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Düsseldorf
Riesenrad: Gefahr für Vögel umstritten

Fotos: "Wheel of Vision" dreht sich auf dem Burgplatz
Fotos: "Wheel of Vision" dreht sich auf dem Burgplatz FOTO: dpa, Horst Ossinger
Düsseldorf. Die Tierschutzpartei möchte verhindern, dass das Riesenrad für einen Monat auf den Corneliusplatz gestellt wird. Sie befürchtet, dass die Vogelwelt der Umgebung Schaden nehmen könnte. Der Nabu sieht hingegen kein größeres Problem. Von Sonja Schmitz

Auf dem Burgplatz, wo das Riesenrad zum zweiten Mal über mehrere Wochen steht, ist das 55 Meter hohe Fahrgeschäft mittlerweile ein gewohnter Anblick. Für den Start der neuen Wehrhahn-Linie soll das Riesenrad ab dem 28. Januar für vier Wochen auf den Corneliusplatz wandern. Doch inwieweit werden dadurch die Vögel im nahen Hofgarten belastet? Über diese Frage kommen Tierschützer und Vogelkundler zu unterschiedlichen Einschätzungen.

Die Tierschutzpartei hatte sich den Bedenken des Tierschutzvereins und des Tiernotrufs angeschlossen und möchte die Aufstellung des Fahrgeschäfts am Corneliusplatz verhindern. Die Argumentation der Düsseldorfer Tierschützer: Durch das helle Licht des Riesenrads würden vor allem Schwäne, Enten, Gänse, aber auch Halsbandsittiche irritiert.

So schön leuchtet Düsseldorf FOTO: Bretz, Andreas

Als Folge könnten Wasservögel in Panik den Hofgarten verlassen und dabei von Autos überfahren oder getötet werden. Außerdem seien die Tiere durch den Bau von Kö-Bogen und U-Bahn reichlich strapaziert worden und benötigten nun Ruhe.

Die Tierschutzpartei gibt zu Bedenken, dass Stockenten eine Fluggeschwindigkeit von bis zu 110 Stundenkilometer erreichen, Gänse durchschnittlich 95 Stundenkilometer. Außerdem führt die Partei in ihrer Begründung die grundsätzliche Belastung von Vögeln durch beleuchtete Großstädte an. Beispielsweise sei nachgewiesen, dass durch den beleuchteten 160 Meter hohen Post-Tower in Bonn zahlreiche Vögel die Orientierung verloren hätten und dabei umgekommen seien.

Auf Anfrage der Rheinischen Post sagt Holger Pieren, Landschaftsökologe und Vogelexperte bei der Biologischen Station Haus Bürgel, dass er eine Reduzierung der Lichtintensität am Abend wünschenwert findet. Für eine genauere Einschätzung setzt er auf die Kenntnisse und Informationen der Untere Landschaftsbehörde, die die Situation vor Ort prüft und bewertet.

Bezogen auf den Corneliusplatz schätzt Josef Tumbrinck, Landesvorsitzender des Naturschutzbunds NRW (Nabu), die Situation entspannter als die Tierschützer ein. Er sieht zwar, dass die Beleuchtung des Riesenrads zu Irritationen bei den Vögeln führen kann. Aber insgesamt plädiert er bei der Diskussion, "die Kirche im Dorf zu lassen". Immerhin sei der Standort mitten in der hellerleuchteten Stadt. Wenn nun dort ein weiterer heller Bereich für einen Monat hinzukäme, sei das kein schwerwiegendes Problem. Zumal es im Januar und Februar nur wenig Zugvögel gebe.

Tumbrinck sieht hingegen eine andere gravierende Gefahr für die Zugvögel in der Stadt: die Glasflächen von hohen Gebäuden. Etliche Zugvögel, die tagsüber fliegen, knallen gegen die verspiegelten Glasflächen der Häuser. Auf diese Weise kommen zahlreiche Tiere zu Tode oder werden verletzt.

Und auch die Lage der Vögel im Hofgarten sieht Tumbrinck nicht als gefährdet an. Es handele sich bei ihnen um halbzahme Tiere, die an das städtische Leben gewöhnt sind. Für die Enten und Gänse sei ein neuer heller Punkt nahe des Hofgartens vernachlässigbar. "Sie interessieren sich viel mehr dafür, wenn ein Hund ins Wasser springt." Außerdem seien sie daran gewöhnt, sich auf ändernde Umstände einzustellen, beispielsweise wenn die Gehölze zurückgeschnitten werden. Und auch die Kirmes am Rhein sei ein viel schwierigerer Standort. Dass die Fahrgeschäfte dort für die Vögel ein Problem seien, habe er aber noch nicht gehört.

Quelle: RP
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