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Made In Düsseldorf
Die neue Bescheidenheit im Dorf

Fotos: Die bekanntesten Sehenswürdigkeiten in Düsseldorf
Fotos: Die bekanntesten Sehenswürdigkeiten in Düsseldorf FOTO: Hans-Juergen Bauer
Meinung | Düsseldorf. Im vergangenen Winter verärgerte Düsseldorf im Umland mit einer als arrogant empfundenen Shopping-Kampagne. Nun setzt man auf einen neuen Slogan, der zumindest auf den ersten Blick Bescheidenheit suggeriert. Ein guter Schachzug - und ein legitimes Werbeinstrument sowieso. Von Nicole Lange

Ist das jetzt ein Musterbeispiel für das, was man als "Zurückrudern" bezeichnet? Oder besinnt sich die Düsseldorf Marketing und Tourismus GmbH (DMT) nun auf eine Form der neuen Bescheidenheit, in deren sanftem Licht man besonders strahlend glänzen kann? Jedenfalls: In einer neuen Shopping-Kampagne, entwickelt zusammen mit dem Düsseldorfer Einzelhandel, werben die städtischen Marketingmacher mit dem Slogan "Die ganze Shopping-Welt in einem Dorf". Gedruckt zu sehen ist dieser Satz auf leuchtend roten Plakaten, und zwar in Form einer stilisierten Bommelmütze. In insgesamt zwölf Städten im Umkreis von 60 Kilometern sollen die auffälligen Plakate ab sofort und noch bis zum 23. November für einen Shopping-Trip in die Landeshauptstadt werben.

Nun werden sich viele noch erinnern, dass es vor Jahresfrist schon einmal eine Kampagne fürs Einkaufen in Düsseldorf gab, und die sorgte damals mächtig für Zunder. "Das Leben ist zu kurz, um langweilig shoppen zu gehen", hielten die Plakate damals den Bewohnern der anderen Städte vor: "Düsseldorf - Aufregend. Schön. Shoppen." Was wohl (zumindest irgendwie!) ironisch-augenzwinkernd gemeint war, stieß vielen auf - besonders in Wuppertal gab es Ärger. "Düsseldorf hat sich keine Freunde gemacht", hieß es damals von seiten des Wuppertaler Stadtmarketings. Viele empfänden die Kampagne als arrogant.

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Nun also stattdessen der Dorf-Ansatz. Die Kampagne sei "bewusst selbstironisch-bescheiden formuliert", sagen die Werber über den Spruch. Sie nutze den "-dorf"-Bestandteil des Stadtnamens mit einem Augenzwinkern. Nun würde diese Form der Selbstironie womöglich etwas besser funktionieren, wenn man sie nicht so offensichtlich vor sich hertrüge. Und, mal ganz ehrlich, wenn irgendwer Düsseldorf diese Bescheidenheit tatsächlich abkaufte. Immerhin bietet man den Kritikern diesmal aber deutlich weniger Angriffsfläche, der Satz ist süß, und eine Mega-Metropole ist die Stadt ja wirklich nicht. Also, rein geografisch gesehen.

Das Schöne daran ist, dass bei aller echten oder gespielten Bescheidenheit die Idee der Kampagne natürlich die gleiche bleibt. Der Einzelhandel will möglichst viel Kaufkraft aus Städten wie Krefeld, Mönchengladbach, Essen und - natürlich wieder dabei: Wuppertal nach Düsseldorf abziehen. Und diese Idee ist und bleibt legitim. Immerhin bietet die Stadt trotz aller Baustellen-Sorgen eine Mischung von Geschäften, Designer-Boutiquen und Einkaufszentren, die in der Region konkurrenzlos ist. Andernorts auf diesen Umstand hinzuweisen, mag in der Sache nicht bescheiden sein. Zutreffend aber eben schon.

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Quelle: RP
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