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Düsseldorf
Doch Flüchtlingsunterkunft in Kaserne

Düsseldorf: Flüchtlinge ziehen in Bergische Kaserne
Die Grafik zeigt, wo auf dem Areal der Bergischen Kaserne Flüchtlinge untergebracht werden könnten. FOTO: Foto: Blossey, Reichwein/Grafik: Ferl, Krebs
Düsseldorf. Bis zu 1000 Asylbewerber möchte das Land auf dem Areal der Bergischen Kaserne in Ludenberg unterbringen. Die Zahl würde auf das städtische Kontingent der Pflichtzuweisungen angerechnet werden, das Land übernimmt die Kosten. Von Denisa Richters

Die Zahl der Flüchtlinge, die in NRW und auch in Düsseldorf ankommen, steigt erheblich: Im Land hat sie sich innerhalb einer Woche um ein Drittel erhöht, in der Landeshauptstadt wird sich der Trend entsprechend niederschlagen. Derzeit sind in Düsseldorf 3402 Asylsuchende untergebracht, bis Jahresende rechnet die Flüchtlingsbeauftragte der Stadt, Miriam Koch, mit etwa 6000.

Jetzt gibt es nach Monaten des Hin und Her auch für die Bergische Kaserne in Ludenberg konkrete Pläne. Es könnte laut dem Sprecher der Bezirksregierung Düsseldorf eine Zeltstadt mit bis zu 1000 Plätzen als Notunterkunft des Landes entstehen, von der Stadt betrieben. Zwar müsse das noch geprüft werden, die Tendenz sei aber positiv.

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Parallel dazu hat die Bezirksregierung ein Schreiben an Organisationen verschickt hat, die potenziell als Betreuer in Frage kommen. Darin wird kein konkreter Standort genannt, es ist nur von einer neuen "Flüchtlingsnotunterkunft in der weiteren Region Niederrhein" die Rede. Als voraussichtlicher Bezugstermin der Unterkunft ist in dem Schreiben Ende September/Oktober angegeben. Ob damit die Bergische Kaserne gemeint ist, bleibt offen.

Die Flächen, die dafür in Frage kommen könnten, sind laut Bezirksregierung ein Sportplatz und ein Parkplatz im Norden der Kaserne, auch ein angrenzender Acker werde in Betracht gezogen. Bisher war eine Nutzung von Bestandsgebäuden diskutiert, wegen zu hoher Umbaukosten jedoch wieder verworfen worden. Auslöser für die neuen Verhandlungen war ein Brief von Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) an Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU).

Für die Stadt hätte eine solche Notunterkunft des Landes zwei Vorteile: Zum einen würde die Zahl der dort untergebrachten Flüchtlinge auf das städtische Kontingent der Pflichtzuweisungen angerechnet werden, zum anderen würde das Land die kompletten Kosten der Unterbringung und Versorgung übernehmen. Im Raum steht auch die Möglichkeit, dass die Stadt das komplette Areal der Kaserne kauft und an das Land vermietet. Wie das finanziert werden könnte, blieb aber offen.

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"Es ist entschieden, dass dort Flüchtlinge untergebracht werden", sagt ein Sprecher der Bundeswehr auf Anfrage der RP. Die Vertragsmodalitäten seien noch nicht geklärt. So sei denkbar, dass das zu nutzende Areal abgetrennt wird und die Bundesanstalt für Immobilienangelegenheiten (Bima) den Nutzungsvertrag mit der Stadt schließt.

Das komplette Gelände könnte aber auch in der Verantwortung der Bundeswehr bleiben, die dann den Vertrag macht. Für die Frage, ob die Bundeswehr hilft - etwa mit Zelten oder Betten - spiele das keine Rolle, so der Sprecher. Vertreter der Bürgerinitiative, die sich gegen eine Nutzung der Kaserne zur Flüchtlingsunterbringung ausgesprochen hatte, zeigten sich überrascht über die Entwicklung, wollten sich aber noch nicht äußern. CDU-Chef Thomas Jarzombek sieht den Aufbau von Zelten weniger problematisch als die zuvor diskutierte Nutzung bestehender Gebäuden auf dem Areal.

Dies dürfe aber nur eine Übergangslösung sein, so Jarzombek mit Blick auf die künftige Planung eines Wohngebiets an Stelle der Kaserne. "Wichtig ist die Verhältnismäßigkeit, darüber muss die Stadt mit den Anwohnern sprechen." SPD-Chef Andreas Rimkus will die Pläne nicht bestätigen, hält das weitläufige Gelände prinzipiell für gut geeignet: "Viele freie Flächen, viele Gebäude, um Flüchtlinge willkommen zu heißen."

Quelle: RP
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