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Flüchtlinge
Düsseldorf nimmt Flüchtlingshaus Oberhausen als Vorbild

Flüchtlinge: Düsseldorf nimmt Flüchtlingshaus Oberhausen als Vorbild
De neue Flüchtlings-Unterkunft in Oberhausen wurde in nur fünf Monaten massiv gebaut und bietet Platz für 100 Menschen. Zweigeschossig und mit farbiger Fassade fügt sie sich gut in die Umgebung ein. FOTO: FUNKE Foto Services / Gerd Wallh
Düsseldorf. In der Debatte um den Ankauf von Modul-Anlagen für 69 Millionen Euro haben sich CDU und Handwerkskammer dafür ausgesprochen, Wohnhäuser für Flüchtlinge zu bauen. In Oberhausen wurde so etwas gerade beispielhaft umgesetzt. Von Denisa Richters

Die Zahl der geflüchteten Menschen in Düsseldorf steigt rasant: Waren es vor einem Jahr rund 2800, sind es aktuell nach Angaben der Stadt fast 5600 Flüchtlinge. Bis Jahresende könnten es weit mehr als doppelt so viele sein.

Die Stadt kommt kaum hinterher, neue Plätze zu schaffen. "Wir sind im Krisenmodus", betonen die Flüchtlingsbeauftragte Miriam Koch und Birgit Lilienbecker vom Amt für Gebäudemanagement. Sie setzen deshalb primär auf Sammelunterkünfte. SPD, Grüne, FDP und Linke haben gerade 69 Millionen Euro freigegeben, mit denen sechs Wohnmodule (2100 Plätze) gekauft werden sollen.

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Die CDU stimmte dagegen, sie fordert nachhaltigere Lösungen. Konkret: Wohnhäuser. Nur so werde dauerhaft Wohnraum geschaffen, der, falls die Unterbringung von so vielen Flüchtlingen nicht mehr nötig wäre, anders genutzt werden könne. Ähnlich argumentiert Handwerkskammer-Präsident Andreas Ehlert: "Für 70 Millionen Euro könnte das Handwerk anstelle von Wohncontainern neue Wohnungen bauen, die als Sozialwohnungen nachgenutzt werden könnten."

Ein konkretes Beispiel weiß Ehlert auch: In Oberhausen hat gerade ein Konsortium lokaler Handwerksunternehmen im Auftrag der städtischen Oberhausener Gebäudemanagement GmbH ein Haus mit 33 Wohneinheiten sowie einem Extragebäude mit Aufenthaltsraum und Kinderbetreuung gebaut. Bis zu 100 Menschen können darin leben. In nur fünf Monaten haben die Firmen den zweigeschossigen Gebäuderiegel aus Mauerwerk und Beton auf einem städtischen Grundstück hochgezogen.

"Das war eine kleine olympische Leistung", sagt Ralf Geese von dem federführenden Bauunternehmen. Damit es sich besser in die Umgebung einpasst, wurde ein Satteldach draufgesetzt, die rund 50 Meter lange Front hat unterschiedliche Farben - so mutet das Gebäude wie mehrere Reihenhäuser an. Aufgeteilt ist es in kleine Appartements. "Das kann man später zum Beispiel als Studentenheim nutzen", sagt Geese. Bemerkenswert ist vor allem der Preis: 2,2 Millionen Euro hat es gekostet.

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"Wir haben als Konsortium schon einige Projekte ausgeführt, sind ein eingespieltes Team und können deshalb einen guten Preis anbieten", sagt Geese. Das lokale Handwerk werde gestärkt, mit Modulanlagen, die wegen der großen Nachfrage, teurer geworden sind, könne man locker mithalten. Brutto kam das Haus pro Quadratmeter Bruttogeschossfläche auf 1488 Euro. Zum Vergleich: Die Module der Stadt Düsseldorf sind mit 1547 Euro angesetzt.

Auch CDU-Vize-Fraktionschef Andreas Hartnigk hat ein Angebot eingeholt: Die süddeutsche Firma Lindner hat die schlüsselfertige Errichtung von Wohngebäuden in Systembauweise an den sechs Modul-Standorten berechnet.

Mit 1762 Euro liege es aber brutto über den Preisen der Module, betont Lilienbecker. "Grundsätzlich sind alle Möglichkeiten auf dem Markt für uns interessant", sagt sie. Der Bau von Wohnhäusern gehöre zum Konzept. Die zu realisieren koste aber mehr Zeit, auch wegen des Planungsrechts.

Quelle: RP
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