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Prozesse gegen ehemaligen Kunstberater
Für Achenbach geht es vor Gericht weiter um Millionen

Düsseldorf: Helge Achenbach und die Millionen
Helge Achenbach im Flur des Landgerichts. FOTO: dpa, mg sab
Düsseldorf. Vier Prozesse führte das Landgericht am Dienstag um die Angelegenheiten des einstigen Kunstberaters. Die Entscheidungen sollen im Sommer fallen und könnten für Helge Achenbach teuer werden. Von Stefani Geilhausen

Als die 6. Zivilkammer am Dienstag über die Echtheit eines Kunstwerks diskutierte, das im Garten der Familie Albrecht steht, öffnete sich plötzlich die Tür und Helge Achenbach kam herein. "Die Vorzüge des Freigangs", begrüßte Richter Joachim Matz launig den wegen Betrugs verurteilten Kunstberater, der eben jenes Kunstwerk einst an den verstorbenen Aldi-Erben vermittelt hatte. Achenbachs Anwalt war weniger begeistert vom unerwarteten Besuch und bugsierte seinen Mandanten auf den Flur, bevor der "mal kurz Cristina Guten Tag sagen" konnte.

Cristina Iglesias, Künstlerin und Verwalterin des Nachlasses ihres Lebensgefährten Juan Muñoz, hatte als Zeugin nicht gerade zur Entlastung des Mandanten beigetragen. Von Muñoz' "Conversation Piece" existierten ein Original (bei der Santander Bank) und eines, das die Schweizer Galerie St. Gilles an den Finanzdienstleister MLP verkauft hatte. Weitere Nachgüsse seien bei Muñoz nicht üblich, sagte auch der Nachlass-Anwalt im Zeugenstand. Dort soll nun demnächst der Gießer aussagen, der die Skulpturen produziert hat. Wenn Achenbachs Anwälte nicht beweisen können, dass Muñoz selbst zu Lebzeiten noch mündlich einen zweiten Abguss erlaubt hat, wird nicht nur Achenbach in Regress genommen: Die Albrecht-Familie hat auch seine geschiedene Frau verklagt, der die Skulptur gehört hatte, bevor sie an Albrecht verkauft worden war.

Hintergrund: Das ist Helge Achenbach FOTO: Endermann, Andreas

Vier Prozess um Millionen

Für Achenbach ging es am Dienstag um weit mehr als um die eine Million, die sein damaliger Duzfreund Albrecht für die Figurengruppe bezahlt hatte. Dessen Erben fordern in einem weiteren Prozess rund fünf Millionen Euro, die Achenbach als verdeckte Provisionen von einem Kunst- und einem Oldtimerhändler kassiert haben soll – ohne, dass deren Kunde Albrecht davon wusste. Die beiden Händler sollen im Juni nun als Zeugen gehört werden.

Im dritten Fall Achenbach, über den die 6. Kammer am Dienstag verhandelte, geht es um rund 19 Millionen Euro, die Achenbach von Albrecht zu Unrecht kassiert haben soll. Weil er Rechnungen gefälscht, auch mal die Währung von Dollar in Euro geändert hatte, war er 2015 wegen Betrugs zu sechs Jahren Haft verurteilt worden, die er zurzeit als Freigänger verbüßt. Ein erstes Urteil über den Schadenersatz hatte das Oberlandesgericht gekippt. In der zweiten Auflage des Prozesses erklärte das Gericht, es gehe von kleineren Änderungen aus, so ist inzwischen nicht mehr von 19, sondern von rund 18 Millionen Euro die Rede, die Achenbach zahlen müsste.

War Berthold Albrecht geschäftsfähig?

Dessen Anwalt Urs Breitsprecher kündigte am Dienstag an, in diesem Prozess über die Geschäftsfähigkeit von Berthold Albrecht reden zu wollen. Die war in einem Verfahren, dass seine Erben gegen die übrige Aldi-Familie führen, in Frage gestellt worden. Sollte Albrecht tatsächlich krankheitsbedingt nicht geschäftsfähig gewesen sein, dann wären auch seine Kunst- und Autokäufe über Achenbach nichtig. Albrecht-Anwalt Andreas Urban hält das allerdings für unwahrscheinlich, die Geschäftsfähigkeit des Verstorbenen sei lediglich für einen Zeitpunkt in Frage gestellt, zu dem er mit Achenbach noch keine Geschäfte gemacht habe. Ein neues Urteil wird Ende Juni fallen.

So lief der Fall Helge Achenbach

Achenbach war übrigens nicht nur wegen Cristina Iglesias im Landgericht. Im Streit zwischen dem Insolvenzverwalter seiner Firmen und der Schweizer Galerie St. Gilles beschimpfte er als Zeuge erst den Insolvenzverwalter und dessen Anwalt, sagte dann aus, dass die Immendorff-Affen, die aus seinem Lager versteigert worden waren, Eigentum der Galerie waren, die nun den Versteigerungserlös von rund 1,1 Millionen Euro beansprucht.

Pikanterweise sagte zur gleichen Zeit Cristina Iglesias im Saal gegenüber aus, wem ihrer Ansicht nach die Galerie St. Gilles in Zürich gehört – nämlich Helge Achenbach.

 
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