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Düsseldorf
Gezerre um drei Dezernenten

Düsseldorf: Gezerre um drei Dezernenten
Die Sozialdemokratin Dorothee Schneider soll nach Wunsch von Oberbürgermeister Thomas Geisel Kämmerin werden. FOTO: Stadt
Düsseldorf. Die CDU kritisiert Dorothee Schneider als Kandidatin für das Amt der Kämmerin heftig und will gegen sie stimmen. Die FDP will Baudezernent Gregor Bonin unbedingt halten - und droht bei der Personalie Andreas Meyer-Falcke mit Koalitions-Krise. Von Christian Herrendorf

Die Personalpolitik des Oberbürgermeisters sorgt für heftige Diskussionen im Rathaus. Die mögliche Nachfolgerin für Kämmerer Manfred Abrahams hat sich bei den Fraktionen des Stadtrats vorgestellt - und ist nicht überall auf Gegenliebe gestoßen. Baudezernent Gregor Bonin zieht nach einigen empfindlichen Stichen der neuen Regierung offenbar eine Tätigkeit zu schlechteren Konditionen als in Düsseldorf vor. Und die daraus resultierende Neuorganisation der Verwaltungsspitze löst bei einigen Sorgen über Dezernatszuschnitte und Einflussmöglichkeiten aus. Die strittigen Personalien im Überblick:

Dorothee Schneider Die CDU-Fraktion lehnt die Kandidatin ab. "Die Schuhe sind ihr definitiv zu groß. Es macht einen Unterschied, ob jemand eine Kämmerei bloß leitet, oder selbst Kämmerer ist", sagt der Fraktionsvorsitzende Rüdiger Gutt, der Geisel vorwirft, ausschließlich nach Parteibuch zu entscheiden. Schneider arbeitet seit drei Jahren als Amtsleiterin unter der Kölner Kämmerin Gabriele Klug. Abrahams war knapp sieben Jahre Kämmerer in Krefeld, bevor er nach Düsseldorf wechselte. "Wir als CDU werden sie im Rat nicht mitwählen", sagt Gutt. Andere Christdemokraten berichten, Schneider habe sich zu ihren Zielen und ihrer Haltung in puncto Schuldenfreiheit nicht oder unzureichend positioniert. Gutt: "In der schwierigen Haushaltssituation braucht Düsseldorf jetzt eine Person in Finanzverantwortung, deren fachliches Können über jeden Zweifel erhaben ist. Diese Person sollte das Ziel haben, die wirtschaftliche Schuldenfreiheit zu bewahren. Den Eindruck macht Frau Schneider nicht."

Andreas Meyer-Falcke ist von der FDP ins Amt gebracht worden. FOTO: ABR, BS

SPD und Grüne sprechen dagegen beide von einem "sehr guten Eindruck", den Schneider gemacht habe. SPD-Fraktionschef Raub lobt die interessante Vita und den anderen Blick auf die Dinge, den die 54-Jährige mitbringe. Grünen-Fraktionssprecher Norbert Czerwinski betont, dass im Gespräch mit seiner Fraktion Schneiders Erfahrungen mit einem Bürgerhaushalt eine wichtige Rolle gespielt habe: "Es ist gut, wenn eine Kämmerin die Chancen und Schwierigkeiten eines solchen Bürgerhaushalts schon kennt." Die kurze Amtszeit sieht Czerwinski nicht als Problem an. "In der Kämmerei einer so großen Stadt hält man sich auch nicht drei Jahre, wenn man nicht die passenden Kompetenzen hat."

Die FDP ist noch zurückhaltend in ihrer Beurteilung und will erst in zwei Wochen über ihr Abstimmungsverhalten entscheiden. Das Gespräch sei konstruktiv gewesen, aus Köln sei viel Lob zu hören, aber auch, dass Schneider eine 100-prozentige Sozialdemokratin sei. Gerade in Fragen der Schuldenfreiheit erwarten die Liberalen allerdings Kompromissbereitschaft.

Gregor Bonin ist als Dezernent der CDU in der Verwaltungsspitze. FOTO: A. Endermann

In der Fraktion der Linken wird sich Schneider erst in der kommenden Woche vorstellen. Grundsätzlich zeigt sich Fraktionschefin Angelika Kraft-Dlangamandla aber erfreut, dass eine Frau für das Amt kandidiert.

Gregor Bonin Wie gerne Marie-Agnes Strack-Zimmermann den Baudezernenten von einem Wechsel nach Mönchengladbach abhalten möchte, verdeutlicht sie in einem Satz: "Notfalls werfe ich mich vor die S-Bahn nach Mönchengladbach, um das zu verhindern." Die Liberale nennt Bonin "ein großes Glück" für die Stadt und bittet ihn, Düsseldorf nicht den Rücken zu kehren. Dies impliziert, dass Bonin Bedingungen vorfindet, die es ihm ermöglichen zu bleiben. Zuletzt hatte Oberbürgermeister Geisel ihm wegen wichtiger Themen (Kö-Bogen II, Ansiedlungen) eine Abteilung entzogen.

Von den übrigen Partnern der Ampel-Kooperation und der Linken ist Zurückhaltung zu spüren. "Wenn jemand der Auffassung ist, dass er woanders besser Möglichkeiten hat und sich dort gerade eine Gelegenheit ergibt, habe ich dafür volles Verständnis, dann sollten wir ihm keine Steine in den Weg legen", sagt SPD-Fraktionschef Raub.

Andreas Meyer-Falcke Die Ressorts des Personal- und Gesundheitsdezernenten tauchen als Spielmasse in der Diskussion um die neue Verwaltungsspitze auf. Sozialdezernent Burkhard Hintzsche wird aller Voraussicht nach neuer Stadtdirektor - mit welchen Zuständigkeiten, ist noch offen. Die FDP-Chefin formuliert klare Bedingungen für den liberalen Dezernenten: "Wenn jemand an die Zuständigkeiten von Herrn Meyer-Falcke geht, würden wir das als sehr unfreundlichen Akt verstehen, das würde eine Krise in unserer Kooperation auslösen."

Quelle: RP
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