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Getöteter Obdachloser in Düsseldorf beigesetzt
"Betroffenheit ist nicht genug"

Düsseldorf: Getöteter Obdachloser beigesetzt - "Betroffenheit ist nicht genug"
Heerdter Bürger waren dem Aufruf von Claudia Metzger und den Schützen gefolgt, um Josif D. das letzte Geleit zu geben. FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Fiftyfifty-Verkäufer Josif D., der bei einem Unfall in einem Parkhaus in Düsseldorf ums Leben kam, ist am Mittwoch beigesetzt worden. Bürger hatten das Begräbnis mit ihren Spenden möglich gemacht. Von Stefani Geilhausen

Josif D. ist am Mittwoch auf dem Friedhof in Heerdt beerdigt worden. In Sichtweite des Supermarkts, vor dem der 70 Jahre alt gewordene Rumäne sechs Jahre lang die Obdachlosenzeitung verkauft hat, und in dessen Parkhaus er von einem ins Rollen geratenen Auto tödlich verletzt worden ist, fand er seine letzte Ruhe. Heerdter Bürger, der Schützenverein und Weggefährten von Fiftyfifty gaben ihm das Geleit.

"Großartig" nannte Pfarrer Michael Dederichs das Engagement der Heerdterin Claudia Metzger, die mit Schützenchef Andreas Bahners eine Spendenaktion für ein würdiges Begräbnis gestartet hatte. Denn Josif D., der nach dem Tod seiner Frau vor sechs Jahren sein geordnetes Leben in Rumänien aufgab, um in einem neuen Land mit der Trauer fertig zu werden, hätte hier nur ein schlichtes Armenbegräbnis bekommen. Er lebte vom Verkauf der Obdachlosenzeitung, sehnte sich nach der Geborgenheit eines neuen Zuhauses. "Er hat es nicht geschafft", sagte Dederichs, "vielleicht auch, weil bei uns vieles überreguliert ist".

Starker Appell an die Trauergemeinde

Für seine Predigt wählte Dederichs eine Passage aus der Weihnachtsgeschichte im Lukas-Evangelium. Mit "in der Herberge war kein Platz mehr für sie" schlug er den Bogen zum Schicksal Josif D.s und seiner Schicksalsgefährten: "Betroffenheit ist nicht genug. Wenn jeder einen kleinen Beitrag leisten würde, dann könnte es denen, die am Rand unserer Gesellschaft leben, besser gehen." Dann müsste der tragische Tod des obdachlosen Rumänen nicht ganz umsonst gewesen sein, appellierte Dederichs an die Trauergemeinde - und an alle, die oft nicht einmal einen Gruß oder ein freundliches Lächeln für die Obdachlosen haben. "Auch sie gehören zu uns", sagte Dederichs.

Für Begräbnis und Grabstätte waren mit Unterstützung der Metro-Gruppe und der Mitarbeiter des Realmarkts rund 7000 Euro zusammengekommen. Mit einem Teil des Geldes unterstützen die Organisatoren Josif D.s besten Freund, der wie er vom Verkauf der Obdachlosenzeitung lebt und mit dem Josif D. nicht selten seine Einnahmen teilte. "Damit ich überlebe", hatte er erzählt, und auch das empört Pfarrer Dederichs: "Menschen, die ums Überleben kämpfen, hier bei uns, in einem der reichsten Länder. Das kann nicht richtig sein."

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Die Obdachlosenhilfe Fiftyfifty hat am Mittwoch einen weiteren Mitstreiter zu Grabe getragen: Martin Paul, einer der ersten Verkäufer des Straßenmagazins und stadtbekannter Alt-Punk, der vor dem Carschhaus seinen Stammplatz hatte und nicht selten Passanten in politische Diskussion verwickelte. Vor 20 Jahren hatte er den "Verein für individuelle Lebensgemeinschaft" gegründet, ein Wohnprojekt für Punker initiiert und zuletzt engagierte er sich als Stadtführer im Fiftyfifty-Projekt Straßenleben. Er war kürzlich im Alter von 55 Jahren gestorben.

Quelle: RP
 
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