| 00.00 Uhr

Serie Düsseldorfer Geschichte(n)
Düsseldorf on Ice

Düsseldorf. Die Eisbahnen auf dem Corneliusplatz und an der Elisabethstraße folgen einer langen Tradition. Von Ulrich Brzosa

Wer glaubt, die neue "DEG-Winterwelt" auf dem Corneliusplatz oder deren Vorgängerbahnen am Nordende der Kö, auf dem Gustaf-Gründgens-Platz oder hinter den Libeskind-Bauten seien eine neuzeitliche Erfindung des Stadtmarketings, der irrt gewaltig. Die Verwandlung von städtischen Grünflächen und Plätzen zu Gleitflächen für Schlittschuhläufer hat in Düsseldorf eine lange Tradition. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts setzte sich die "Abtheilung für Eislauf" des "Zentralvereins für Körperpflege in Volk und Schule" dafür ein, in Düsseldorf "sichere und gute Eisbahnen herzustellen, wenn möglich auch durch Überschwemmen von Wiesen, auf denen schon bei 3-4 Grad Kälte gelaufen werden kann".

1882 gab der Vorstand bekannt, "dass die hiesige Stadtverordnetenversammlung unserm gemeinnützigen Verein durch einstimmigen Beschluss hierzu ein sehr geeignetes Terrain bereitwilligst überlassen hat". Zudem wurden dem Verein "von unseren beiden großen Röhrenwalzwerken Poensgen und Piedboeuf für weit über Tausend Mark Eisenröhren zur Herstellung einer künstlichen Eisbahn nach Wiener Vorbild geschenkt". Trotz großzügiger Unterstützung blieb die Kunsteisbahn für Düsseldorf zunächst nur eine Vision, da der Zentralverein für Körperpflege in Liquidation geriet.

Das erste Wintermärchen in der Stadt wurde erst einige Jahre später wahr. Mit dem Ziel, Eisplätze zu unterhalten und Eisfeste zu organisieren, trat 1888 der "Düsseldorfer Schlittschuhläuferverein" ins Leben. Fast 1000 Mitglieder traten dem Verein noch im Gründungsjahr bei. Als Eislaufplatz diente den Mitgliedern und Gästen zunächst eine Wiese an der Düssel beim Zoologischen Garten, die bei Wintereinbruch mehrere Zentimeter unter Wasser gesetzt wurde. Der Eisplatz an der heutigen Grunerstraße wurde nach der Jahrhundertwende durch Spritzeisbahnen ersetzt, die entweder auf Hart- oder Sportplätzen angelegt wurden. So standen in den 1920er Jahren neben der 10.000 Quadratmeter großen, beleuchteten Spritzeisbahn auf den Tennisplätzen des Rheinstadions weitere Bahnen im Rheinpark, am Flughafen und auf der Rollschuhbahn an der Altenbergstraße zur Verfügung. Als zusätzliche Laufflächen kamen bei Frost die Teiche und Weiher in Hof- und Volksgarten sowie im Ostpark hinzu. Auch Kaiserteich und Schwanenspiegel waren bei den Eisläufern beliebt.

In den 1930er Jahren machte die Erfindung des Kühlmittels das Eislaufen unabhängig von den schwankenden Temperaturen im Rheinland. Die ersten Kunsteisbahnen entstanden, und 1935 gab der Stahlindustrielle und Sportmäzen Ernst Poensgen - dessen Vorgänger 50 Jahre zuvor die Röhren für die allererste Eisbahn gesponsert hatte - den Anstoß zum Bau eines Eisstadions.

An der Brehmstraße entstand die erste Kunstlaufbahn in Westdeutschland, zu deren Eröffnung die damals erfolgreichsten Eishockeyvereine aus Berlin und Amsterdam ihre Teams an den Rhein schickten. Die lieferten sich ein packendes Duell in einer Sportart, die in Düsseldorf noch weitgehend unbekannt war. In den Zeitungsberichten über das Eröffnungsspiel mussten die Regeln noch ausführlich erklärt werden.

Das war bald schon überflüssig. Binnen kürzester Zeit war Düsseldorf die Stadt mit den meisten Eishockeyfans geworden. Wesentlich trug dazu die Eislaufgemeinschaft (DEG) bei, die sich fast zeitgleich mit dem Stadionbau gründete und schon 1937 den dritten Platz bei der deutschen Eishockeymeisterschaft belegte.

Das Stadion an der Brehmstraße, wo das Eiskunstlaufpaar Maxi Herber und Ernst Baier für die Olympiade 1936 trainierte, fiel im Zweiten Weltkrieg den Bombenangriffen zum Opfer. Ende 1949 gingen Eisbahn und Stadion wieder in Betrieb. Bis heute können die Düsseldorfer Schlittschuhfreunde dort und seit 1979 auch in der Eissporthalle in Benrath über das Eis gleiten. Und bis Ende Januar eben auch an der Kö.

Der Autor Historiker Ulrich Brzosa ist Experte für Stadtgeschichte und Autor des 700 Seiten starken Werkes zur Geschichte der katholischen Kirche in Düsseldorf.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Serie Düsseldorfer Geschichte(n): Düsseldorf on Ice


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.