| 16.52 Uhr

Florence-Nightingale-Krankenhaus in Düsseldorf
Keime: "Aktionismus bringt nichts"

Düsseldorf: Gesundheitsamt zu Keimen im Krankenhaus
Klaus Göbels (44) ist Mediziner und Chef des Gesundheitsamts. FOTO: Bretz
Düsseldorf. Hat sich das Düsseldorfer Gesundheitsamt und sein Leiter Klaus Göbels beim Umgang mit dem VRE-Keimbefall am Florence-Nightingale-Krankenhaus richtig verhalten? Die Bezirksregierung als Rechtsaufsicht hat Berichte angefordert. An der Kinderintensivstation der Klinik war eine Häufung von Vancomycin-resistenten Enterokokken (VRE) festgestellt worden. Bei elf Frühgeborenen war der Darmkeim nachgewiesen worden, zwei davon hatten eine Infektion. Zwei sehr früh geborene Babys starben. Ein Gespräch mit Klaus Göbels, dem Chef des Gesundheitsamtes. 

Herr Göbels, wie ist die Situation in Kaiserswerth jetzt?

Göbels Es sind keine Neuinfektionen oder Besiedelungen bei den Kindern mehr aufgetreten. Die Überwachung durch Abstriche bei den Patienten bleibt sehr engmaschig. Das ist alles mit der Klinik abgesprochen, die zuständige Abteilungsleiterin im Amt und ich sind für die Überwachung zuständig. Wenn dort jetzt noch ein Fall aufträte, wäre das für uns alarmierend.

Betroffene Eltern erwägen Klagen und Dienstaufsichtsbeschwerden. Sie fragen, warum das Gesundheitsamt nicht auf der Station war.

So gefährlich sind Klinikkeime FOTO: dapd

Göbels Die Klinik hat sich früher bei uns gemeldet, als sie musste - schon bei der ersten Infektion. Die Ärzte im Florence-Nightingale-Krankenhaus sind absolut versiert und einwandfrei mit dem Fall umgegangen. Wir kennen diese Mediziner, arbeiten im MRE-Netzwerk mit ihnen zusammen. Es lag uns von Anbeginn eine lückenlose Ablaufdokumentation vor. Wir hatten keine Zweifel am Ausbruchsmanagement.

Aber wäre dies nicht besser gewesen, Sie sind schließlich die Aufsicht?

Göbels Aktionismus, der in der Sache nichts bringt, lehne ich ab. Hätten wir etwa nur eine Sekunde den Eindruck gehabt, dort läuft etwas nicht richtig, wären wir sofort da gewesen. Abends, nachts, am Wochenende. Das ist für uns normal. Aber ich habe selbst auf einer Intensivstation gearbeitet und weiß, welch ein Stress dort herrscht und was überflüssige Aktionen für die Mediziner bedeuten. Wir arbeiten lieber mit den Kliniken eng zusammen, verstehen uns als Partner.

Ist das ein Paradigmenwechsel?

Göbels Ja. Das Hygieneproblem ist doch komplex, diese Fälle gibt es immer wieder - wir verstärken da jetzt auch unser Team um zwei Spezialisten. Was habe ich davon, wenn einmal durchgewischt wird, weil das Amt kommt, aber ich verändere die Prozesse nicht? Mir ist es lieber - und das passiert -, dass eine Klinik anruft und sagt, sie benötige den Blick von außen. Das kommt vor, wir ziehen dann für drei Tage ein und versuchen herauszubekommen, wo die Problemursache liegt. Keimquelle war einmal eine Stifte-Box.

Es wird auch kritisiert, dass die anderen Eltern auf der Intensivstation nicht informiert wurden.

Göbels Das ist eine zwiespältige Entscheidung. Sie hat aber damit zu tun, dass man ohnehin sehr belastete Eltern, die sich um ihr Kind kümmern, nicht zusätzlich belasten will.

Wie oft kommen so schwerwiegende Fälle wie in Kaiserswerth vor?

Göbels Eine Handvoll Fälle im Jahr kann es sein. Das liegt an Antibiotikagaben, durch die Keime resistent werden und andere gefährden können, einen größeren Anteil am Gesamtproblem haben aber die Medikamente in der Tiermast. Entscheidend ist, dass im Krankenhaus die Händehygiene gut funktioniert.

DAS GESPRÄCH FÜHRTE UWE-JENS RUHNAU.

Quelle: RP
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