni-Projekt. Und darum, mit alten Überlieferungen aufzuräumen. Denn in ihren Reiseberichten stellten Europäer grundsätzlich ihre Stärke und Überlegenheit in den Vordergrund. "Oft war es umgekehrt. Da waren die Afrikaner die maßgeblich Handelnden, ohne die die Reisenden überhaupt nichts ausrichten konnten." Das galt ebenso für den Direktor des Löbbecke-Museums, der in den 1930er Jahren nach Kamerun reiste, um Tiere für den Düsseldorfer Zoo zu fangen.

Der Stadtplan weist auch den Weg zu den düsteren Kapiteln der Geschichte, zum Kolonialkriegerdenkmal am Frankenplatz, das für die Gefallenen des 39. Füsilier-Regimentes enthüllt wurde. Dieses Regiment war auch am Völkermord an den Herero beteiligt, woran heute zumindest eine Gedenktafel erinnert. Schließlich führt der Weg bis nach Urdenbach, wo einige Straßen der Wohnsiedlung Urdenbacher Acker die Namen der frühen Kolonial-Pioniere tragen. Auch den von Carl Peters, der als Gouverneur in Kamerun wegen seiner Grausamkeit gefürchtet und "Hänge-Peter" genannt wurde. Caroline Authaler: "Er ließ Menschen hinrichten, auch seine eigene Geliebte." Eine Initiative setzte sich für eine Umbenennung der Straße ein - konnte sich aber nicht durchsetzen.

Zurück in die Innenstadt: Als 1865 das arabische Café an der Graf-Adolf-Straße eröffnet wurde, fühlten sich die Düsseldorfer fast wie in 1000-und-einer-Nacht, sie tranken Mokka auf Kamelsesseln und ließen sich von Bediensteten verwöhnen, die als Beduinen verkleidet waren. Die Welt kam nach Düsseldorf - zumindest als perfekte Illusion.

Quelle: RP
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