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Immer mehr Pendler
Düsseldorf droht Verkehrs-Kollaps

Sommerbaustellen 2017: Hier wird es eng auf den Autobahnen
Sommerbaustellen 2017: Hier wird es eng auf den Autobahnen
Düsseldorf. Der Wissenschaftler Volker Eichener sagt, Düsseldorfs wachsende wirtschaftliche Bedeutung könnte dazu führen, dass der Straßenverkehr zusammenbricht. Sein Lösungsansatz: Investitionen in Duisburg statt in Düsseldorf. Von Thorsten Breitkopf

Quälende Staus und ewig verspätete oder ausfallende Bahnen sind für Düsseldorfs Pendler längst Alltag. Allerdings ist das Ende der Fahnenstange diesbezüglich noch lange nicht erreicht, sagt Volker Eichener, Professor für Politikwissenschaften und Stadtforscher an der Hochschule Düsseldorf am Mittwoch bei einer gemeinsamen Veranstaltung von IHK und DGB zum Thema Verkehr. Eichener zeichnet ein düsteres Bild, das unter den Podiumsteilnehmern kontrovers diskutiert wurde.

"Heute freuen sich die Düsseldorfer, dass sie aufgrund ihres Wohlstands immer mehr Berufstätige - ob als Pendler oder Einwohner - anziehen. Aber diese Freude wird den Landeshauptstädtern noch im Hals stecken bleiben", sagte der Wissenschaftler bei der Präsentation seiner Studien. Denn dank der wirtschaftlichen Prosperität Düsseldorfs herrscht ein enormer Zuzug in die Stadt und ins Umland, auch diverse Unternehmen siedeln an den Rhein über. Bereits heute gebe es täglich knapp 300.000 Einpendler, hinzu kommen 100.000 Auspendler, die parallel in den Morgen- und Abendstunden die Straßen verstopfen. Denn die allermeisten kämen mit dem Auto.

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Die meisten Pendler kommen mit dem Auto

"Es helfen keine frommen Worte, wenn die Fahrt mit dem Auto für die meisten Pendler die bequemste Perspektive ist", sagt Eichener, und rechnet genau das vor - am eigenen Beispiel. Eichener lebt in Herne, arbeitet in Düsseldorf. Mit allen Fußwegen, drei Mal Umsteigen von Bus, auf Regionalexpress, S-Bahn und Co. benötigt er 82 Minuten für seinen Weg zur Arbeit. Mit dem Auto benötige er selbst mit einem einkalkulierten Stau von einer Viertelstunde nur 52 Minuten. "Damit ist der ÖPNV für mich nicht konkurrenzfähig", sagt Eichener. Insbesondere, da die Kosten mit 14,60 Euro für Bus und Bahn sogar leicht über denen für die Autofahrt lägen (14,40 Euro).

Auch aus diesem Grund steige die Zahl der Autos, auch in Düsseldorf. So gebe es bei der rasant wachsenden Bevölkerung binnen fünf Jahren 30.000 Autos mehr in der Stadt. "Das beeinträchtigt nicht nur den fließenden Verkehr, sondern auch den ruhenden, was Bewohner von Pempelfort etwa heute schon genau wissen", so Eichener. Versuche, mehr Parkraum zu schaffen, seien zum Scheitern verurteilt. Normales Carsharing bringe wenig, weil es sich für Pendler nicht eigne, da es auf das Stadtgebiet beschränkt sei. Elektromobilität hält er für die Lösung des Verkehrsproblems ebenso ungeeignet, da sich weder Verkehrsströme noch Parkmöglichkeiten änderten. "Die beschränkten Lademöglichkeiten und langen Ladezeiten erhöhen eher noch das Parkproblem in der Innenstadt", so Eichener.

Die Lösung: Duisburg statt Düsseldorf

Die von ihm präferierte Lösung heißt "Shared Mobility". Gemeint ist damit eine Form von Sammeltaxis, die sechs bis 16 Personen befördern könnten. Entsprechende Modellversuche dazu gebe es bereis in Berlin, im Ruhrgebiet und in Bayern.

Etwas radikaler ist sein zweiter Vorschlag: "Man kann auch versuchen, im Zuge der Raumordnung anzustreben, Firmen, die heute nach Düsseldorf wollen, lieber nach Duisburg umzusiedeln", sagt der Wissenschaftler. Büros seien dort billiger, aus Duisburg kommen mit 18.000 die meisten Pendler, und die Verkehrsanbindung sei mindestens genauso gut. Dafür müsste allerdings der dortige Gewerbesteuerhebesatz gesenkt werden. Er ist höher als in Düsseldorf.

Quelle: RP
 
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