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Interview mit dem Leiter des Daimler Sprinter-Werkes
„Düsseldorf ist eine Autostadt“

Interview mit dem Leiter des Daimler Sprinter-Werkes: „Düsseldorf ist eine Autostadt“
Martin Kelterer ist der neue Chef von Daimler in Düsseldorf. FOTO: Bretz, Andreas
Düsseldorf . Das Sprinter-Werk von Daimler in Derendorf ist der größte Arbeitgeber der Stadt. Jetzt hat es einen neuen Werksleiter. Martin Kelterer spricht erstmals über die Autostadt Düsseldorf, den Elektrosprinter und die Frage, wie lange in Düsseldorf noch unter Vollast produziert wird.

Herr Kelterer, Wolfsburg ist eine Autostadt, Stuttgart sowieso und Bochum mit dem Opel-Werk auch. Ist Düsseldorf eine Autostadt?

Kelterer Daimler ist mit 6600 Arbeitern der größte Arbeitgeber der Stadt, aber wir sind bei den Düsseldorfern weniger bekannt. Als ich das erste Mal nach Düsseldorf kam, setzte ich mich ins Taxi und sagte, man solle mich zu Mercedes-Benz bringen. Der Taxifahrer brachte mich zuerst in die Mercedes-Benz Niederlassung ... Für mich ist Düsseldorf mit seinem großen Mercedes-Benz Werk eine Autostadt, aber dass ist leider nicht im Bewusstsein der Düsseldorfer verankert. Das möchte ich gerne ändern.

Wie wollen Sie das schaffen?

Kelterer Wir müssen die Düsseldorfer ins Werk holen, zeigen, was wir hier täglich leisten und damit eine Identifikation mit dem Sprinter schaffen. Mein Vorgänger Michael Colberg hat hier schon den richtigen Weg eingeschlagen. Mehr als zwei Dutzend Sprinter fahren zum Beispiel als Bagagewagen im Rosenmontagszug mit. Ein gutes Zeichen, so etwas werden wir ausbauen. Auch unser Familientag im Sommer war ein voller Erfolg. Unsere Mitarbeiter konnten ihren Angehörigen einen Blick hinter die Kulissen unseres Werks ermöglichen. Am 25. Oktober nehmen wir auch an der Langen Nacht der Industrie teil und zeigen Bürgern, wie hier der Sprinter entsteht. Oder die Jubiläumsfeiern zum 50. Geburtstag des Mercedes-Werks Düsseldorf im April - das zeigt deutlich: Der Sprinter ist ein waschechter Düsseldorfer.

Ihr Vorgänger Michael Colberg hat sich, um Daimler in der Landeshauptstadt zu integrieren, stark in verschiedenen Verbänden Düsseldorfs engagiert. Werden Sie in seine Fußstapfen treten?

Kelterer Auf jeden Fall. Das ist mir persönlich sehr wichtig. Ich möchte mich zum Beispiel für die Initiative "Zukunft durch Industrie" und den Industriekreis engagieren. Erste Gespräche dazu fanden bereits statt.

Welche Rolle spielt der Düsseldorfer Standort für Mercedes-Benz?

Kelterer Wir produzieren hier alle geschlossenen Sprinter-Modelle für alle europäischen Märkte in Europa und Nordamerika. Düsseldorf ist ein strategisch bedeutendes Werk und obendrein ein hochmodernes.

Ihr Chef, der Daimler-Vorstandsvorsitzende Dieter Zetsche hat gerade angekündigt, im Sprinter-Werk Buenos Aires in Argentinien 170 Millionen Dollar zu investieren und 850 neue Arbeitsplätze zu schaffen. Ist das eine Konkurrenz für Düsseldorf, insbesondere für die Sprinter auf dem US-Markt?

Kelterer Das Werk in Düsseldorf ist ein wichtiger Produktionsstandort im weltweiten Produktionsnetz von Daimler. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern.

Gibt es Überlegungen, auch andere Fahrzeuge hier in Düsseldorf zu bauen?

Kelterer Aktuell ist das nicht angedacht. Wenn in vier oder fünf Jahren der Nachfolger des jetzigen Sprinter auf den Markt kommt, werden die Karten neu gemischt.

Auf Ihrem Werksgelände liegt auch die Fabrik von ThyssenKrupp Presta Steertec. Dort wurden früher Lenkungen für Daimler gebaut. Sie haben den Auftrag an einen anderen Anbieter vergeben. Steertec wird geschlossen. Was wird aus dem Gelände?

Kelterer Das Areal, auf dem ThyssenKrupp Steertec heute ansässig ist, liegt mitten auf unserem Werksgelände und ist damit Eigentum des Konzerns. Wir werden das Gelände als Planungsfläche erhalten. Das bietet uns Spielraum für mögliche Erweiterungen.

Was sind die Nachteile des Standorts Düsseldorf aus Ihrer Sicht?

Kelterer Das Mercedes-Benz-Werk liegt unmittelbar angrenzend an Wohngebiete. Das ist für einen Produktionsstandort sicherlich nicht ideal. Und auch der Raum für Expansion ist äußerst gering. Vorteile des Standorts sind zum einen der direkte Bahnanschluss - und der geplante neue Reisholzer Industrie-Hafen.

Sie waren bisher Werkleiter bei Daimler in Ludwigsfelde, dem zweiten deutschen Sprinterwerk. Dort werden jetzt mehrtägige Produktions-Stopps eingelegt, weil die Nachfrage nach Lkw schwächelt. Wann wird das in Düsseldorf der Fall sein?

Kelterer Das Nutzfahrzeuggeschäft ist ein stark zyklisches Geschäft. Mit zahlreichen Flexibilitäts-Instrumenten können wir diese Schwankungen aber gut auffangen. Die Reduzierung der Arbeitstage ist für uns ein ganz normales und bewährtes Mittel um unsere Produktion flexibel zu steuern. Die Zahl der Arbeitstage in Ludwigsfelde zu reduzieren ist also nicht etwa Kurzarbeit, sondern ein probater Weg, um wirtschaftlich zu arbeiten und unsere Produktion und Jobs abzusichern. Für Düsseldorf haben wir keine Betriebsruhe-Tage geplant.

Was heißt das konkret? Wie viele Autos laufen in Düsseldorf zurzeit vom Band und wie sieht die Auslastung in der nahen Zukunft aus?

Kelterer Aktuell bauen wir in Düsseldorf 725 Sprinter pro Tag. Das ist absolute Spitze - aber auch wir spüren die Unsicherheit der Märkte, vor allem in Südeuropa. Bis zum Jahresende 2012 werden wir in Düsseldorf weiter unter Volllast produzieren. Aber wir werden die Entwicklung der Märkte aufmerksam beobachten und bei Bedarf entsprechend reagieren.

Die Fachwelt spricht im Autobau heute mehr denn je von der Elektro-Mobilität. Wann kommt der E-Sprinter?

Kelterer Wir haben einen Sprinter E-Cell-Prototypen zurzeit hier in Düsseldorf. Die Reichweite liegt bei rund 130 Kilometern. Kaufen können Sie den bisher leider noch nicht. Auf der IAA haben wir den Prototypen erstmals unseren Kunden vorgestellt. Die Kundenresonanz wird entscheiden, wann der Sprinter E-Cell reif für die Serie ist.

Thorsten Breitkopf führte das Gespräch

 
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