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Düsseldorf hatte schon ein Badeschiff

Düsseldorf: Düsseldorf hatte schon ein Badeschiff
Der Schwimmanzug muss sein: Die Badeanstalt in Oberkassel im Jahre 1909, Balken grenzen den Schwimmbereich ein. Im Hintergrund auf der anderen Rheinseite ist der heute bebaute Bereich des alten Hafens zu sehen, links daneben ist der alte Rathausturm aus wilhelminischer Zeit zu entdecken. FOTO: Archiv Thomas Bernhardt
Düsseldorf. Der Stadtrat diskutiert bald darüber, ob es am Rhein wieder ein Badeschiff geben soll. Das Schwimmen im Strom hat in Düsseldorf Tradition, war früher aber weniger gefährlich als heute. Von Thomas Bernhardt

Rhein-Badeanstalten haben in Düsseldorf Historie, und diese reicht gut 230 Jahre zurück. Die erste wird bereits 1784 erwähnt, war aber offenbar recht primitiv ausgeführt: Diese Badeanstalt bestand aus schwimmenden abgeschlossenen Badezellen, in denen man nicht schwimmen, sondern nur eintauchen und herumplanschen konnte.

Der Rhein war damals noch nicht die Turbo-Wasserstraße, wie man sie heute kennt. Nicht ausgebaggert und teils begradigt, das Wasser floss gemächlicher. Dennoch hatte der Strom seine bekannten Gefahren und erschien zudem den Herrschenden aus moralischen Gründen fragwürdig. So war das öffentliche Schwimmen in Flüssen, Teichen oder Bächen unter Geldstrafe von Kurfürst Karl Theodor 1796 verboten worden, weil es "aller Ehrbarkeit und Zucht zuwider" war.

1826 wurde speziell "das gefahrenträchtige Schwimmen im Rhein" verboten. Nur noch im Düsselteich an der Krautmühle, etwa zwischen heutiger Konkordiastraße und Kronprinzenstraße, war das Baden erlaubt. Eine Badeordnung für dieses Düssel-Bad erließ man im Jahr 1816 und stellte einen "invaliden Unteroffizier" ein, der "als ein im Schwimmen, Tauchen und Heraufholen untergesunkener Personen vollkommen erfahrener Mann" war.

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Eine Zäsur bedeutete dann das Jahr 1835: Es eröffnete eine städtische Badeanstalt im Sicherheitshafen vor der Kunstakademie (heute Rampe des Rheinufertunnels) für Militär- und auch für Privatpersonen. Im Rahmen des Militärdienstes sollten schwimmsportliche Fähigkeiten neben dem Fechten oder Klettern gefördert werden.

Nur acht Jahre später eröffnete ein Freibad schräg gegenüber am linken Rheinufer, direkt neben der Schiffsbrücke, die in Höhe der Zollstraße lag. Carl Schwarz errichtete dort 1856 ein Badefloß. Etwa in der Nähe des heutigen Ulanen-Denkmals entstand 1846 eine weitere städtische Badeanstalt, mit einem Bretterzaun umgeben. Private Badeanstalten, mit auf Flößen befestigten Zellen wurden im damaligen "Neustadt-Bereich" am Rhein befestigt. Es gibt Rheinansichten aus den 1850ern, die zeigen, wie solche schwimmenden Rhein-Badezellen ausgesehen haben.

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In Höhe des Fürstenwalls im südlichen Teil der Stadt wurde ein weiteres Rhein-Freibad gebaut, was jedoch viel öffentliches Ärgernis auf sich zog, da die Patienten der nahegelegenen Departement-Irrenanstalt sich zu sehr darüber "aufregten". Daraufhin baute die Stadt Anfang der 1880er etwas nördlicher eine schwimmende und "blicksichere" Badeanstalt.

Zwei private Rhein-Schwimm-Badeanstalten (Jacob Ambach), getrennt für Damen und Herren, machten der Stadt dann starke Konkurrenz. 1901 kaufte die Stadt beide Badeanstalten und baute das Freibad an der Golzheimer Insel in eine große schwimmende "Rheinbadeanstalt" um, die als "eine der schönsten auf dem ganzen Rheinstrome" galt.

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Nach der Eingemeindung Oberkassels war das "Strandbad Oberkassel" nun auch ein Düsseldorfer Badeplatz. Die Schiffsbrücke gab es ja nach dem Bau der Oberkasseler Brücke 1898 nicht mehr, und so konnte sich der beliebte Lido schön über die ganzen heutigen Rheinwiesen ausbreiten.

Nach den Eingemeindungen standen beispielsweise in Kaiserswerth und Benrath weitere Rhein-Badeplätze zur Verfügung. Und nicht nur die Badefreuden am und im Rhein boomten in Düsseldorf, sondern auch die Zahlen von privaten und städtischen Badeanstalten sowie Brausebädern innerhalb des Stadtgebietes stiegen. Dem ersten Hallenbad an der Grünstraße (1888) folgten - immer für Damen und Herren getrennt - Schwimmbäder an der Münsterstraße und an der Kettwiger Straße, das 1930 eröffnete und einen Ausnahmeruf hatte. Es galt als das "besteingerichtete Bad in Westdeutschland". Hier wurden nicht nur deutsche Rekorde, sondern sogar zwei Weltrekorde geschwommen.

Mit der zunehmenden Verschmutzung des Rheins, mit wirtschaftlichen Krisen und schließlich dem Zweiten Weltkrieg waren die Zeiten von Rhein-Schwimmbädern und schwimmenden Badeanstalten vorüber.

Thomas Bernhardt ist Mitbegründer der Geschichtswerkstatt und Düsseldorfer Heimathistoriker

Quelle: RP
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