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Düsseldorf
Flüchtlinge werden zu Opfern

Düsseldorf: Flüchtlinge kommen am Hauptbahnhof an
Düsseldorf: Flüchtlinge kommen am Hauptbahnhof an FOTO: Paula Elsholz
Düsseldorf. Missbrauchstäter, Salafisten, Geschäftemacher: Die Unterkünfte sind kein geschützter Raum, immer wieder versuchen Täter die Unwissenheit der Menschen dort auszunutzen. Inzwischen ermittelt auch der Staatsschutz. Von Uwe-Jens Ruhnau und Torsten Thissen

Deutschland ist für viele Flüchtlinge das gelobte Land - und das ist es im Vergleich zur alten Heimat, die sie aus Not verlassen haben, auch. Aber in Deutschland gibt es wie überall Menschen, die mit Flüchtlingen Geschäfte machen oder sie beeinflussen wollen, auch Straftaten kommen vor. Davon berichten die Hilfsorganisationen. Aktuelle Fälle:

Betrüger In der Unterkunft an der Borbecker Straße in Rath wunderten sich jetzt Mitarbeiter über Programmzeitschriften eines TV-Bezahlsenders in den Briefkästen. Bis zu zehn Bewohner waren mit dem Hinweis auf Sportsendungen aus aller Welt geködert worden. Manche der "Kunden" waren davon ausgegangen (oder es ist ihnen gesagt worden), dass man auch den dafür notwendigen Fernseher liefert - den gibt es nämlich in der Unterkunft nicht.

Fotos: Eine Nacht in der Düsseldorfer Flüchtlingsunterkunft FOTO: Bernd Schaller

Das Rote Kreuz betreut 1800 der aktuell 4400 Flüchtlinge in Düsseldorf. Laut Herbert Spies, Medienkoordinator für Flüchtlingsfragen, sind weitere fragwürdige Geschäftspraktiken Alltag: Den Flüchtlingen werden immer wieder Rechtsschutzversicherungen verkauft, zudem macht die Mobilfunkbranche gute Geschäfte. Diese Verkäufer wissen um den Wunsch der Flüchtlinge, Kontakt in die Heimat zu behalten. So werden unter anderem Prepaidkarten verteilt, deren Guthaben rasch aufgebraucht ist - die neuen Kunden müssen dann rasch zahlen. Ihnen wird auch erzählt, dass sie Internetanschlüsse und Kabelfernsehen in den Unterkünften haben können. Eine andere Masche, mit der die Menschen betrogen werden ist, sich als vermeintlicher Helfer anzudienen, der bei Behördengängen hilft. Den Flüchtlingen wird dafür dann Geld abverlangt. Hier sei es laut Diakonie auch schon zu einer Anzeige gekommen. Erst am Dienstag hatte die Polizei eine Razzia in einem Institut für Sprachtests durchgeführt. Hintergrund ist, dass sich gut Deutsch sprechende Menschen Ausländern anbieten, um für sie unter falschem Namen Sprachtests zu machen.

Salafisten Der Staatsschutz ermittelt gegen salafistische Gruppierungen, die versuchen, bei Flüchtlingen Fuß zu fassen, der Staatsschutz beobachtet vermehrte Aktionen der Extremisten. Konkret berichtet das DRK von Vorfällen an der Borbecker Straße und an der Rather Straße (Derendorf). Dort seien Männer solcher Gruppierungen aufgetaucht. Sie hätten Brot und Süßigkeiten dabeigehabt und laut Spies versucht, zu den Muslimen Kontakt aufzunehmen - sie wollten ihnen aus dem Koran vorlesen. Sie wurden abgewiesen, der Staatsschutz ermittelt. Laut Ermittlern des Verfassungsschutzes steht Düsseldorf besonders im Fokus der Salafisten, seit die Züge am Flughafen ankommen. Auch dort seien sie gesehen worden, um ihre "Glaubensbrüder" willkommen zu heißen.

Fotos: Große Hilfsbereitschaft am Dortmunder Hauptbahnhof FOTO: dpa, mjh

Missbrauch Die Hilfsorganisationen bitten um Verständnis, dass Ehrenamtler ein Führungszeugnis vorlegen müssen. Ein Fall an der Unterkunft Am Straußenkreuz (Eller) zeigt, warum. Dort soll sich ein Mann als Ehrenamtler ausgegeben und junge Männer mit dem Hinweis auf Geschenke (Bekleidung etc.) in seine Wohnung gelockt haben. Es soll zu sexuellen Handlungen gekommen sein, die Opfer offenbarten sich den Betreuern, erstatteten aus Scham aber keine Anzeige. Ein Minderjähriger wurde in ein städtisches Heim überführt. Der "Ehrenamtler" hält sich weiter in Nähe der Anlage auf. Die Flüchtlingsbeauftragte der Stadt, Miriam Koch, sagte der RP auf Nachfrage, dass ihr keine Erkenntnisse vorlägen.

Quelle: RP
 
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