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Die Woche in Düsseldorf
Düsseldorf hat Lust aufs Singen und die Musik

Die Woche in Düsseldorf: Düsseldorf hat Lust aufs Singen und die Musik
Im Mai trafen sich die Grundschüler bereits zum elften Mal zur Singpause in der Tonhalle. FOTO: Andreas Endermann
Meinung | Düsseldorf. Schlechte Zeiten für Kulturpessimisten: Das Singen ist wieder in Mode, bei der Musikschule stehen bis zu 3000 Namen auf der Warteliste. An einigen Düsseldorfer Schulen hat man dies erkannt und in besondere Projekte umgesetzt.

Musik macht das Leben nicht nur schöner, sie bildet auch. Wer ein Instrument erlernt, braucht Konzentration, Disziplin und Ausdauer. Auch Talent ist hilfreich, damit der richtige vom krummen Ton unterschieden werden kann. Aber vor allem gilt: Musizieren macht Spaß und hat einen positiven Effekt. An einigen Düsseldorfer Schulen hat man dies erkannt und in besondere Projekte umgesetzt. So gibt es an der Joseph-Beuys-Gesamtschule seit Jahren eine Bläserklasse. Schüler, die dort aktiv sind, schaffen eher das Abitur als andere - der Anteil solcher Schüler unter den erfolgreichen Absolventen ist im Vergleich sogar meist doppelt so hoch wie in anderen Klassen. Ein konstanter Beweis, der nicht nur Lehrer staunen lässt.

Ganz so hoch müssen Pädagogen ihre Ziele nicht gleich stecken. Die Singpause ist ein herausragendes Düsseldorfer Beispiel für gelungene Förderung. Das Projekt des Städtischen Musikvereins wird vom Kultur- wie dem Schulverwaltungsamt und zahlreichen Förderern unterstützt, darunter die Bürgerstiftung. Die erste Singpause gab es 2006, sie ist mittlerweile arrivierter Teil im Stundenplan. Schüler von der ersten bis zur vierten Klasse machen mit, im laufenden Schuljahr sind es mehr als 15.000 Schüler an 64 Grundschulen. Weitere wollen gerne teilnehmen.

Die Lust aufs Singen schlägt sich auch im Alltag nieder. Als jetzt der zentrale Martinszug seinen Weg durch die Altstadt nahm, war bei diesem und beim anschließenden Gripschen festzustellen, dass sehr viele Kinder die traditionellen Lieder zum Fest mitsangen. Die Singpause dürfte ihren Anteil daran haben. Das straft Kulturpessimisten Lügen, die meinen, alles werde immer schlechter. An dieser Aussage ändert auch das Phänomen Halloween nichts - den Spaß wollen junge Menschen auf jeden Fall mitnehmen. Na und?

Auf die freundliche Unterstützung der Singpause ist der Kinder- und Jugendchor von St. Remigius in Wittlaer nicht angewiesen. Der Chor macht nicht nur im Düsseldorfer Norden Furore und hat eine Ausnahmestellung. Rund 140 Mädchen und Jungen machen dort mit, es gab bereits mehrfach die Zusammenarbeit mit der Oper, und Sönke Wortmann hat den Chor bereits in einem Kinofilm eingesetzt.

Das Schöne an all diesen Beispielen ist die Erkenntnis, dass es sich lohnt, die Arbeit solcher Initiativen und auch Institutionen zu unterstützen. Wer so jung an Kultur herangeführt wird, bleibt ihr treu oder kehrt zu ihr zurück. Aus diesem Grund hat die städtische Clara-Schumann-Musikschule die Funktion eines Rückgrats der kulturellen Erziehungsarbeit, und es ist nicht nachvollziehbar, dass dort so viele Stellen unbesetzt sind. Die Nachricht von Wartelisten mit bis zu 3000 Namen sind Ausdruck von Anerkennung und Mangel zugleich.

Von den 110 Musiklehrerstellen sind zurzeit nur 99,5 besetzt. Jetzt soll die Enttäuschung abgebaut werden, indem ein Online-Verfahren eingeführt wird, das dem des Kita-Navigators ähneln soll. Eine schöne Idee, aber noch besser wäre es wohl, wenn man die Stellen besetzte. Angesichts des Spardrucks bei der Stadt muss aber wie bei Oper und Schauspielhaus gefragt werden, ob dabei eine Preiserhöhung helfen kann und ob diese den Untergang des Abendlandes bedeutet. Jeder frage sich selbst, für was er alles Geld ausgibt und wo er Prioritäten setzt.

Lust aufs Singen und die Musik haben übrigens nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene. Der Düsseldorfer Produzent Dieter Falk hat dieses Jahr mit tausenden Sängern sein Luther-Oratorium auf die Bühnen gebracht. Für junge wie ältere Menschen ist eine öffentliche Generalprobe der Düsseldorfer Symphoniker gedacht: Am 1. Dezember um 10 Uhr können Schüler ab Klasse 5 gratis und Erwachsene für acht Euro den Musikern lauschen. Der Erlös geht an die Bürgerstiftung, die damit wieder Gutes tun kann. Hört sich gut an, ist auch so.

Quelle: RP
 
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