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GSG9-Einsätze in Düsseldorf und Schwelm
Verdächtiger wohnt im selben Haus wie bekannter Islamist

Fotos: GSG9 stürmt Wohnungen in Düsseldorf
Fotos: GSG9 stürmt Wohnungen in Düsseldorf FOTO: Arne Lieb
Düsseldorf/Schwelm. Sie kamen am frühen Donnerstagmorgen mit Maschinenpistolen und Sturmhauben, die die Gesichter verdeckten – Bundespolizisten der Elite-Einheit GSG 9, die auf Anti-Terror-Einsätze spezialisiert ist, haben drei Wohnungen in Düsseldorf und Schwelm durchsucht. Einen terroristischen Hintergrund gebe es aber nicht, versicherte die Staatsanwaltschaft in Berlin, die gegen vier Verdächtige ermittelt. Von Stefani Geilhausen, Wulf Kannegießer und Carola Siedentop

Auch einen Zusammenhang mit den Terroranschlägen von Paris verneinte Martin Steltner, Sprecher der Berliner Behörde, die die Ermittlungen leitet. Mit Frankreich allerdings gibt es eine Verbindung: Die Berliner Behörden waren unlängst in der Hauptstadt auf einen Mann gestoßen, der als Mittelsmann gefälschte französische Papiere nach NRW bringen sollte. Als der aufflog, sei man den vier Verdächtigen in NRW auf die Spur gekommen, bei denen Beweismaterial sichergestellt wurde.

Auch Wohnung im Düsseldorfer Süden durchsucht

Mehrere Computer, ein leistungsstarker Server und diverse Kisten voller Unterlagen trugen die vermummten Bundespolizisten allein im Düsseldorfer Stadtteil Flingern aus einer Wohnung in einem unauffälligen Mietshaus. Dort lebt die Mutter eines Verdächtigen, und der junge Mann soll sich seit einigen Monaten überwiegend bei ihr aufhalten. Auch seine eigene Wohnung im Düsseldorfer Süden wurde durchsucht.

Anfang des Jahres hatte sich der 22-Jährige vor einem Jugendgericht verantworten müssen, weil er als Gegner bei Demonstrationen der rechtspopulistischen Bewegung ProNRW mehrmals schweren Landfriedensbruch begangen haben soll.

Spektakuläre Einsätze der GSG 9 FOTO: dpa, Henning Kaiser

Bei der Polizei in Düsseldorf gilt er als einer von mehreren potenziellen Gefährdern aus der islamistischen Szene, die der Staatsschutz im Auge hat. Warum er jetzt versucht haben soll, sich über den Kontaktmann in Berlin falsche französische Papiere zu besorgen – und warum eine schwer bewaffnete Eliteeinheit der Bundespolizei zur Beweissicherung in einem Fall von Urkundenfälschung nötig ist – dazu schweigt die Berliner Staatsanwaltschaft. Die Durchsuchungen, bei denen keiner der vier Verdächtigen festgenommen wurde, seien erfolgreich gewesen, berichtete Sprecher Steltner. Nun müsse man die gefundenen Beweismittel aber erst einmal auswerten.

Möglich, dass die Berliner Behörden sich dann auch für einen Nachbarn des jungen Düsseldorfer interessieren. Über der durchsuchten Wohnung seiner Mutter nämlich residiert ein bekannter deutscher Konvertit, der als angeblicher Weggefährte des berüchtigten "Dschihadi John" Schlagzeilen machte.

Unter Beobachtung der Staats- und Verfassungsschützer

Seine Wohnung hatten die Bundespolizisten Donnerstag nicht durchsucht, der Mann war während des Einsatzes unbehelligt zur Arbeit gegangen. Auch er steht offensichtlich unter Beobachtung der Düsseldorfer Staats- und Verfassungsschützer, war vor zwei Jahren am Frankfurter Flughafen festgenommen worden, als er aus Ägypten mit im Jackenfutter eingenähten gefälschten französischen Papieren einreiste, in denen neben seinem Foto ein falscher Name stand. Warum ihn seinerzeit Düsseldorfer Polizisten dort erwartet hatten, war nicht einmal in einem späteren Gerichtsverfahren bekannt geworden: Der betreffende Kriminalbeamte verweigerte dazu im Zeugenstand die Aussage, und der angeklagte Konvertit hatte angeblich auch keine Erklärung dafür.

Dass ausgerechnet in der Wohnung unter seiner die Mutter eines jungen, der islamistischen Szene zuzurechnenden Verdächtigen wohnt, der versucht haben soll, gefälschte französische Pässe zu beschaffen, sei "ein Zufall", heißt es lapidar aus Berlin. Der Einsatz der Bundespolizei habe jedenfalls nicht ihm gegolten. Die Ermittlungen gegen die vier Verdächtigen dauern an, sagte der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft nach Abschluss der Durchsuchungen. Festgenommen wurde keiner von ihnen, offenbar hat man sie bei den Behörden im Blick.

Sehen Sie hier Fotos vom Einsatzort in Flingern.

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