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Ekel-Haus in Düsseldorf
"Ich hatte Angst, in eine Spritze zu treten"

Schmuddel-Haus in Düsseldorf entdeckt
Schmuddel-Haus in Düsseldorf entdeckt FOTO: David Young
Düsseldorf. Spritzen, Müll, Unrat - im Düsseldorfer Stadtteil Bilk steht ein verwahrlostes Haus, das offenbar seit Jahren als Rückzugsort für Junkies und zwielichtige Gestalten dient. In dem Gebäude herrschen erschreckende Zustände.  Von Franziska Hein

Es war so ekelhaft, dass Fotograf David Young es nur 15 Minuten in dem Haus aushielt. "Ich bin nur kurz in zwei Räumen gewesen und habe Fotos gemacht und bin dann wieder raus", erzählt er. In dem Haus auf dem Abrissgelände im Düsseldorfer Stadtteil Bilk hausen offenbar seit Jahren Junkies. Der Boden ist übersät mit Spritzbesteck, Kompressen und Einweghandschuhen, dazwischen Teelichter, über deren Flamme der Stoff auf einem Löffel geschmolzen wird, um ihn mit der Spritze aufziehen zu können. "Irgendwann bin ich raus, weil ich Angst hatte, in eine Spritze zu treten." 

Außerdem stinkt es bestialisch. "Kein Wunder, im Badezimmer war die Badewanne voll mit Fäkalien." In den Zimmern stehen laut Young Töpfe voll mit Maden und Fliegen. Was ursprünglich einmal darin war, ist nicht mehr zu erkennen.

Sogar eine Pistole liegt auf dem Boden auf einer alten Zeitungsausgabe. Offenbar handelt es sich um eine Attrappe, zudem ist der Bolzen abgerissen. Wie die Scheinwaffe ins Haus gekommen ist, darüber lässt sich nur mutmaßen. Young sah auf dem Boden auch mehrere Taschen und Rucksäcke, deren Inhalt offenbar verstreut und liegen gelassen wurde. "Vielleicht wurden die Taschen geklaut, um an Geld zu kommen", sagt der Fotograf. 

Wer sich unbeobachtet fühlen will, findet auf dem Gelände einen stillen Ort. Young stieß in der vergangenen Woche bei einer Baustellenbegehung auf das Haus und warf einen Blick hinein. Der Express hatte als erstes darüber berichtet. 

Das Gelände mit dem Schmuddelhaus liegt an der Straße Auf'm Hennekamp im Düsseldorfer Stadtteil Bilk. Bei dem Gebäude handelt es sich um die ehemalige Hausmeisterwohnung des Metallisierungswerks Peter Schreiber - einer Fabrik, die zu den vergessenen Orten Düsseldorfs gehört. Sie soll eigentlich abgerissen werden, doch das verzögert sich, weil noch hochgiftiges Chrom im Boden liegt. 

Gelände mit Zaun gesichert

Laut einer Sprecherin ist die Polizei über die Zustände in dem verdreckten Haus informiert. Der Bezirksdienst wisse Bescheid und sei präsent. Allerdings liege kein Verdacht auf eine Straftat vor.

Auch bei der Stadt hält man sich bedeckt. "Das Gebäude und die Zustände darin sind bisher nicht auffällig geworden, somit war die Stadtverwaltung bisher auch nicht veranlasst, dort einzuschreiten", sagt Stadtsprecher Michael Buch. Das Bauaufsichtsamt sei informiert. Fest steht, dass in solchen Fällen der Eigentümer zuständig ist, das Gelände zu sichern. Alles befinde sich in privater Hand. Tatsächlich wurde laut Young kürzlich ein Zaun aufgestellt, um ungebetene Besucher fernzuhalten.  

Dass es in der Vergangenheit - entgegen der Schilderung von Polizei und Stadt - schon Probleme mit der alten Fabrik und die Hausmeisterwohnung gegeben hat, erzählt ein Anwohner. Er hatte bis vor fünf Jahren selbst eine Werkstatt auf dem Gelände und berichtet, dass es vor einigen Jahren ein Ort für Drogensüchtige war. Irgendwann sei aber die Polizei mit mehreren Streifenwagen angerückt und habe sie vertrieben. Seither sehe er nur noch vereinzelt Fremde auf dem Gelände, erzählt der Mann. 

In der alten Papierfabrik passieren oft Unfälle

Immer wieder geraten verwahrloste und leerstehende Immobilien ins öffentliche Interesse. In der alten Papierfabrik am Hafen passieren öfter Unfälle. Im April etwa stürzte ein 16-Jähriger in die Tiefe und verletzte sich schwer, 2016 hatte sich ein anderer Jugendlicher schwer verletzt. Obdachlosen und Drogenabhängigen bietet die Papierfabrik immer wieder einen Rückzugsort, obwohl Türen und Fenster im Erdgeschoss eigentlich mit Stahlplatten verbarrikadiert sind und das Betreten verboten ist. 

NRWs verlassene Orte FOTO: Hans-Peter Reichartz

Zu Düsseldorfs verlassenen Orten zählt auch ein Haus an der Werstener Straße in Höhe des Stoffeler Friedhofs. Das Haus gehört der Stadt, auch hier treiben sich immer wieder zwielichtige Gestalten herum, klagen Anwohner.

Ein baufälliges Jugendstilhaus an der Birken- Ecke Dorotheenstraße ist ein andauernder Zankapfel. Ähnlich wie die leerstehende Papierfabrik lockt das Mehrfamilienhaus in Privatbesitz, das seit sieben Jahren eingerüstet ist, Vandalen an. Vor einigen Wochen schmissen Unbekannte Scheiben im Erdgeschoss ein. 

 
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