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Düsseldorf Marathon
42 Kilometer - "Der Schmerz geht, der Stolz bleibt"

Düsseldorf. Die Stimmung ist gut, das Wetter hätte kaum besser sein können: 16.500 Läufer sind beim Marathon in Düsseldorf dabei - dazu kommen zahlreiche Zuschauer, die mit kreativen Ideen die Aktiven anfeuern. Beobachtungen an der Strecke. Von Henning Rasche, Ina Schwerdtfeger, Torsten Thissen und Bernd Schaller (Fotos)

Originale Kurz vor dem 20. Kilometer des Marathons dröhnt "The Final Countdown" von Europe über die Kö. Angesichts der Tatsache, dass die rund 16.500 Läufer erst knapp die Hälfte hinter sich haben, erscheint dies doch etwas verfrüht. Peter Berghaus aber ist das egal. "Tolles Outfit", ruft der Mann in traditioneller Bergmannskluft in sein Mikrofon. Oder: "Super Kathrin, du machst das!" Peter Berghaus vom Team Essen 99 hält den angestrengten Sportlern seine Hand zum Einschlagen hin. Peter Berghaus macht nicht die Stimmung - er ist die Stimmung. "Das ist eine Herzenssache im Prinzip", erzählt er in einer kurzen Verschnaufpause, die er sich gönnt.

Andere beim Sport zu motivieren, sei für ihn "absolut der Hammer". Früher ist der drahtige Peter Berghaus selbst noch mitgelaufen. Nun heizt er den Läufern kräftig ein. Dass er von den Frauen und Männern ein Lächeln bekommt, ist sein Lohn. "Getreu dem Motto: der Schmerz geht, der Stolz bleibt", sagt Berghaus. Sein Outfit, der schwarzen Anzug eines Essener Steigers, hat er von seinem Großvater geerbt.

Verrückte Kostüme beim Düsseldorfer Marathon 2017 FOTO: Brabeck

Einsatz Der Einsatz eines Rettungswagens hält die Läufer an der Luegallee auf. Eine Teilnehmerin erleidet am Morgen einen Schwächeanfall, "ein Kollapps", wie die Feuerwehr später mitteilt. Es ist aber offenbar nichts Ernstes, zur Beobachtung wird die Frau in ein Krankenhaus gebracht. Ungeklärt bleiben ein paar Diebstähle. So sollen etliche Rucksäcke von Läufern verschwunden sein, die Polizei ermittelt.

Liebesglück Um erschöpft zu sein, ist es eigentlich noch ein bisschen früh, aber dennoch geht ein Mann am Golzheimer Platz bereits zu Boden. Er sinkt auf die Knie, vor einer jungen Frau, und erst jetzt wird den Umstehenden klar: Dies ist ein Heiratsantrag. Alles geht ganz schnell, dann setzt der Mann seinen Lauf fort. Die Strecke führt von dort aus weiter zur Messe und auf demselben Weg zurück. Auf dem Rückweg hält er dann noch einmal bei seiner Freundin an, um den Heiratsantrag komplett zu machen. Er steckt ihr einen Ring an den Finger.

Die schönsten Bilder vom Marathon FOTO: Endermann, Andreas

Stimmung und Organisation An der Laufstrecke in der Innenstadt sind etliche freie Stellen zu finden. Besonders viele Zuschauer sind nicht hierher gekommen, um den Läufern zusätzliche Motivation zu verleihen. Jutta und Erika aber schon. Die beiden sind allein auf weiter Flur, als am frühen Sonntagmorgen die ersten Läufer des Feldes über die Heinrich-Heine-Allee an der Deutschen Oper vorbeikommen. Weil unter den Startnummern auch die jeweiligen Namen der Athleten gedruckt stehen, sprechen sie diese direkt an - obgleich Erika und Jutta sie gar nicht kennen. Sie finden "ganz toll", dass Menschen solche Strecken laufen würden. Deshalb stehen sie am Rand und feuern an. Für die Zwillinge Franka und Sophia Trenz aus Wuppertal ist die Stimmung super.

Kilometer 30, langsam wird es ernst, und vor allen Dingen schwer. Ob sie vielleicht doch zu wenig trainiert haben, doch die ständigen Läufe über sieben Kilometer im bergigen Wuppertal sollten eigentlich ausreichen. Beim Halbmarathon in Köln war zwar die Organisation besser, doch hier bringt nun das Publikum den nötigen Schub. Zumal ihre Namen auf den Laufshirts stehe. "Sophia, los, weiter", rufen unbekannte Zuschauer, "Franka, du packst das", rufen andere. Das war in Köln nicht so. Nur die Staffelläufer nerven, weil sie das Wasser wegtrinken. Zwar läuft ab Kilometer 35 Sophia ihrer Schwester davon, am Ende beträgt die Differenz dann doch nur fünf Minuten. Beide sind stolz, die Familie ist glücklich, und die Kraft reicht auch noch, um einen Bummel durch die Altstadt zu machen.

Hier kommt das Spitzenfeld ins Ziel FOTO: Metro Marathon

Am Ziel Am Rhein haben sich die Sportfreunde versammelt. Seite an Seite drängen sich die Zuschauer. Sie essen Bratwurst und trinken Alt, als nach zwei Stunden und zehn Minuten Laufzeit die ersten Regentropfen vom Himmel fallen. "Och nee", sagt ein Mann just als Marius Ionesco aus Rumänien als Erster auf die Ziellinie rennt.Raul Bueno hat Bestzeit gelaufen: 3 Stunden und 45 Minuten hat er für die Strecke gebraucht, doch erschöpft ist er nicht, was auch am Wetter lag, als Spanier ist er aber anderes gewohnt. Er und seine Familie sind extra für den Lauf nach Düsseldorf gekommen, es ist sein sechster Marathon, Toulouse, Valencia, Mallorca, Sevilla, Madrid und nun Düsseldorf. "Es war großartig", sagt er.

Johann Kauk aus Ellwangen hat seinen 99. Marathon hinter sich. Er kommt aus der gleichen Stadt wie OB Thomas Geisel und ist mit ihm gelaufen. Am Ende schenkte ihm Geisel seine Startnummer.

Wer dieses Jahr als Erster durchs Ziel lief, lesen Sie hier. 

Quelle: RP
 
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