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Düsseldorf
Rückblick auf ein richtig schönes Wochenende

Düsseldorf: Rückblick auf Mittelalterfest, Parklife, Bücherbummel
Zoe Kleinbongartz, Elena Sollberg und Florian Eicker (von links) besuchten das Picknick von "Parklife", das seine Premiere im Ostpark in Grafenberg feierte. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Düsseldorf bot am Samstag und Sonntag nicht das eine Großereignis, sondern viele gute Möglichkeiten, das Wetter zu genießen. Vom Mittelalterfest über den Bücherbummel bis zum Parklife. Von N. Esch, M. Ingel, F. Janning, L. Kreuzmann und J. Rieger

Mittelalterfest Ganz cool erledigt Max das Exerzitium mit Kettenhaube, Schild und Lanze. Die Ringe spießt er zu Fuß ebenso souverän wie zu Pferde auf, und auch beim Saustechen macht dem Knappen so schnell keiner etwas vor. Die Belohnung: der Ritterschlag. Das Mittelalterfest auf der Galopprennbahn ist eine große Kinderparty. Dort erleben verblüffte Eltern die Renaissance von eigentlich als langweilig abgestempeltem Spielzeug, wenn der Sprössling plötzlich unbedingt das kleine Holzschwert haben will. Mädchen kommen auf ihre Kosten, wenn im Führring eine Runde auf dem Ponyrücken gedreht wird. Beim Mittelalterfest dürfen Kinder sich austoben, mit Pfeil und Bogen schießen, Hämmern - halt all das, was im Kinderzimmer unter Androhung von Hausarrest verboten ist. Wer nun dummerweise gerade kein Kind zur Hand hat, ist dann auch schon mal etwas enttäuscht. Zwar kann man sich mit einem am Spieß drehenden Spanferkel, einem Tässchen Met und der Musik von "Des Wahnsinns fette Beute" auch ein paar nette Stunden machen. Aber wem der Drang, sich in Wams und Pluderhose zu kleiden, nicht in die Wiege gelegt wurde, der stößt beim Mittelalterfest schnell an eine Toleranzgrenze. Aber, um es mit den Worten eines jungen Mannes zu sagen, der seine meckernde Freundin besänftigen will: "Für 3,50 Euro kannst du auch kein Rock am Ring erwarten."

Bücherbummel Wo sonst kann man auf wenigen Metern "Gemüserezepte, die gesund, schlank und sexy machen", Goethes Werke I und II, "Der Struwwelpeter" oder einen Ratgeber über die Pubertät erstehen. Die Besucher auf der Büchermeile auf der Königsallee schätzen vor allem die Vielfalt - und das Gefühl, längst verloren Geglaubtes wiederentdeckt zu haben. "Man kann Bücher kaufen, die gar nicht mehr verlegt werden", sagt Birgit Grundmann. Für ihren Sohn hat sie ein Buch aus dem Jahr 1989 über Autoklassiker in der Tasche. Antiquar Reinhard Denecke hatte Sammlern ein noch exklusiveres Schmankerl mitgebracht: original Lutherdrucke. Die nötigen 500 bis 1000 Euro hatte aber bislang niemand in der Tasche.

Pater Wolfgang (re.) spielte beim Konzert der Armenküche mit der Band Cashbar Club. FOTO: Endermann Andreas

Parklife Ein schönes Picknick und viel Sonnenschein gab es gestern für die Besucher im Ostpark. Die Veranstaltung war der Auftakt zur Parklife-Reihe, bei der den ganzen Sommer kleine Feste in Düsseldorfer Parks stattfinden. Damit sollen die Grünanlagen bekannter gemacht werden. Vor allem Familien zog es gestern in den kleinen Park, aber auch viele junge Menschen machten es sich auf der Wiese bequem. Ausgestattet mit Baguette und Keksen genossen Zoe Kleinbongartz, Elena Sollberg und Florian Eicker den Tag. Eine Freundin hatte Florian den Tipp gegeben. "Das ist alles unkommerziell, das gefällt mir gut", sagte er. Elena ergänzte: "Die Mischung ist einfach schön." Erik und Doris waren mit ihrer Tochter Julie gekommen. Den Park kannte Erik vorher nicht, "obwohl ich Ur-Düsseldorfer bin". Vor allem die Mischung aus Musik, Spielen und Essen mochte die junge Familie. Am 25. Juni ist Parklife im Hofgarten zu Gast.

Konzert der Armenküche Vorsichtig balanciert Karl-Heinz Gutmann einen Teller Erbsensuppe zu einem der Tische am Burgplatz. "Ganz einfach ist das bei den vielen Menschen nicht", sagt er. Die Armenküche hatte am Samstag zu ihrem "Open Air Essen für Arme und Reiche" auf den Burgplatz in der Altstadt eingeladen. Auch die Schauspieler der Komödie halfen bei der Suppenausgabe. "Ich bin sehr, sehr froh heute hier zu sein. Armut kann jeden treffen", sagt Dorkas Kiefer. Katrin Schindler, Leiterin des Theaters an der Steinstraße, läuft mit einem riesigen Sparschwein herum und sammelt Spenden. Viele der zufälligen Besucher lassen sich von den Live-Bands anlocken. Nicht nur bei der Punkrock-Band Cashbar Club nimmt Moderator Pater Wolfgang seine Mundharmonika und begleitet die Musiker furios. "Ich freue mich, dass ich heute bei jeder Band einmal mitspielen darf", sagt er strahlend.

Die kleinen Besucher (hier: Abdullah bei Ritterspielen) mochten das Mittelalterfest auf der Rennbahn besonders. FOTO: Endermann Andreas

Festival de Pétanque Konzentriert beugt sich Marco Lonken leicht vor. Den ausgestreckten Arm schwingt der 24-Jährige zunächst nach unten, als er ihn dann federnd wieder nach oben führt, stößt er die in der Hand liegende Kugel aus dem Handgelenk ab. Zack, die Kugel landet mit traumwandlerischer Sicherheit genau dort, wo er sie hinhaben wollte. Um Kugeln und Punkte ging es am Wochenende beim zweitägigen Festival de Pétanque des Düsseldorfer Boule-Clubs Sur Place. Baskenmützen tragende, alte Männer gab es nur ganz wenige. Marco Lonken vom gastgebenden Club ist das beste Beispiel dafür, dass dieses Klischee überholt ist. Der Nationalspieler ist zum fünften Mal dabei und gehört mit seinem Partner Toufic Farci zu den besten Akteuren. "Ich liebe dieses Ambiente, es ist das schönste Turnier, das ich kenne", sagt Lonken. Im vergangenen Jahr hatten er und Farci das internationale Doublette-Turnier "Trophee sur place" gewonnen. Und auch diesmal gelang dem Duo dieser Coup gegen die besten Spieler Europas und Nordafrikas.

Quelle: RP
 
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