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Düsseldorf
Düsseldorf scheut das Thema Tod

Düsseldorf. Förderverein Palliativarbeit fordert bessere Versorgung mit Fachkräften. Von Hans Onkelbach

Die medizinische Versorgung Düsseldorfs gilt als vorbildlich, in Teilen allerdings auch nicht mehr bedarfsgerecht, wie viele Großstädte gibt es auch hier einen Bettenüberhang. Aber ein Bereich ist sträflich vernachlässigt, muss dringend verbessert werden - die Versorgung mit Fachkräften der Palliativmedizin. Vor allem die rund 100 Pflegedienste in der Stadt sind bis auf sehr wenige Ausnahmen nicht dazu in der Lage, die Bedürfnisse von palliativ zu versorgenden Patienten zu erkennen und entsprechend zu reagieren. Das jedenfalls sagt der im Januar gegründete Verein "Förderverein Palliativarbeit". Die stellvertretende Vorsitzende, Sabine Hulverscheidt, spitzt die Kritik zu: "Das schicke Düsseldorf scheut das Thema Tod!" Und die Vorsitzende, Kerstin Hommel (Chefin des Pflegedienstes Albatros), sieht außer ihrem eigenen Unternehmen nur noch eine zweite Gruppe, die palliativ tätig werden kann, nämlich das Palliative Care Team (PCT) beim EVK.

Palliative Versorgung meint die Betreuung von schwer erkrankten (nicht sterbenden!) Patienten, um deren Lebenserwartung zu steigern, vor allem aber eine höhere Lebensqualität während der Therapie zu erreichen. In der öffentlichen Wahrnehmung wird diese Art der medizinischen Betreuung oft mit Sterbehilfe gleich gesetzt oder mit der Arbeit der Hospiz-Einrichtungen verwechselt oder gleich gesetzt. Vor allem leidet die Palliativmedizin unter dem Vorurteil, als letztes Mittel, gleichsam als Begleitung bis zum Tode angeboten zu werden.

Diesem Eindruck treten Palliativmediziner wie der Düsseldorfer Claudius Löns entgegen. Man strebe an, sehr früh bereits in die Therapie mit einbezogen zu werden. Es geht um die Linderung von Schmerzen, den positiven Einfluss auf den Krankheitsverlauf, die umfassende soziale, psychologische, aber auch spirituelle Versorgung des Kranken. Die Angehörigen werden mit einbezogen und unterstützt, man setzt auf Teamwork aller Beteiligten - Familie, Pfleger, Ärzte und, natürlich, des Patienten selbst: "Wir bejahen das Leben, aber sehen Sterben als normalen Prozess!", heißt es bei dem Verein.

Das alles bieten zu können, muss den Pflegekräften beigebracht werden. Daher bietet der Förderverein Palliativarbeit Pflegediensten (sowohl ambulanten wie auch stationären) an, eine Weiterbildung zu vermitteln und zu bezahlen. Eine Weiterbildung würde über rund vier Wochen gehen und kostet zwischen 1600 und 2000 Euro.

Das Ziel des Vereins: Pro Stadtteil sollte es irgendwann einmal zumindest einen Pflegedienst geben, der palliative Betreuung gewährleisten kann. Davon ist die medizinisch so gut versorgte Stadt Düsseldorf weit entfernt.

Quelle: RP
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