| 18.29 Uhr

Düsseldorfs ehemaliger OB
Was Dirk Elbers heute so macht

Düsseldorf: Ex-OB Dirk Elbers blüht auf
Elbers in seinem Revier: Bei der Gesellschaft Reserve im "Schlüssel" hielt Ehremitglied Dirk Elbers die Laudatio auf Schützenchef Lothar Inden. FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Seit Dirk Elbers aus dem Amt ist, blüht der Ex-OB auf: Neues Outfit, trockener Humor, bissige Reden. Doch sind seine Wunden von damals wirklich verheilt? Von Thorsten Breitkopf

Bei der Gesellschaft Reserve ist Dirk Elbers in seinem Revier. Das spürt man im Schlüssel-Saal. Das hat man schon vorher beim Blick ins Netz gespürt. Auf der Internetseite der Gesellschaft prangt ein großes Foto. Darauf ist Ehrenmitglied Elbers zu sehen, mit Amtskette und vielen Schützen neben sich auf dem Balkon des Rathauses - so als hätte es den 15. Juni 2014, den Tag seiner Abwahl, nicht gegeben.

"Kein Wasser, um Gottes Willen!"

Lothar Inden, Chef des "Großen Vereins", also des St. Sebastianus Schützenvereins, ist neues Ehrenmitglied der Gesellschaft Reserve von 1858. FOTO: Bretz, Andreas (abr)

Elbers steht am Redner-Pult, der Köbes bringt ihm ein Glas. "Kein Wasser, um Gottes Willen!" Der Saal lacht. Dann ein Hieb auf die Presse. Dass Schützenchef Lothar Inden schon Ehrenvorsitzender sei, habe er im Januar gelesen. "Beim Aufschlagen der Zeitung dachte ich ,Dirk, jetzt hast du schon so wenig Termine, und dann verbaselst du den wichtigsten'. Aber die Ehrung ist erst heute. Man darf nicht alles glauben, was in der Zeitung steht", sagt Elbers, und nennt den schuldigen Redakteur beim Namen. Der Saal brüllt. Gut, bei den Schützen war Elbers immer im Element, aber der Elbers, den die Sebastianer jetzt sahen, war ein anderer, als der, der im Rathaus regierte. Elbers ist ironisch, und selbstironisch. Presseschelten hat er immer erteilt. Aber heute sind sie lustig.

Sind seine Wunden verheilt?

Die Gesellschaft Reserve 1858 ist einer der größten innerhalb des "Großen Vereins", wie sich die Sebastianer selbst nennen. Sie ernannten Schützenchef Lothar Inden jetzt zum Ehrenvorsitzenden. Die Laudatio hielt Oberbürgermeister a.D. Dirk Elbers. Vor knapp zwei Jahren wurde er von den Düsseldorfer aus dem Amt gewählt - gegen einen Kandidaten, dem wohl die wenigsten eine Chance eingeräumt hatten. Eine laute Niederlage, der Elbers mit einer leisen Abstinenz bei öffentlichen Auftritten begegnete. Jetzt ist er wieder da, immer öfter. Sind die Wunden verheilt?

Den anderen Elbers erlebten kürzlich auch die Mitglieder des Prinzenclubs. Als dieser Thomas Geisel aufnahm, nannte Elbers die RP die "Satirezeitung Rheinische Post", da sie ihn für das Dschungelcamp vorgeschlagen hatte. "Lieber Thomas, Danke, dass du pünktlich bist", sagte er zum Nachfolger. Wer mit Geisel zu tun hat, weiß, dass das die Ausnahme ist.

Der "neue" Elbers trägt eine jüngere Frisur, ist schlanker, wirkt fitter, Es scheint, als habe er die Bürde des Amtes abgelegt. Sein Auftritt vor Schützen, Prinzen oder im Wirtschaftsclub ist locker. Heute sucht sich Elbers sein Publikum aus. Es gefällt ihm, in der zweiten Reihe zu stehen. Viel Zeit verbringe er auf Sylt und Mallorca. Elbers wirkt erholt, nicht lahm, nicht wie ein Verlierer. Dass die Geschäfte als Immobilienexperte laufen, deutet er an, ohne konkret zu werden. Über Lothar Inden sagt er: "spitze Zunge, trockener Humor, manchmal bissig". Damit könnte er inzwischen auch sich meinen - den Elbers 3.0.

Das Amt veränderte Elbers

So ähnlich beschreiben ihn auch solche, die ihn aus der Vor-OB-Zeit kennen. Ein netter Kerl sei er damals gewesen, verbindlich, bürgernah, kein Alfa-Tier - der Dirk Elbers 1.0.

Dann kam das Amt, das veränderte ihn. Er war immer schwerer erreichbar, der, der sonst immer ans Telefon gegangen war. Er wurde von Beratern abgeschirmt und schirmte sich ab. Spitzen gegen seine Person konnte "OB Elbers" nicht mehr nonchalant über sich ergehen lassen. Er war schnell beleidigt. Als Feuerwehrleute bei Facebook frotzelten, drohte er mit personellen Konsequenzen - öffentlich. Parteifreunde verloren den Zugang.

Er glaubte sich fest im Sattel, nicht zu Unrecht warf man ihm Benehmen "nach Gutsherrenart" vor. Und so sah Elbers nicht kommen, dass sein neues Ego, der Elbers 2.0, in der Stadt nicht ankam. Er verkannte in seiner wachsenden Distanz, dass man sich nicht lautstark gegen Feuerwehrleute stellt, mag man auch im Recht sein. Feuerwehrleute helfen Menschen und setzen ihr Leben ein. Jeder Politiker sollte wissen, dass man sich nur schwer gegen so viel Popularität stellen kann. Beim Bürger kam das an wie Arroganz.

Elbers Metamorphosen

Dann kam Sturm Ela. Düsseldorfs Wälder und Parks: ein Trümmerhaufen, Straßen unbefahrbar. Katastrophenalarm. Die Bundeswehr rückte mit Panzern an, wenige Tage vor der Wahl. So grausam es klingt: ein Geschenk für einen Wahlkämpfer. Doch Elbers machte nichts. Ließ sich kaum Blicken, keine Aufräumfotos mit Klappspaten und Gummistiefeln à la Gerhard Schröder. Bei seinem ersten Fototermin ließ er Feuerwehrleute 45 Minuten warten. Dabei war die Katastrophe noch lange nicht gebannt. So einen Elbers wollten die Düsseldorfer nicht. Sie wählten ihn ab.

Elbers Metamorphosen haben gezeigt, wie die Macht, verbunden mit dem Gefühl, im Rampenlicht zu stehen, Menschen verändern können. Wäre der Oberbürgermeister Dirk Elbers häufiger so aufgetreten wie der heutige bei der Reserve oder den Prinzen - vielleicht wäre er noch im Amt.

Quelle: RP
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