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Düsseldorf
Pfandring: Leser befürworten Hilfe für Sammler

Düsseldorf: Pfandring: Leser befürworten Hilfe für Sammler
Bereits in zwölf deutschen Städten werden diese Pfandringe erprobt, die Gestelle gibt es in unterschiedlichen Farben. FOTO: Paul Ketz
Düsseldorf. Die Installation von Pfandringen in Düsseldorf wird von unseren Lesern befürwortet. Damit sind sie sich im Wesentlichen so einig wie die Fraktionen von SPD, FDP und Grünen im Stadtrat, die sich für den Pfandring aussprechen. Doch oft ist auch der Vorwurf der Scheinheiligkeit zu lesen. Von Aaron Clamann

Drei Fraktionen im Stadtrat wollen den Pfandsammlern in der Stadt eine menschenwürdige Tätigkeit ermöglichen. SPD, Grüne und FDP halten es für unwürdig, dass arme Menschen in Mülleimern nach einzelnen Pfandflaschen suchen müssen, mit denen sie ihr Einkommen aufbessern. Eine Metallhalterung, die auf die städtischen Mülleimer gesetzt wird, soll das Sammeln erleichtern: Passanten stellen dort die Flaschen ab und Sammler müssen sie nur noch dort wegnehmen. Die Idee findet auch Anklang bei unseren Lesern. In einer Abstimmung zu einem vorangegangenen Artikel stimmten bis 13.35 Uhr 75,6 Prozent der Teilnehmer an der Umfrage für die Einführung des Pfandrings.

Was Kritiker der Politik vorwerfen

Doch so eindeutig das Ergebnis der Abstimmung wirkt, sind die Argumente in der Diskussion im Kommentarbereich bei RP Online und auf Facebook nicht. Es gibt zahlreiche kritische Argumente zum Thema. Der Hauptvorwurf: Scheinheiligkeit unter den politischen Parteien. So schreibt etwa ein Facebook-Nutzer zu dem Thema: "Ach, ironischerweise schlagen das genau die Leute vor, die (mit) dafür verantwortlich sind, dass die Menschen überhaupt erst Pfandflaschen sammeln müssen." Und so folgt im Kommentarbereich auch ein Vorschlag, wo die Pfandringe am besten aufgestellt werden sollten. Der Nutzer "Der Oberbilker" schreibt: "Ich finde, jede Partei sollte vor ihrer Parteizentrale so einen Pfandring haben. Vielleicht sollte man den auch irgendwie in die jeweiligen Partei-Logos mit einbauen. Zur täglichen Mahnung."

Wie teuer ist ein Pfandring?

Neben den Seitenhieben auf die Politik gibt es unter den Lesern aber auch Zweifel an dem System der Pfandringe. Vor allem die Kosten sprechen gegen die Einführung. "Was wurde mit gutem Grund in dem Artikel nicht erwähnt? Richtig, die Kosten", schreibt ein Kommentator bei Facebook. Da die Ringe bisher Einzelstücke sind, kostet einer bis zu 1000 Euro. Je mehr bestellt werden, desto günstiger wird der einzelne Ring. Viele Leser sähen es lieber, wenn dieses Geld direkt den armen Menschen in der Stadt zugute käme. (Bitte beachten Sie das Update am Ende dieses Artikels)

Betrachtet man die Diskussion um die testweise Einführung von Pfandringen in anderen Städten, so wiegt das Argument der Kosten durchaus schwer. Versuche in Köln und Bamberg seien nicht erfolgreich gewesen, das räumte selbst der Bruder des Erfinders und Vermarkter des Pfandrings, Fabian Ketz, ein. Im Gespräch mit der "Kölnischen Rundschau" sagte er im Februar 2014, dass die Städte mit Verweis auf die Kosten bisher kein Interesse an einer flächendeckenden Einführung gezeigt hätten. Inwiefern allerdings durch das Pfandsammeln Kosten bei der Stadtreinigung durch die städtischen Betriebe wegfallen könnten, darüber ist bislang wenig bekannt.

Würde lässt sich nicht in Euro ausdrücken

Während auch unsere Leser über die Kosten streiten, wird ein Argument selten widerlegt: würdiger ist es für Pfandsammler, wenn sie nicht in weiterem Müll nach den Flaschen graben müssen. Zudem weist eine Leserin auf Facebook auf weitere positive Effekte durch Pfandsammler hin: "Die sorgen nämlich auch noch dafür, dass die Pfandflaschen nicht überall rumliegen. Manche Menschen halten es ja nichtmal für nötig, ihre Flasche auch nur in die Nähe einer Mülltonne zu bringen."

Update vom 21. September 2016: In diesem Artikel schrieben wir, dass Pfandringe bis zu 1000 Euro kosten. Dies ist offensichtlich falsch. Pfandringe kosten nach Anbieterangaben je nach Ausführung 80 bis 150 Euro.

(ac)
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