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Handel in Düsseldorf
Stadt kämpft um verkaufsoffenen Sonntag

Düsseldorf kämpft um verkaufsoffenen Sonntag am 2. Advent 2017
Eine Kundin geht in einem Kaufhaus durch die Gänge (Archivbild). FOTO: dpa, pst lof jol
Düsseldorf. Das Verbot, die Läden am zweiten Adventssonntag zu öffnen, trifft die Händler der gesamten Innenstadt. Die sind fassungslos und hoffen auf einen Erfolg der Beschwerde der Stadt. Die soll laut Gericht belastbarere Prognosen liefern. Von Jörg Janssen

Mit der Entscheidung des Düsseldorfer Verwaltungsgerichts hatten die meisten Händler nicht gerechnet. Dass der große Düsseldorfer Weihnachtsmarkt mit seinen sieben Standorten mehr ist als ein bloßes Alibi für eine zusätzliche Ladenöffnung und damit ein ausreichender Anlass für den verkaufsoffenen Sonntag, das war für die meisten eine klare Sache. "Ich bin fassungslos", sagt Johanna Groeneweg-de Kroon, Chefin des Kaufhofs am Wehrhahn. Der Image-Schaden für Düsseldorf als internationaler Metropole sei enorm. "Bleibt es dabei, verlieren wir Händler einen der umsatzstärksten Tage im Jahr, den wir so schnell nicht mehr ausgleichen können", sagt die gebürtige Niederländerin, die ihre Planungen für den zweiten Advent erst einmal nicht ändert. "Wir hoffen auf die Beschwerde der Stadt." Auch Thomas Görner, Geschäftsführer von Foto Koch, mag kaum glauben, dass es nun in der City möglicherweise keinen verkaufsoffenen Adventssonntag geben soll. "Warum muss Verdi so kurzfristig klagen?", fragt er und fordert "einen partnerschaftlichen Umgang auf Augenhöhe".

Oberbürgermeister Thomas Geisel kündigte gestern eine Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht in Münster an. Gleichzeitig wandte er sich gegen die Begründung der Verwaltungsrichter. Die hatten kritisiert, dass die für eine Sonntagsöffnung erforderliche Prognose zur besonderen Attraktivität des innerstädtischen Weihnachtsmarktes "weder schlüssig noch vertretbar" sei. "Es wurden zu wenige Menschen befragt und das auch nicht speziell mit Blick auf die Sonntage, die Datenbasis war nicht ausreichend", sagt Nicola Haderlein, Pressedezernentin des Verwaltungsgerichts. Geisel kann dem nicht folgen. "Wir müssten einen absurden Aufwand betreiben, nur um nachzuweisen, was mit Blick auf die Anziehungskraft der innerstädtischen Weihnachtsmärkte nun wirklich offensichtlich ist", sagt der Rathauschef. Die Strategie von Verdi, die Sonntage im letzten Moment untersagen zu lassen, hält er "weder für intelligent noch für weitsichtig". Gefordert sei nun das Bundesverfassungsgericht, dass die aus der Weimarer Reichsverfassung übernommenen Bestimmungen zum Sonntagsschutz an die heutige Lebenswirklichkeit anpassen müsse. "Der Kompromiss, den wir in Düsseldorf gefunden haben, mit drei Sonntagsöffnungen in der Innenstadt und fünf in den Stadtteilen, ist gut", sagte Geisel.

"Ich freue mich, dass die Beschäftigten im Einzelhandel am kommenden Sonntag Freizeit in der Vorweihnachtszeit genießen können", meint dagegen Verdi-Geschäftsführerin Stephanie Peifer. Zu hoffen sei, "dass im kommenden Jahr die Gerichte nicht mehr bemüht werden müssen und die strengen Anforderungen an eine Sonntagsöffnung vom Rat sorgfältig geprüft werden".

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Eine rasche Änderung der rechtlichen Grundlagen fordert Ulrich Biedendorf, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer. "Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass wir hier reformieren müssen, dann ist er jetzt erbracht", sagt er. Die Verbraucher seien im Zweifel flexibler als die Justiz. "Sie fahren in die Niederlande oder kaufen im Internet ein."

Quelle: RP
 
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