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Selbstkühlende Getränkedose
Düsseldorf ist Patente-Hochburg

Selbstkühlende Getränkedose: Düsseldorf ist Patente-Hochburg
Hakan Cinar forscht an einer umweltfreundlichen Lackbeschichtung und hat mit seinem Partner Patente angemeldet. Sie haben mittlerweile eine Firma. FOTO: Bretz, Andreas
Düsseldorf. Die Region Düsseldorf ist Spitzenreiter bei Patentanmeldungen von Industrie- und Mittelstandsunternehmen. Allein Henkel hält mehr als 8000 Patente. Nun hat eine Firma die selbstkühlende Getränkedose entwickelt. Das Unternehmen hofft auf einen hohen weltweiten Umsatz. Von Uwe Reimann

Industrieforschung hat in der Region Düsseldorf eine lange Tradition. Henkel, Mannesmann, Demag Cranes: Die Liste der innovativen Firmen, die mit Patenten, Erfindungen und Entwicklungen ihre wirtschaftliche Größe begründen, ist lang. Der hiesige Wirtschaftsraum gehört zu den forschungsintensivsten Standorten in Deutschland: Im Hinblick auf Patentanmeldungen ist Düsseldorf nach Angaben der städtischen Wirtschaftsförderung der deutsche Spitzenreiter.

Henkel allein hält schon 8000 Patente und die Firma Cognis meldete 2009 allein 55 Erfindungen zum Patent an. Doch auch kleine Erfindungen mit anschließender Patentanmeldung lassen aufhorchen. Das junge Unternehmen Do-Tech hat eine selbstkühlende Getränkedose erfunden und darauf auch das Patent angemeldet. Die beiden Geschäftsführer Volker Schatten und Sven Schipper kündigen an, dass die Dose ab 2013 produziert wird.

Der Markt ist da und das Marketing dafür müssen sie nicht einmal übernehmen, denn die großen Getränkehersteller würden sie bewerben: die selbstkühlende Blechdose. "Unsere Marktforschung hat gezeigt, dass der Verbraucher auf eine solche Dose gewartet hat", so Sven Schipper. Besonders beliebt seien Cola, Wasser, Bier und Limonade - also die typischen Erfrischungsgetränke, auch für unterwegs. "Deshalb sind die Konsumenten auch gerne bereit, für die eisgekühlte Getränkedose etwas mehr zu zahlen - bis zu 30 Cent."

Das System ist einfach: In der Dose befindet sich eine Kühlspirale, die mit flüssigem Kohlendioxid gefüllt ist. Sobald man die Dose öffnet, entweicht das Gas durch ein Ventil, wodurch ein physikalischer Kühleffekt eingeleitet wird: An der Spirale bilden sich Eiskristalle - und innerhalb von Sekunden ist das Getränk eisgekühlt. Schatten rechnet mit hohen Einsparkosten: Getränke müssen künftig in den Dosen nicht lange gekühlt werden.

Do-Tech ist nur ein Beispiel Düsseldorfer Innovationsergebnisse. Die Chemiker Hakan Cinar und Marcus Dickmeis haben jahrelang an der Heinrich-Heine-Universität den richtigen Verfahren bei Pulverlackbeschichtungen nachgespürt, um 2009 dann das richtige zu entdecken: Statt Lacke mit Lösungsmitteln und Erwärmung härten zu lassen, fanden die beiden ein Verfahren, wie Lacke nur auf Wasserbasis, also umweltverträglich, mit harmlosen UV-Strahlen gehärtet werden können. Dabei kann genau gesteuert werden, wie weich, matt, glänzend, hell oder dunkel die jeweilige Schicht sein soll. "Unsere Erfindung ist ein riesiger Schritt zu mehr Umweltverträglichkeit und zu genaueren Ergebnissen", sagt Cinar. Die weltweiten Patente darauf haben sie in der Tasche. Im nächsten Jahr wollen die beiden Geschäftsführer mit ihrem Unternehmen Rough Coating Design die ersten Lizenzen verkaufen. Zudem will das Duo eine Pulverlack-Produktion aufbauen.

Beide Unternehmen versuchen eine Marktführerschaft für ihre Erfindungen zu erlangen. So wie Düsseldorfer Industrieunternehmen in der Vergangenheit. Der weltweit erste Hydraulikbagger ging in Düsseldorf in Produktion. Hille & Müller erfanden den ersten elektrolytisch veredelten Bandstahl, Persil revolutionierte den Waschmittelmarkt. Ohne die Kräne der Demag Cranes wäre die moderne Containerschifffahrt undenkbar. Die ersten nahtlosen Rohre stammen von Vallourec & Mannesmann Tubes. Mit Beschichtungen von Eifeler fliegt der neue Airbus um die Welt, Weltmarktführer für Belagverhinderungen ist Keller & Bohacek.

Auch Verbände forschen für die Industrie. So ist unter dem Dach des Stahlzentrums das Max-Planck-Institut für Eisenforschung und das Betriebsforschungsinstitut des Vereins deutscher Eisenhüttenleute angesiedelt. Stahl ist zwar ein altbekannter Werkstoff, aber die Hälfte der rund 2500 Stahlsorten ist jünger als fünf Jahre. 230 Wissenschaftler im Max-Planck-Institut und 135 im Betriebsforschungsinstitut suchen immer neue Hochleistungswerkstoffe.

Einen neuen Kleinlaster, ausgestattet mit einem Elektromotor, haben die Düsseldorfer Entwickler von Xenova entwickelt. Der Terryman soll schon Ende dieses Jahres auf den Düsseldorfer Straßen fahren. Ohne Abgase und vor allem lautlos. Das lobt auch der ÖkoGlobe, eine Auszeichnung, die eine Jury um den Autoforscher Ferdinand Dudenhöffer und den Aktionskünstler HA Schult vergibt. HA Schult sagte in seiner Laudatio: "Diesem Konzept, diesem Fahrzeug gehört die Zukunft. Das ist eine großartige Innovation."

Quelle: RP
 
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