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Fund in Düsseldorf
Tierheim muss 59 Katzen aus Privatwohnung aufpäppeln

Düsseldorf: Frau hortet 59 Katzen in ihrer Wohnung - Tiere befreit
Frank Gassmann kümmert sich im Tierheim um die befreiten Katzen, die an Parasitenbefall leiden und sehr geschwächt sind. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Düsseldorf. Eine Frau aus Düsseldorf-Garath hat in ihrem Haus fast 60 Katzen gehortet und nicht richtig versorgt. Im Tierheim werden sie nun aufgepäppelt. Ob alle überleben, können die Mitarbeiter noch nicht sagen. Von Julia Brabeck

Frank Gassmann, Leiter des Düsseldorfer Tierheims, hat schon viel Elend gesehen. Am Freitag war er dennoch richtig schockiert: In einem kleinen Reihenhaus in Düsseldorf-Garath mit gerade mal 70 Quadratmetern Wohnfläche hat er 59 Katzen und einen Hund, die vom städtischen Veterinäramt beschlagnahmt worden waren, eingefangen und sie dann mit ins Tierheim genommen. "Der Gestank war fürchterlich und der Anblick entsetzlich. Die Tiere hatten keinen Auslauf, konnten nur auf eine gesicherte Terrasse, und alle befanden sich in einem jämmerlichen Zustand. Sie sind zum Teil sehr stark abgemagert und krank."

Einige Tiere waren so schwach, dass sie sofort Infusionen erhalten mussten. "Ob alle überleben werden, müssen wir abwarten", sagt Gassmann. Viele der Katzen haben kahle Fellstellen und Wunden, und einige besitzen keine Augen mehr. "Da wurden wahrscheinlich Verletzungen nach Kämpfen untereinander nicht behandelt." Problematisch ist, dass die Tiere an Giardien, kleinen Dünndarm-Parasiten, erkrankt sind. "Die machen normalerweise den Tieren nichts aus, aber diese Katzen waren eben bereits sehr geschwächt, und dann verursachen die Parasiten Durchfall, was zu einer weiteren Schwächung führt."

59 zu den 170 Katzen im Tierheim hinzu

Die Behandlung ist aufwändig und erfolgt über eine Medikamentengabe über mehrere Tage. Normalerweise müsste dabei jedes Tier isoliert gehalten werden, um die Ansteckungsgefahr zu unterbinden. "Das ist aber bei uns gar nicht möglich", sagt Gassmann. Auch die Pflege bereitet den Mitarbeitern und ehrenamtlichen Helfern zurzeit viel zusätzliche Arbeit. "Es sind ja nicht einfach nur 59 Katzen zu den 170, die schon bei uns waren, dazu gekommen. Diese sind krank und verunreinigen sich und das Umfeld, also auch Fressnäpfe und Kuschelhöhlen, ununterbrochen. Wir kommen aus dem Säubern gar nicht heraus."

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Gassmann hofft aber, dass die Krankheit in drei Wochen geheilt werden kann. Bis dahin werden die Katzen, die zunächst nur schnell von den Tierärzten des Tierheims medizinisch untersucht werden konnten, noch einmal gründlich durchgecheckt und sterilisiert. Das waren sie nämlich bisher auch nicht, weshalb sich die Tiere auch noch unkontrolliert weitervermehrt hatten. "Dadurch haben wir es auch mit einigen Inzuchtfällen zu tun - samt allen negativen Begleiterscheinungen", sagt der Tierheimleiter. Die Weitervermittlung der genesenen Katzen ist möglich, weil die Besitzerin auf ihre Ansprüche verzichte hat. "Das kommt selten vor", sagt Gassmann. Denn häufig sehen die Besitzer ihre eigene Überforderung gar nicht ein und dass es den Tieren in ihrer Obhut schlecht geht.

"Animal Hoarding"

Als Tierhortung oder "Animal Hoarding" wird dieses krankhafte Sammeln und Halten von Tieren bezeichnet. Sie leben auf engstem Raum, oft ohne genug Nahrung, Hygiene, Pflege und ärztliche Versorgung. "Das kommt zum Glück nicht sehr häufig vor, allerdings nimmt diese Tiersammelsucht immer mehr zu", sagt Gassmann.

Ein trauriger Rekord wurde dabei schon vor 20 Jahren in Düsseldorf aufgestellt, als 150 Katzen aus einem Haus befreit wurden. Gleich 113 Pudel wurden vor gut fünf Jahren beschlagnahmt.

Im aktuellen Fall war das zuständige Veterinäramt bereits im Frühjahr von Nachbarn auf den Missstand aufmerksam gemacht worden. Als dieses das Haus nach einer vorherigen Anmeldung aufsuchte, waren alle Tiere verschwunden. Am Freitag aber kamen die Mitarbeiter ohne Vorwarnung und konnten so dem Elend ein Ende bereiten.

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Quelle: RP
 
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