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Düsseldorf
Polizei findet Rekord-Hanfplantage

Riesige Hanf-Plantage in Düsseldorf-Derendorf entdeckt
Riesige Hanf-Plantage in Düsseldorf-Derendorf entdeckt FOTO: Bretz, Andreas
Düsseldorf. In einem ehemaligen Schlachthof mitten in einem Wohnkomplex stellten Ermittler rund 2500 Pflanzen sicher. Die Anlage in Derendorf war so professionell gebaut, dass sie für Wochen automatisch lief. Die Polizei hat noch keine Täter. Von Arne Lieb

Die Polizei hat die größte Hanfplantage aufgespürt, die je in Düsseldorf entdeckt wurde. Ein anonymer Hinweis hatte die Fahnder zu dem ehemaligen Schlachthof in Derendorf geführt, in dem gestern Morgen gegen 7 Uhr mehr als 2500 Pflanzen sichergestellt wurden. In dem Gebäude lagerten zudem rund 50 Kilogramm abgepacktes Marihuana. "Die Anlage hat pro Jahr einen Ertrag in Millionenhöhe gebracht", sagt Kriminalhauptkommissar Michael Brusdeilins.

Die Drogenhersteller - die bisher noch nicht ermittelt werden konnten - hatten sich einen erstaunlich zentralen Platz ausgesucht: Der flache Bau liegt in dem Innenhof eines Wohnkomplexes an der Rather Straße, von etlichen Balkonen lässt sich der Eingang überblicken. Ursprünglich befand sich dort ein Schlachthof, bis vor wenigen Jahren eine Kunstgalerie. Wie lange die 1000 Quadratmeter schon zur Drogenproduktion genutzt wurden, ist unklar. Den Tätern kam jedenfalls ein Umbau entgegen, der einst für eine Autowerkstatt gemacht wurde: Über eine Rampe konnten sie mit einem Transporter ins Innere und mussten deshalb keine verdächtigen Säcke über den Hof tragen.

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Wer auch immer die Plantage eingerichtet hat, wusste, was er tut. Die Täter hatten mit erheblichem Aufwand für gute Zuchtbedingungen gesorgt. Die rund einen halben Meter hohen Pflanzen stehen in zwei großen Räumen akkurat nebeneinander. Über ihnen hängen Heizlampen, durch Pumpen und große Bottiche lief die Bewässerung. Zudem wurde eigens eine Be- und Entlüftung eingebaut. Damit der starke Geruch der Pflanzen das Vorhaben nicht verrät, lief die Abluft durch Kohlefilter. Alle Öffnungen, durch die Licht nach außen dringen konnte, wurden verdeckt.

In dem Gebäude versammelten die Täter auch gleich alle Hilfsmittel für die Herstellung von Marihuana. Die Polizei stieß auf einen Trockenraum und einen Häcksler, mit dem die Blüten zerkleinert wurden. Die Ware wurde in sauber verschweißte Tüten verpackt. Die Polizei geht davon aus, dass der Verkauf nicht in dem Gebäude lief, sondern über ein Netz von Händlern.

Es ist unklar, wann der letzte Mitarbeiter die Plantage betreten hat. Sie war so konstruiert, dass sie für Wochen automatisch laufen konnte. Ein Gerät kontrollierte Wasserdruck und Temperatur. Die Ermittler sind sich aber sicher, dass jetzt keiner der Betreiber mehr zurückkehrt: Der Einsatz in dem Hinterhof war auffällig, zudem war man schon vorher davon ausgegangen, dass die Täter wussten, dass die Polizei ihnen auf den Fersen war - auch wenn sie dann 50 Kilogramm Rauschgift im Millionenwert zurückließen. Mit den Spuren vom Tatort hofft man, sie bald dingfest machen zu können. Mehrere Teams aus Ermittlern folgten gestern allen Anhaltspunkten. Den Strom hatten sich die Täter besorgt, indem sie illegal eine Leitung anzapften. Der Entstörungsdienst der Stadtwerke sorgte gestern Vormittag dafür, dass diese Verbindung nun gekappt ist. Die Polizei wird die Plantage in der Innenstadt nun komplett abbauen. Die wertvolle, aber illegale Ware wird vollständig vernichtet.

Quelle: RP
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