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Made In Düsseldorf
Messe braucht die Millionen für Ausbau

So könnte der neue Messe-Eingang aussehen
So könnte der neue Messe-Eingang aussehen FOTO: Radowski
Düsseldorf. Die Messelandschaft in Europa konsolidiert sich stark. Bis auf Ausnahmen war Düsseldorf bislang der Gewinner, konnte Wettbewerber in London oder Bordeaux abhängen. Gewinnausschüttungen und Kredite an die Stadt gefährden die Position. Von Thorsten Breitkopf

In Düsseldorf steht die Messe da wie ein strahlender Stern. "Düsseldorfs schönste Tochter" wird sie genannt. Ihre Wirtschaftskraft scheint unerschütterlich. Warum dieser Gewinnmaschine nicht ein paar Millionen Gewinn abzwacken oder sich, wenn die Stadt klamm ist, mal ein paar Millionen leihen, mag sich Oberbürgermeister Thomas Geisel denken. Doch die Messe muss man aus der Makroperspektive sehen. Sie ist immer nur so gut, wie der Markt ihrer Aussteller.

Betrachtet man den deutschen Messemarkt, dann stellt man fest, dass von 64 Messegesellschaften nur zwei Gewinn machen: Frankfurt und Düsseldorf, die Hessen übrigens überwiegend im Auslandsgeschäft und nicht auf dem heimischen Messegelände. Die 62 anderen Messen könnten aus eigener Kraft meist nicht existieren. Sie werden von der öffentlichen Hand mit Subventionen am Leben erhalten. Das müssen nicht immer echte Geldflüsse sein, es kann auch eine verbilligte Miete für das Gelände sein, wie etwa bei der Messe Stuttgart. Die Messe Düsseldorf dagegen erhält keine Subventionen, sondern subventioniert mit 6,5 Millionen Euro Gewinn und einem 40 Millionen Kredit jetzt ihre Stadt.

Der Messemarkt ist kein per se boomendes Geschäft, was in der Düsseldorfer Kommunalpolitik oftmals vergessen wird. So gibt es seit Jahren bei den Leitmessen einen ungeheuren Konsolidierungsdruck - den Düsseldorf oft für sich entscheiden konnte. So etwa bei der Boot. Die hatte zwar früher mal mehr Besucher, gilt heute aber als bedeutendste Wassersportmesse der Welt. Die einstige Rivalin "London Boat Show", die ebenfalls im Januar jedes Jahres stattfindet, ist mit der Zeit in der Bedeutungslosigkeit verschwunden. Die Besucherzahlen sanken von mehr als 150.000 (2002) auf zuletzt noch knapp 90.000 (2015). Zum Vergleich: Zur Boot 2016 kamen 250.000 Besucher an den Rhein.

Ähnlich erfolgreich haben die Düsseldorfer die Messe ProWein positioniert. Da der Markt sich konsolidiert, mussten die Konkurrenten in Bordeaux und London Federn lassen. Hinzu kommt, dass in stagnierenden Märkten das Budget der Firmen oft nur für eine Messe reicht. Früher war die Londoner Druckmesse Ipex die Zwischenmesse zur Drupa in Düsseldorf. Die Drupa war alle vier Jahre, die Ipex ebenfalls im genauen Wechsel. Doch die Drupa, größte Druckmesse der Welt, findet nun alle drei Jahre statt, was der Ipex enorm zusetzt.

Die Beispiele belegen, dass Düsseldorf keine unangefochtene Spitzenstellung hat. Die Messe konnte diese Schlachten gewinnen, weil sie finanziell auf guten Füßen stand und technisch weit vorn ist. Konkurrenten an anderen Messeplätzen sind wachsam - sie beobachten mit großem Staunen, dass die Stadt Düsseldorf sich Gewinne ausschütten lässt und um Kredite bittet. Unter Messeleute ist unbestritten, dass ein zeitgemäßes Messegelände, etwa mit den Möglichkeiten, Maschinen vor Ort im Echtbetrieb laufenzulassen, essenziell ist.

Von der Stadtspitze wird betont, dass der 40-Millionen-Kredit der Messe an die Stadt vorübergehend sei. Doch ist die Sorge da, dass der Kredit zwar im November zurückgezahlt, aber im Januar in einer gleichen Lage wie heute erneut gewährt wird. Ein solcher Kettenvertrag würde den geplanten Aus- und Umbau des Messegeländes infrage stellen. Die Hallen 1 und 2 sind in die Jahre gekommen und müssen ersetzt werden. Geplant sind eine neue große Halle und ein gläsernes Foyer. Kosten: 130 Millionen Euro. Wie wichtig es ist, Geld in ein modernes Messegelände zu stecken, sieht man beim Blick nach Essen. Dort entschieden sich die Bürger gegen eine Modernisierung mit Stadt-Geldern.

Die Messe-Gewinne müssen in die Messe-Modernisierung fließen. Kredite gibt es bei der Bank, nicht bei der Messe. Wer die Modernisierung der Messe gefährdet, gefährdet deren wirtschaftliche Stärke. Nicht heute, aber in wenigen Jahren.

Quelle: RP
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